Dogmatiker Hoping: Deutsche Bischöfe setzen auf „normierende Kraft des Faktischen“
Der Freiburger Dogmatiker Helmut Hoping hat erklärt, eine Mehrheit der deutschen Bischöfe setze bei Vorstößen wie nun der Predigt durch Laien bei Messfeiern „auf die normierende Kraft des Faktischen“.
„Diese Strategie scheint man auch bei Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare zu verfolgen, obschon solche Segensfeiern durch die Erklärung Fiducia Supplicans (2023) des Dikasteriums für die Glaubenslehre ausdrücklich untersagt sind, was Kardinal Fernández, Präfekt des Dikasteriums, mehrfach deutlich gemacht hat“, sagte Hoping der katholischen Wochenzeitung „Die Tagespost“.
Tatsächlich hieß es in dem Dokument von 2023, das zahlreiche Bischöfe – darunter faktisch der gesamte afrikanische Episkopat – abgelehnt hatten, unter der Überschrift „Segnungen von Paaren in irregulären Situationen und gleichgeschlechtlichen Paaren“: „In dem hier umrissenen Horizont liegt die Möglichkeit der Segnung von Paaren in irregulären Situationen und von gleichgeschlechtlichen Paaren, deren Form von den kirchlichen Autoritäten nicht rituell festgelegt werden darf, um keine Verwechslung mit dem dem Ehesakrament eigenen Segen hervorzurufen. In diesen Fällen wird ein Segen gespendet, der nicht nur einen aufsteigenden Wert hat, sondern auch die Anrufung eines herabsteigenden Segens von Gott selbst für diejenigen ist, die sich als mittellos und seiner Hilfe bedürftig erkennen und nicht die Legitimation ihres eigenen Status beanspruchen, sondern darum bitten, dass alles, was in ihrem Leben und ihren Beziehungen wahr, gut und menschlich gültig ist, durch die Gegenwart des Heiligen Geistes bereichert, geheilt und erhöht wird.“
Gegenüber der Tagespost legte Hoping unter Verweis auf zahlreiche kirchliche Dokumente der letzten 50 Jahre dar, warum die Predigt durch Laien bei Messfeiern nicht möglich ist. „Offiziell eingeführt wurde die Laienpredigt in der Messfeier in keinem deutschen Bistum“, hielt der Dogmatiker vor diesem Hintergrund ausdrücklich fest. Aber: „Wenn Bischöfe diese dennoch dulden oder gar erlauben, wirft dies einige Fragen hinsichtlich ihres Rechtsverständnisses auf.“
Auf die Frage, ob sich denn die Gläubigen überhaupt Laien als Prediger wünschen, sagte Hoping, ihm sei „keine repräsentative Umfrage dazu“ bekannt, „wie viele der gottesdienstlich praktizierenden Katholiken sich Predigten von Laien bei der Messfeier wünschen“.
„Wenn nun der Heilige Stuhl darum gebeten werden soll, die Laienpredigt in der Feier der Messe durch ein Indult für die katholische Kirche in Deutschland zu erlauben, so scheint mir das kirchenpolitisch motiviert zu sein“, betonte er. „Nachdem man mit den zentralen Forderungen der Agenda des Synodalen Weges nicht durchgedrungen ist, will man am Ende wohl nicht mit leeren Händen dastehen.“
Ende Februar hatte die Deutsche Bischofskonferenz (DBK), vertreten durch ihren neuen Vorsitzenden Bischof Heiner Wilmer SCJ, angekündigt, in Rom formal um die Zulassung der Predigt durch Laien innerhalb der Messe bitten. Auch wenn diese Praxis in Deutschland an manchen Orten existiert, ist sie eigentlich untersagt.
„Die Synodalversammlung 2023 hatte mit großer Mehrheit insgesamt und auch von uns Bischöfen im Handlungstext Verkündigung des Evangeliums durch beauftragte Getaufte und Gefirmte in Wort und Sakrament beschlossen, dass die deutschen Bischöfe beim Heiligen Stuhl eine Erlaubnis dafür beantragen, dass auch in Eucharistiefeiern nicht nur Priester, sondern auch andere geistlich qualifizierte Männer und Frauen, die vom Bischof beauftragt sind, predigen dürfen“, erinnerte Wilmer in seinem Pressebericht am Ende der Frühjahrs-Vollversammlung der deutschen Bischöfe in Würzburg.
