Bischof Wilmer zu Pfingsten: „Die Welt ist laut – aber nicht immer wahr“
Im Dom zu Hildesheim hat Bischof Heiner Wilmer SCJ, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), zu Pfingsten betont: „Die Welt ist laut – aber nicht immer wahr. Die Welt ist vernetzt – aber nicht unbedingt verbunden. Und genau hier setzt Pfingsten an.“
„Der Heilige Geist, von dem Paulus spricht, ist kein Geist der Gleichmacherei“, erläuterte der Bischof, der bald das Bistum Hildesheim verlässt und das Bistum Münster übernimmt. „Er ist kein Dirigent, der alle Instrumente zum selben Ton zwingt. Er ist der Atem Gottes, der Unterschiedlichkeit hervorbringt – und sie zugleich aufeinander bezieht.“
„Einheit ist nicht Gleichklang – Einheit ist Zusammenklang“, sagte Wilmer. Dies sei eine „Herausforderung“: „Denn wir erleben nicht nur Vielfalt. Wir erleben auch Spannungen. Unterschiedliche Sichtweisen. Unterschiedliche Überzeugungen. Manchmal sogar Gegensätze.“
„Und wir sind versucht, diese Spannungen aufzulösen, indem wir sie zum Schweigen bringen“, fuhr der DBK-Vorsitzende fort. „Indem wir sagen: Diese Stimme passt nicht. Dieses Instrument stört. Diese Perspektive gehört nicht dazu. Aber vielleicht ist genau das der eigentliche Irrtum. Häresie beginnt nicht dort, wo Menschen fragen. Sie beginnt dort, wo wir aufhören, einander zuzuhören.“
So gelte: „Ein Orchester, das bestimmte Instrumente ausschließt, verliert seine Tiefe. Eine Kirche, die nur eine Stimme duldet, verliert ihre Weite. Eine Gesellschaft, die Vielfalt fürchtet, verliert ihre Zukunft.“
Der Heilige Geist bringe Vielfalt hervor, und zwar „nicht als Problem, sondern als Gabe. Er schafft Einheit – nicht durch Druck, sondern durch Beziehung. Und das gilt nicht nur für die Kirche. Es gilt für unsere Welt.“
„Vielleicht ist das die leise, aber kraftvolle Botschaft dieses Tages“, fasste Wilmer zusammen. „Dass wir nicht gerufen sind, die Welt zu vereinfachen. Sondern sie zum Klingen zu bringen. Dass wir nicht gerufen sind, Unterschiede auszulöschen. Sondern sie in Beziehung zu setzen. Dass wir nicht gerufen sind, uns selbst zu retten. Sondern uns finden zu lassen – im größeren Ganzen.“
