Pastoraltheologin Katharina Karl ordnet Evaluation des Synodalen Wegs ein

Pastoraltheologin Katharina Karl ordnet Evaluation des Synodalen Wegs ein

Im Gespräch mit CNA Deutsch ordnet Katharina Karl, Professorin für Pastoraltheologie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, die zentralen Ergebnisse der wissenschaftlichen Evaluation des Synodalen Wegs ein. Gemeinsam mit Markus Dumberger hatte sie die Vollerhebung unter den Synodalen verantwortet.

Karl spricht über die statistischen Befunde, unterschiedliche Wahrnehmungen im Prozess sowie darüber, worauf es ihrer Meinung nach bei einer sachlich ausgewogenen Berichterstattung ankommt.

Die Studie fragt nach „vermuteten Effekten“ des Synodalen Weges. Beim Punkt „Behebung der systemischen Ursachen sexualisierter Gewalt“ fällt die Einschätzung eher niedrig aus. Wie erklären Sie diesen Befund?

Der Forschungsbericht entwirft zwei mögliche Deutelinien aus dem Befund der Evaluation, dass die Synodalen einen geringen Beitrag zur Behebung der systemischen Ursachen sexualisierter Gewalt vermuten. Diese Deutungen sind schematisiert dargestellt und in dieser Form aus dem Ergebnis nicht valide abzuleiten. Wir haben sie daher vorsichtig als „mögliche Deutungen“ formuliert. Sie dienen der Anregung der weiteren Diskussion und schließen ganz andere Interpretationen oder Begründungen nicht aus. Hier wäre qualitativ genauer nachzufragen, was einzelne Synodale zu dieser Einschätzung bewegt hat.

Wie ordnen Sie das statistisch relevante Item „Lagerbildung stand mehr im Vordergrund als Einheit und gemeinsam auf dem Weg sein“ im Gesamtzusammenhang der quantitativen und qualitativen Ergebnisse ein?

Im Forschungsbericht wird das genannte Cluster folgendermaßen ausgewertet: „Der Eindruck, mit den anderen Synodalen an einem Strang zu ziehen, ist, ebenso wie die Wahrnehmung einer Lagerbildung, auf einem mittleren Niveau“ (S. 28). Das bedeutet, dass hierzu gegensätzliche Wahrnehmungen vorliegen und das Item insgesamt keine übergeordnete Rolle spielt.

Die Freitextantworten stützen den Befund: Im kleinen qualitativen Teil der Studie nehmen einige wenige Synodale zu diesem Cluster Stellung und sprechen davon, dass sie Lagerbildung erlebt und als störend empfunden haben. Andere berichten von Erfahrungen der Annäherung, des wachsenden Verständnisses etc. zwischen verschiedenen Gruppierungen. Für sie waren Schritte der Einheit erfahrbar.

Wo sehen Sie aus Ihrer Sicht die größten Risiken einer verkürzten Rezeption der Studie und was wäre Ihnen für eine ausgewogene Berichterstattung besonders wichtig?

Das Anliegen der Evaluation war, die Erfahrungen mit dem Prozess möglichst breit zu erheben und darzustellen. Sie hatte zum Ziel, den Prozess auf Elemente von Synodalität hin zu befragen und daraus sowohl Gelingensfaktoren als auch kritische Elemente des Prozesses aus Sicht der Synodalen zu identifizieren. Das Erleben einzelner ist wichtig, ist aber immer im Ganzen zu betrachten. So lassen sich verlässliche Schlussfolgerungen erarbeiten, wie Prozesse möglichst für alle Beteiligten besser gestaltet werden können.

Besonders wichtig für eine ausgewogene Berichterstattung in der Wissenschaftskommunikation ist das Bemühen einer sachlich ausgewogenen Darstellung. So entgeht sie der Gefahr, die Evaluation für die eigene Position zu vereinnahmen, informiert und fördert eine positive Diskussionskultur. Im Ringen darum, das Evangelium in der heutigen Zeit zu bezeugen – hier verlasse ich die Ebene der wissenschaftlichen Einordnung – ist es notwendig, unterschiedliche Positionen anzuerkennen. Den Respekt vor dem anderen und das Bemühen um Verständnis halte ich für entscheidende Kriterien in der Berichterstattung, die letztlich auch der Verkündigung dienen.

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