Sprecher der deutschen Seminaristen: Leitbild ist das des „seelsorglichen“ Priesters

Sprecher der deutschen Seminaristen: Leitbild ist das des „seelsorglichen“ Priesters

Jan Lierz, der Vorsitzende der Deutschen Seminarsprecherkonferenz, hat betont, das „Leitbild“, das Priesteramtskandidaten anspreche, sei „das des missionarischen, seelsorglichen Priesters, der den Kern seiner Berufung im Dienst am Menschen sieht“.

Lierz kontrastierte dies im Gespräch mit katholisch.de am Samstag mit den zunehmend im Vordergrund stehenden Verwaltungsaufgaben: „Im Gespräch mit vielen Seminaristen höre ich heraus, dass man sich eigentlich nicht in dieser Rolle sieht und auch kein Manager werden möchte.“

Vor wenigen Tagen hatte die Deutschen Bischofskonferenz (DBK) eine neue Rahmenordnung für die Priesterausbildung veröffentlicht, die etwa 200 Seiten umfasst und den Text von 2003 ablöste. Lierz erläuterte vor diesem Hintergrund: „2003 wurde viel weniger darüber nachgedacht, in welcher gesellschaftlichen Situation eigentlich Priesterausbildung stattfindet. Die Sensibilität für sexualisierte Gewalt und Machtmissbrauch in der Kirche war damals noch nicht zentral – mit den Lernerfahrungen, die wir als Kirche seither gemacht haben, musste sich das ändern. Deshalb legt die Rahmenordnung einen so großen Wert auf Persönlichkeitsentwicklung und die persönliche Bindungsfähigkeit, auf psychologische Expertise in der Ausbildung und auf die Reflexion der eigenen Rolle mit Blick auf Macht und Machtstrukturen.“

„Dazu kommt, dass nicht erst seit 2003 die Seminare viel kleiner geworden sind – kein Seminarist lebt in Deutschland mehr mit 60 anderen Seminaristen im Seminar“, fuhr er fort. „Daraus zieht die Ordnung unter anderem die Konsequenz, Ausbildung weniger in starren Strukturen und viel stärker dynamisch zu denken.“

Schließlich betonte er, dass in den letzten Jahren „der Gedanke der Synodalität stärker entdeckt wurde, was auch Auswirkungen auf die Rolle und das Bild von Priestern hat. Das alles ist bereits jetzt Teil der Ausbildung; die neue Rahmenordnung sorgt jedoch durch ihre Systematisierung dafür, dass klare Strukturen und verbindliche Ziele festgelegt werden.“

Grundsätzlich sei ein wichtiger Gedanke, „dass die Ausbildung, die Formatio nichts ist, das nur von oben kommt, wie es vielleicht früher einmal gedacht wurde. Formatio ist ein organischer Prozess an vielen Orten: An Universitäten, in pastoralen Praktika, in der gemeinsamen Ausbildung mit anderen pastoralen Berufen und auch – aber nicht nur – im Priesterseminar. Dieser Formationsbegriff, das Heranreifen in die priesterliche Lebensform, wird jetzt weiter gefasst. Damit können wir einen deutlich reflektierteren Weg gehen und besser in die Rolle hineinwachsen, auf die wir uns als Seminaristen vorbereiten.“

In Deutschland werden immer weniger Männer zu Priestern geweiht. In den 27 Bistümern kam es 2025 nur zu 25 Priesterweihen. Im Jahr zuvor waren es 29. 2007 waren es zum letzten Mal mehr als 100, 1994 zum letzten Mal mehr als 200.

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