Priesterkandidat in Haiti durch Polizeidrohne getötet
In der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince ist am vergangenen Samstag ein junger Priesterkandidat durch eine von der Polizei eingesetzte und mit Sprengstoff bestückte Drohne getötet worden, wie die Nachrichtenagentur Fides berichtete.
Haiti befindet sich in einer anhaltenden politischen und sicherheitspolitischen Krise. Seit Anfang 2024 hat die Bandenkoalition „Viv Ansanm“ weite Teile von Port-au-Prince unter ihre Kontrolle gebracht.
Als Reaktion auf die eskalierende Gewalt setzt eine Spezialeinheit der Nationalpolizei seit 2025 kleine Drohnen ein, die als fliegende Sprengsätze fungieren. Sie wird dabei von dem privaten Militärunternehmen Vectus Global unterstützt – einer Firma, die mit dem US-Amerikaner Erik Prince in Verbindung steht.
Einem Anfang März veröffentlichten Bericht der Organisation Human Rights Watch zufolge kam es zwischen März 2025 und Januar 2026 zu 141 derartigen Drohnenangriffen. Dabei wurden mindestens 1.243 Menschen getötet und 738 verletzt. Unter den Opfern befanden sich nach Angaben der Organisation 43 unbewaffnete Zivilisten und 17 Kinder.
Eines der jüngsten Opfer ist nun der Priesterkandidat Jamesly Jean-Louis. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Fides und der haitianischen Tageszeitung PouSiOuPaTKonnen war der junge Mann am vergangenen Samstag mit einem Motorrad nahe dem Hauptfriedhof im Zentrum der Hauptstadt unterwegs. Er versuchte offenbar, einer laufenden Polizeioperation auszuweichen. Diese Manöver erregten laut den Berichten den Verdacht der Beamten, woraufhin ihn eine Drohne traf und tödlich verletzte.
Jean-Louis war seit 2017 Mitglied der Gemeinschaft der Heiligen Familie von Santa Bernadette in der Pfarrei Notre-Dame de la Caridad im Stadtteil Martissant. Er engagierte sich in der Liturgie und strebte die Priesterweihe an. Sein Eintritt in einen Orden hatte sich zuletzt verzögert, da er im Juli 2025 die staatlichen Abschlussprüfungen nicht bestanden hatte.
Neben der Gewalt durch staatliche Maßnahmen leidet die katholische Kirche in Haiti unter der anhaltenden Kriminalität der Banden. So wurde am 5. Februar der katholische Gefängnisseelsorger Jean Robert Louis entführt. Die Erzdiözese Port-au-Prince äußerte in einer Erklärung vom 5. März tiefe Besorgnis, da der Geistliche an Diabetes leidet.
