Mit Gott darf man nicht Gewalt oder Krieg rechtfertigen, sagt Papst Leo bei Pfarreibesuch
Papst Leo XIV. hat am Sonntag erklärt, Gott dürfe nicht dazu benutzt werden, Gewalt oder Krieg zu rechtfertigen: „Gott lässt sich nicht von der Finsternis vereinnahmen.“
Der Pontifex äußerte sich während eines Pastoralbesuchs in der Pfarrei „Sacro Cuore di Gesù a Ponte Mammolo“ in einem Stadtteil am Rande Roms, wo er am vierten Fastensonntag, dem sogenannten Laetare-Sonntag, die Messe feierte.
Zuvor traf Leo mit verschiedenen Gemeindegruppen zusammen, darunter Kinder, Jugendliche, Familien, Kranke, ältere Menschen und Arme, die von Freiwilligen der Caritas, dem Hilfswerk der katholischen Kirche, und der Gemeinschaft Sant’Egidio, einer in Rom ansässigen katholischen Laiengemeinschaft, die für ihren Dienst an den Armen und ihre Friedensbemühungen bekannt ist, betreut werden.
In seiner Predigt reflektierte der Papst über das Leid, das durch bewaffnete Konflikte auf der ganzen Welt verursacht wird. „Viele unserer Brüder und Schwestern leiden heute unter gewalttätigen Konflikten, die durch die absurde Behauptung verursacht werden, dass Probleme und Differenzen durch Krieg gelöst werden können“, sagte er. „Stattdessen müssen wir unermüdlich den Dialog für den Frieden suchen.“
„Manche behaupten sogar, den Namen Gottes in diese Entscheidungen des Todes einzubeziehen“, fuhr der Pontifex fort. „Aber Gott lässt sich nicht von der Finsternis vereinnahmen. Vielmehr kommt er immer, um der Menschheit Licht, Hoffnung und Frieden zu schenken – und es ist der Frieden, den diejenigen suchen müssen, die ihn anrufen.“
In seiner Betrachtung des Evangeliums vom blindgeborenen Mann sagte Leo, dass diese Passage die Gläubigen lehre, andere mit den Augen Gottes zu sehen.
So zu sehen bedeute, Vorurteile zu überwinden – insbesondere die Neigung, jemanden, der leidet, „nur als einen zu verachtenden Ausgestoßenen oder ein zu vermeidendes Problem“ zu betrachten und sich in „den befestigten Turm des egoistischen Individualismus“ zurückzuziehen.
Jesus hingegen blicke den Blinden mit Liebe an, „nicht als minderwertiges Wesen oder als Ärgernis, sondern als einen geliebten Menschen, der Hilfe braucht“, sagte der Papst.
Indem er ihn heilt, offenbare Jesus seine göttliche Macht und stelle die Würde des Menschen als Geschöpf wieder her, das nach dem Bild und Gleichnis Gottes geschaffen ist. Nachdem er sein Augenlicht wiedererlangt hat, wird der Mann zu „einem Zeugen des Lichts“, sagte der Papst.
Leo warnte in diesem Zusammenhang vor einer anderen Form der Blindheit – der Weigerung, Gottes Gegenwart anzuerkennen. Diejenigen, die Jesus und den geheilten Mann anklagten, zeigten eine tiefere Blindheit: Sie sahen nicht „das Antlitz Gottes direkt vor sich“, sondern zogen stattdessen die sterile Sicherheit eines starren Legalismus vor.
„Jesus lässt sich von solcher Hartnäckigkeit nicht aufhalten“, sagte der Papst und machte deutlich, dass „kein Sabbat einen Akt der Liebe behindern kann“.
Der Pontifex forderte die Christen dann auf, ihr eigenes Leben zu hinterfragen. „Auch wir können blind sein, wenn wir andere und ihre Probleme nicht wahrnehmen“, sagte er. Die erste christliche Gemeinschaft habe den Aufruf verstanden, anders zu leben – ihre Güter zu teilen, im Gebet auszuharren und trotz Prüfungen in Gemeinschaft und Frieden zu leben.
Papst Leo wandte sich direkt an die Pfarrgemeinde und lobte ihr Engagement für die Armen und Ausgegrenzten, darunter die Fürsorge für Insassen des nahegelegenen Rebibbia-Gefängnisses und ihre Bemühungen, Migranten beim Erlernen der Sprache, bei der Wohnungssuche und bei der Suche nach einer festen Anstellung zu unterstützen.
Der Papst schloss mit der Ermutigung an die Gläubigen, das ihnen anvertraute „Geschenk des Lichts“ durch Gebet, die Sakramente und Nächstenliebe weiter zu pflegen: „Lasst es in euch und unter euch in all seiner Sanftheit wachsen und verbreitet es in der ganzen Welt.“
Zuvor hatte der Papst bei der Begrüßung von Kindern und Jugendlichen auch die Gemeindemitglieder angesprochen, die wegen Platzmangels nicht in die Kirche gelangen konnten, und ihnen gesagt, dass eine lebendige Pfarrgemeinde selbst an Orten, die von Not geprägt sind, ein Zeichen der Hoffnung sein könne.
„Wir, die wir an Jesus Christus glauben und als vereinte Brüder und Schwestern leben, können ein Zeichen der Hoffnung sein in einer Welt, in der es oft an solchen Zeichen mangelt“, betonte er. „In Jesus Christus liegt das Heil, und wir wollen diese große Liebe, die der Herr uns schenkt, leben, empfangen und weitergeben.“
Übersetzt und redigiert aus dem Original von ACI Stampa, der italienischen Partneragentur von CNA Deutsch.