„Wir haben dies jetzt aufgenommen, ausführlich beraten und in dieser Vollversammlung das Ziel des Handlungstextes umgesetzt, indem eine Ordnung des Predigtdienstes beschlossen wurde, die dies ermöglichen soll“, fügte er hinzu. „Für diese Ordnung wollen wir nun in Rom um Zustimmung bitten. Wir haben vereinbart, dass ich dies bei meinem nächsten Besuch in Rom mitnehmen und auch noch einmal vor Ort im Gespräch erläutern und dafür werben werde.“
Kardinal Arthur Roche, der Präfekt des Dikasteriums für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, hatte sich Ende März 2023 – rund zwei Wochen nach dem Beschluss des Handlungstextes durch den Synodalen Weg – in einem Schreiben an den damaligen Vorsitzenden der DBK gewandt, Bischof Georg Bätzing. Er hielt fest: „Dies ist kein Ausschluss der Laien und natürlich auch keine Leugnung des Rechts und der Pflicht eines jeden Getauften, ob Mann oder Frau, das Evangelium zu verkünden, sondern vielmehr eine Bestätigung der Besonderheit dieser Form der Verkündigung, die die Homilie ist (vgl. CIC can. 767 § 1).“
In der Instruktion Redemptionis sacramentum hatte die vatikanische Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung im Jahr 2004 bereits eindeutig klargestellt: „Die Homilie, die während der Feier der heiligen Messe gehalten wird und Teil der Liturgie selbst ist, ‚wird in der Regel vom zelebrierenden Priester gehalten oder von ihm einem konzelebrierenden Priester oder manchmal, wenn dies angebracht erscheint, auch einem Diakon übertragen, niemals aber einem Laien. In besonderen Fällen kann die Homilie aus einem gerechten Grund auch von einem Bischof oder einem Priester gehalten werden, der an der Feier teilnimmt, ohne konzelebrieren zu können.‘“
„Es muß daran erinnert werden, daß jedwede frühere Norm, die nichtgeweihten Gläubigen die Homilie innerhalb der Meßfeier gestattet hatte, aufgrund der Vorschrift von can. 767 § 1 als aufgehoben anzusehen ist“, hieß es dort außerdem. „Diese Praxis ist verworfen und kann deshalb nicht aufgrund irgendeiner Gewohnheit gestattet werden.“
Schließlich gelte: „Das Verbot der Zulassung von Laien zur Predigt innerhalb der Meßfeier gilt auch für die Alumnen der Seminare, für Studenten der theologischen Disziplinen und für jene, die als sogenannte ‚Pastoralassistenten‘ eingesetzt sind, sowie für jedwede Art, Gruppe, Gemeinschaft oder Vereinigung von Laien.“
Kardinal Roche vertiefte in seinem Schreiben im Jahr 2023 das Nein der Kirche zur Laien-Predigt: „Ich halte es für unzulässig, dass im Bewusstsein der christlichen Gemeinde Missverständnisse über die Gestalt und Identität des Priesters entstehen, der als Einziger kraft des Sakraments ‚in persona Christi capitis‘ handeln kann. Der geweihte Amtsträger vertritt sakramental Christus, das Haupt, kraft der ‚sacra potestas‘, die ihm bei der Weihe verliehen wurde, d. h. kraft der Fähigkeit, die ihm durch die besondere Beziehung zum Heiligen Geist aufgrund der Weihe verliehen wurde.“
„Es geht nicht darum, Ungleichheiten zwischen den Getauften zu schaffen, sondern anzuerkennen, dass es Unterscheidungen gibt, die vom Geist gemacht werden, der verschiedene Charismen hervorbringt, die unterschiedlich sind und sich ergänzen“, so Roche. „Kraft des Weihesakraments ist der geweihte Amtsträger für die Verkündigung des Wortes und die Danksagung über Brot und Wein verantwortlich: Wort und Sakrament sind untrennbare Realitäten, und insofern sie nicht nur formaler Ausdruck der Ausübung der ‚sacra potestas‘ sind, sind sie weder trennbar noch können sie delegiert werden.“
Er fügte hinzu: „Die Exklusivität der homiletischen Rede bei der Feier aller Sakramente ist auf einer sakramentalen Ebene zu verstehen und nicht nur funktional, was unweigerlich dazu führen würde, dass der geweihte Dienst seine Besonderheit verliert: sie ist eine Handlung, die strukturgemäß und untrennbar mit der sakramentalen Handlung verbunden ist, die, immer kraft des Weihesakraments, in der Verantwortung des geweihten Amtsträgers liegt.“
Eine „bessere theologische Vorbereitung oder eine bessere Kommunikationsfähigkeit von Laien (Männern oder Frauen) gegenüber den geweihten Amtsträgern“ könne „nicht als gültiges Kriterium dafür angesehen werden, ihnen die Homilie anzuvertrauen“, schrieb Roche vor etwa drei Jahren.
