Ökumenischer Religionsunterricht in Niedersachsen vernachlässigt Jesus, betont Dialog
Das niedersächsische Kultusministerium hat den Entwurf des Kern-Curriculums für das neue Schulfach „Christliche Religion“, das ab August 2026 regulär unterrichtet wird, zur Anhörung veröffentlicht. Während der Name Jesu im gesamten Dokument lediglich zehnmal auftaucht, legt der Text einen starken inhaltlichen Fokus auf den interreligiösen Dialog, insbesondere mit dem Islam.
In Niedersachsen soll das neue Fach „Christliche Religion“ ab dem 13. August 2026 für die Jahrgänge 1 und 5 verpflichtend eingeführt werden. Es löst den bisher nach Konfessionen getrennten evangelischen und katholischen Religionsunterricht ab.
Hintergrund der Reform sind sinkende Schülerzahlen im bekenntnisgebundenen Religionsunterricht. Bereits seit 1998 gab es in Niedersachsen das Modell der konfessionellen Kooperation, bei dem katholische und evangelische Schüler gemeinsam unterrichtet wurden.
Derzeit läuft noch bis zum 28. März eine zweite, verkürzte Anhörungsphase. Der am 25. Februar veröffentlichte Entwurf des Kern-Curriculums für den Sekundarbereich I bildet die rechtliche Grundlage für die künftigen Lernziele.
Inhaltlich legt das 52-seitige Dokument einen deutlichen Schwerpunkt auf interreligiöse Perspektiven. Dazu heißt es in der Anhörfassung: „Der Blick weitet sich auf die Geschwisterreligionen Judentum und Islam sowie auf andere Religionen und nicht-religiöse Weltanschauungen. Leitend ist die enge, untrennbare Verbundenheit des Christentums mit dem Judentum und die einzigartige Beziehung zu ihm.“
Demgegenüber tritt die explizite Nennung von Jesus Christus quantitativ in den Hintergrund. Der Name Jesu kommt in der gesamten Vorlage zehnmal vor, unter anderem in Bezug auf die „Auferweckung Jesu“, die „Nachfolge Jesu“ oder das „Wirken Jesu von Nazareth in der Zeit römischer Besatzung“.
Der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Bischof Heiner Wilmer SCJ von Hildesheim, äußerte sich positiv zu dem neuen Fach. Er sagte: „Das neue Unterrichtsfach hat Pilotcharakter und wird einen wichtigen Beitrag zur religiösen Bildung von Kindern und Jugendlichen in Niedersachsen leisten.“
Fachleute auf katholischer und protestantischer Seite hätten in den vergangenen Jahren in ökumenischer Verbundenheit sehr sorgfältig zusammengearbeitet, um das Fach an den Start zu bringen. Weiter betonte der Bischof: „Ich freue mich über die Unterstützung der Landesregierung für dieses wegweisende Modell eines gemeinsam verantworteten Faches Christliche Religion.“
Nach dem Ende der aktuellen Frist Ende März wird das Kultusministerium den Lehrplan voraussichtlich im Mai 2026 final veröffentlichen und dem Parlament vorlegen. Bis zum verbindlichen Start im kommenden Schuljahr haben die Schulen bereits die Möglichkeit, die vorliegende Anhörfassung im Unterrichtsalltag freiwillig zu erproben.
