Kölner Regens Thillainathan: Priestertum ist „geistliche Lebensform“, nicht „Funktion“

Kölner Regens Thillainathan: Priestertum ist „geistliche Lebensform“, nicht „Funktion“

Der Regens des Kölner Priesterseminars, Regamy Thillainathan, hat betont, das Priestertum sei eine „geistliche Lebensform“, nicht aber eine bloße „Funktion“ im Apparat Kirche.

In einem Beitrag für Communio schrieb Thillainathan am Freitag, das Priestertum werde „nur noch selten aus seiner eigenen inneren Wirklichkeit heraus betrachtet, sondern meist im Zusammenhang größerer Fragen nach Strukturen und organisatorischen Veränderungen“. Damit verschiebe sich indes „der Ausgangspunkt des Denkens in einer Weise, die oft gar nicht bewusst wahrgenommen wird“.

„Das Priestertum wird nicht mehr von innen her verstanden, sondern von außen her, von Aufgaben und Anforderungen her“, erläuterte Thillainathan. „Was von Aufgaben her erklärt wird, erscheint jedoch früher oder später als Funktion innerhalb einer Organisation und nicht mehr als eigene geistliche Lebensform.“

Hinzu komme, „dass das Priestertum häufig vor allem im Zusammenhang von Spannungsfeldern zur Sprache kommt. Es geht um Priestermangel, um die zu Recht notwendige Aufarbeitung vom Missbrauch, um (Pflicht-)Zölibat, um Arbeitsbelastung oder um strukturelle Veränderungen.“

„Wer über längere Zeit hinweg nur in diesem Zusammenhang vom Priestertum hört, wird kaum den Eindruck gewinnen, dass es sich dabei um eine große geistliche Lebensform handelt, für die es sich lohnt, das eigene Leben einzusetzen“, resümierte Thillainathan.

Er führte vor diesem Hintergrund aus: „Eine geistliche Lebensgestalt gerät nicht zuerst in eine Krise, weil ihre äußeren Bedingungen schwierig werden“, denn solche schwierigen Bedingungen habe es immer gegeben. „In eine Krise gerät eine geistliche Lebensform vielmehr dann, wenn ihre innere Gestalt unklar wird. Wo nicht mehr klar ist, warum es dieses Leben gibt und wofür es steht, wird auch der Weg in dieses Leben unklar. Die Krise beginnt dann nicht an der Oberfläche, sondern im Verlust der eigenen Mitte. Die gegenwärtige Situation des Priestertums könnte daher in einem tieferen Sinn weniger eine Strukturkrise als eine Identitätskrise sein.“

Zur Lösung dieser Krise verwies Thillainathan darauf, dass sich das Priestertum „nicht aus sich selbst heraus erklären“ lasse, „sondern nur von der Kirche her und letztlich von Christus her. Wenn die Kirche sich vor allem als Organisation versteht, wird sie das Priestertum organisatorisch verstehen und von Aufgaben her erklären. Wenn sie sich jedoch als sakramentale Wirklichkeit versteht und aus der Gegenwart Christi lebt, wird sie das Priestertum von dieser Wirklichkeit her verstehen und als Teil ihrer Sendung begreifen.“

So erscheine „das Priestertum nicht mehr zuerst als Funktion, sondern als geistliche Lebensform innerhalb der Sendung der Kirche“: „Die Frage nach der Zukunft des Priestertums ist dann nicht zuerst eine Frage nach Strukturen und nicht zuerst eine Frage nach Zahlen. Sie ist eine Frage nach der Mitte der Kirche und nach der Klarheit darüber, wovon die Kirche lebt. Wo die Kirche aus ihrer Mitte lebt, wird sie auch das Priestertum verstehen.“

Thillainathan nahm gerade die Bischöfe in die Verantwortung, denn diese prägten „durch ihre Verkündigung und durch die pastoralen Akzente, die sie setzen, das Bild von Kirche mit“. Deshalb hänge von ihrem Kirchenverständnis „in hohem Maß ab, wie auch das Priestertum verstanden wird“.

„Wo vor allem organisatorisch gesprochen wird, wird die Kirche auch organisatorisch wahrgenommen“, zeigte sich der Kölner Regens überzeugt. „Wo jedoch vom Durst Jesu, von der Eucharistie, von der Schönheit des Glaubens und von der Sendung der Kirche gesprochen wird, wird auch das Verständnis der Kirche geistlicher und tiefer.“

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