Designierter Mainzer Weihbischof spricht über Unterschiede zwischen Indien und Deutschland

Designierter Mainzer Weihbischof spricht über Unterschiede zwischen Indien und Deutschland

Der designierte Mainzer Weihbischof Joshy George Pottackal OCarm hat eingeräumt: „Viele Themen, die in Deutschland viel diskutiert werden, haben in Indien kaum Relevanz.“ Pottackal wird am 15. März zum Bischof geweiht. Er stammt selbst aus Indien, lebt aber seit vielen Jahren in Deutschland und ist auch deutscher Staatsbürger.

Dem Portal The Pillar sagte Pottackal am Montag, zu den Themen, die in Indien weit weniger relevant seien, gehöre „die Rolle der Frau in der Kirche, die Haltung gegenüber LGBTQ oder der Zölibat der Priester. Die Aufarbeitung und Prävention von Fällen sexuellen Missbrauchs innerhalb der Kirche ist in Deutschland ein großes Thema, während die Schutzbemühungen in Indien sozusagen noch in den Kinderschuhen stecken.“

Der Karmelit betonte: „Persönlich schätze ich es, dass von Priestern in Deutschland – genau wie von allen anderen auch – erwartet wird, dass sie auf ihr geistiges und körperliches Wohlbefinden achten, beispielsweise indem sie tatsächlich Urlaub nehmen usw.“

„Außerdem gefällt mir, dass Priester in Deutschland mehr Freiheit haben, Gottesdiensten eine persönliche und individuelle Note zu verleihen“, fügte er hinzu.

„Im Allgemeinen ist das Christentum in Indien viel traditioneller als in Deutschland“, sagte der designierte Weihbischof. „Die Zahlen der Messbesucher sind in Indien deutlich höher. Frömmigkeit und Andachten spielen eine viel größere Rolle, und Praktiken wie Anbetung, Rosenkranzgebet oder Novenen oder die Segnung neuer Autos oder Häuser sind sehr beliebt. Massen-Segnungen von beispielsweise Motorrädern oder Haustieren, die in Deutschland häufiger vorkommen, gelten in Indien jedoch als ungewöhnlich.“

„Das traditionelle Fasten in Form von Verzicht auf Essen oder Alkohol während der Fastenzeit oder der Adventszeit ist in Indien weit verbreitet“, fuhr er fort. „Andere Formen – wie beispielsweise der Verzicht auf das Autofahren aus Umweltgründen oder auf die Nutzung elektronischer Geräte – sind dort fast unbekannt, während sie in Deutschland in den letzten Jahren immer mehr Verbreitung gefunden haben.“

„Aus organisatorischer Sicht spielt die Verwaltung in Deutschland eine wichtigere Rolle als in Indien. Entscheidungsprozesse dauern in Deutschland länger, basieren aber oft auf gegenseitigen Konsultationen“, so Pottackal. „Und natürlich gibt es in Indien keine Kirchensteuer.“

Schließlich erklärte er: „Was die Berufungen angeht, so sind die Zahlen in Indien nach wie vor sehr hoch, während die Kirche in Deutschland und in Europa insgesamt in dieser Hinsicht wirklich zu kämpfen hat. Da jedoch viele junge Menschen Indien auf der Suche nach einer besseren Zukunft verlassen, bleibt abzuwarten, wie sich dies auf die Zahl der Berufungen auswirkt.“

Mit Blick auf den deutschen Synodalen Weg hielt Pottackal fest, es sei „notwendig und richtig“ gewesen, „sich mit dem ursprünglichen Problem, das zum Synodalen Weg geführt hat – dem Missbrauchsskandal –, und anderen Themen auseinanderzusetzen. Ich halte es für positiv, dass der Synodale Weg zu schnelleren Reformen geführt und einen Wandel in den Einstellungen bewirkt hat.“

Auf die inhaltlichen Forderungen des Synodalen Wegs – etwa nach der regulären Taufspendung durch Laien, der Frauenordination oder einer Kehrtwende in der überlieferten Lehre zur Homosexualität – ging er nicht ein. Es sei aber „entscheidend, den Dialog in der Synodalkonferenz fortzusetzen, natürlich in enger Abstimmung mit der Weltkirche, und gemeinsam gangbare Wege für die Zukunft zu finden“.

Der Vatikan muss die Satzung der Synodalkonferenz noch genehmigen. Die weiterhin kritische Frage ist jene nach dem gemeinsamen Beraten und Entscheiden von Diözesanbischöfen und Nicht-Bischöfen, was im Vatikan zumindest in den vergangenen Jahren auf Widerstand stieß. In der Satzung heißt es konkret, die Synodalkonferenz „berät und fasst Beschlüsse im Sinne ‚synodaler Entscheidungsprozesse‘ (vgl. Abschlussdokument der Bischofssynode, Nr. 94) zu wichtigen Fragen des kirchlichen Lebens von überdiözesaner Bedeutung“.

Werden Sie Teil der EWTN-Familie. Abonnieren Sie unseren Newsletter!

*Ich möchte zukünftig den wöchentlichen Newsletter von EWTN.TV mit Impulsen, Programmtips und Informationen rund um Ihren katholischen Fernsehsender per E-Mail empfangen. Diese Einwilligung kann am Ende jedes Newsletters widerrufen werden. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.