Kardinal Koch: Ökumenischer Dialog braucht jeweils „Überzeugung von der Wahrheit“
Kardinal Kurt Koch, der Präfekt des Dikasteriums zur Förderung der Einheit der Christen, hat betont, ein „authentischer“ ökumenischer Dialog finde „nur statt, wenn eine Überzeugung von der Wahrheit auf eine andere trifft und ein Austausch zwischen beiden entsteht“.
„Der tiefste Kern des ökumenischen Dialogs besteht in einem Austausch verschiedener Gaben, die sich gegenseitig bereichern und die Wahrheit des christlichen Glaubens vertiefen“, erläuterte Koch im Gespräch mit dem Portal „Religión Confidencial“ am Dienstag. „Wahre Ökumene ist eine Frage des Glaubens, nicht fragwürdiger Kompromisse.“
„Ohne die Wahrheit des Glaubens kann es daher keine Einheit geben“, hielt der Schweizer Kardinal fest. „Wir können die Einheit nur im apostolischen Glauben wiederentdecken, genauer gesagt in dem Glauben, der jedem neuen Glied des Leibes Christi in der Taufe geschenkt und anvertraut wird.“
Koch warnte vor einer doppelten Versuchung: „Entweder die Identität des christlichen Glaubens zu bewahren, indem man ihn auf fundamentalistische Weise von der Welt abschottet und so ein ‚Festungschristentum‘ nährt, das sich von der säkularisierten Welt bedroht fühlt und sich daher in einer Festung verschanzt; oder aber den dialogischen Kontakt zur Welt zu pflegen, indem man den Glauben an den Säkularismus anpasst, die eigene Identität gefährdet oder sogar auf riskante Weise aufgibt und ein ‚unterwürfiges Christentum‘ fördert, das sich für eine möglichst grenzenlose Offenheit und Loslösung entscheidet.“
Demgegenüber stellte der Kardinal einen dritten Weg in den Raum, nämlich „ein gesundes Gleichgewicht zwischen einer tieferen Verwurzelung in der Wahrheit des Glaubens und einer dialogischen Öffnung gegenüber der Welt zu finden“.
„Tatsächlich muss der christliche Glaube seine Wahrheit notwendigerweise treu seinen Ursprüngen bewahren und gleichzeitig auf zeitgemäße Weise verstanden und gelebt werden, offen für die Fragen der heutigen Welt“, sagte er. „Dies erfordert die Stärkung einer Identität, die nicht verschlossen, sondern offen ist.“
Angesprochen auf die geplanten Bischofsweihen der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X. – auch ohne päpstlichen Auftrag – antwortete Koch in aller Kürze: „Der Dialog mit der Priesterbruderschaft St. Pius X. fällt in die Zuständigkeit des Dikasteriums für die Glaubenslehre der römischen Kurie. Das Dikasterium für die Förderung der Einheit der Christen befasst sich ausschließlich mit Christen, die nicht in Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen.“
Er hoffe, dass die Piusbruderschaft „diese Einheit sucht und lebt und jedes Schisma vermeidet. Aber auch dieser Dialog gründet auf der Wahrheit des katholischen Glaubens.“
Die Piusbruderschaft beruft sich auf einen Notstand in der Kirche, um Bischofsweihen ohne päpstliches Mandat zu rechtfertigen. „In einer gewöhnlichen Pfarrei finden die Gläubigen nicht mehr die notwendigen Mittel, um ihr ewiges Heil zu sichern“, sagte etwa der Generalobere der Bruderschaft, Pater Davide Pagliarani FSSPX. „Dies betrifft insbesondere die vollständige Verkündigung der katholischen Wahrheit und Moral sowie die Spendung der Sakramente, wie die Kirche sie immer vollzogen hat. Darin besteht der Notstand.“
Außerdem sagte er: „Wenn die Priesterbruderschaft St. Pius X. für die Bewahrung der Tradition kämpft, mit allem, was dies einschließt, dann einzig und allein deshalb, weil diese Schätze für das Heil der Seelen absolut unerlässlich sind, und weil sie nichts anderes anstrebt als dies: das Wohl der Seelen und das des Priestertums, das auf ihre Heiligung hingeordnet ist.“
