Aufarbeitung von Missbrauch: Bischof Jung „enttäuscht“ von Vorgänger Hofmann
Mit Blick auf die Aufarbeitung von Missbrauch im Bistum Würzburg hat sich Bischof Franz Jung „enttäuscht“ gezeigt vom Verhalten seines unmittelbaren Vorgängers, Bischof Friedhelm Hofmann.
„Ich bin enttäuscht und hätte mir erwartet, dass Bischof Friedhelm sich mutig der Situation stellt, sich zu seiner persönlichen Verantwortung bekennt und daraus auch Konsequenzen zieht – auch im Sinne der Betroffenen und der Gemeinde in Höchberg“, sagte Jung am Montag bei einer Veranstaltung in der betroffenen Pfarrei, wie das Bistum berichtete.
Bei dieser Veranstaltung stellte ein „Prozessteam“ eine Untersuchung „der Geschehnisse und Versäumnisse rund um die Tatvorwürfe gegen den 2017 verstorbenen Pfarrer der Gemeinde“ vor. Das Bistum sei bereits 2010 erstmals über Vorwürfe gegen den Pfarrer informiert worden. Damals war Hofmann Bischof von Würzburg.
Hubert Humm, der dem „Prozessteam“ angehörte, sagte, unter Hofmann zeige sich eine „Strategie der Abschottung“. Der damalige Bischof, so das Bistum zusammenfassend, habe sich „nicht an die Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz zum Umgang mit Missbrauchsfällen gegen Minderjährige gehalten. Die Verantwortung habe er auf den verstorbenen Generalvikar abgeschoben. Nach Auffassung der Vertreter der Gemeinde im Prozessteam sei Bischof Hofmann der Titel eines Ehrendomherrn durch Bischof Jung abzuerkennen.“
Jung hielt fest: „Ich bin nicht der Richter Bischof Friedhelms und kann auch niemanden zur Einsicht oder zu einem persönlichen Schritt zwingen. Für mich ist es sehr bitter, weil ich seit meinem Amtsantritt als Bischof in Würzburg für eine Haltungsänderung stehe. Ich stehe für rückhaltlose Aufarbeitung, für Benennung von Fehlern und für Verantwortungsübernahme.“
Hofmann selbst hatte sich im Rahmen der Veranstaltung am Montag in einem Video zu Wort gemeldet und dabei ausdrücklich erklärt: „Ich trage Verantwortung.“ Er habe sich „zu sehr auf die Bearbeitung durch meinen damaligen Generalvikar als Leiter der Bistumsverwaltung verlassen. Ich hätte als Bischof stärker nachfragen, genauer hinschauen und konsequenter handeln müssen. Viele von Ihnen fühlen sich nicht ausreichend informiert und nicht ernst genommen.“
„Auch wenn mir kein rechtswidriges Handeln angelastet werden kann, ist mir bewusst, dass meine Verantwortung nicht dort aufhört, wo juristische Verantwortlichkeit endet“, führte Hofmann aus. „Deshalb bitte ich aufrichtig um Entschuldigung.“ Er werde sich nun „persönlich darum kümmern, dass es im Bistum Würzburg eine Stiftung für Betroffene sexualisierter Gewalt geben wird“.
Die Pressestelle der Diözese Würzburg kommentierte: „Eine ausdrückliche Verantwortungsübernahme mit einem Schuldeingeständnis ließ Bischof Hofmann allerdings bei seinen Ausführungen vermissen.“
