Bischof Wiesemann sieht in neuen Großgemeinden „große Ermöglichungsräume“
Bischof Karl-Heinz Wiesemann sieht in neuen Großgemeinden, wie sie das Strukturkonzept der Diözese Speyer vorsieht, „große Ermöglichungsräume“, wie er bereits am vergangenen Dienstag sagte. Wiesemann und sein Generalvikar Markus Magin hatten sich nach Ludwigshafen begeben, wo es in Zukunft nur noch eine Pfarrei geben soll, um sich mit Katholiken vor Ort auszutauschen.
„Es geht darum, nicht Opfer der Veränderungen, sondern Gestalter zu sein“, versuchte Wiesemann einen positiven Blick auf das, was dem Bistum bevorsteht. „Wir gehen jetzt einen Schritt, der mutig ist und für die Zukunft belastbar. Wir wollen das miteinander entwickeln.“
Ende Oktober 2025 hatte das Bistum Speyer einen ersten Konzeptentwurf veröffentlicht, wonach es nur noch neun Pfarreien geben soll. Faktisch würden die neuen Pfarreien an die Stelle der bisherigen zehn Dekanate treten. Die Gemeinden vor Ort bleiben dabei weiter bestehen, allerdings nicht als Pfarreien.
In einer vom Bistum Speyer veröffentlichten Zusammenfassung des Entwurfs hieß es: „Finanzielle und personelle Gründe, aber auch eine rückläufige Zahl der Gläubigen, führen dazu, dass die bisherigen 70 Pfarreien in absehbarer Zukunft nicht mehr als territoriale Struktureinheiten des Bistums ausreichen werden.“
Generalvikar Magin erklärte damals: „Wir sehen in den größeren Pfarreistrukturen mit ihren vielfältigen Gemeinden und Gemeinschaften vor allem eine Chance, Nähe auf neue Weise entstehen lassen zu können. Wir müssen als Kirche auch weiterhin nah bei den Menschen sein.“
In der vergangenen Woche fügte er hinzu: „An vielen Stellen beginnt mit dem Entwurf etwas Neues. Pfarrei und Gemeinde werden künftig anders definiert als heute.“ Man werde „nicht mehr alle Kirchtürme haben“. Der Generalvikar erwähnte das Wort „Exnovation“, was bedeute, „dass wir manches bewusst nicht mehr tun werden, weil es nicht mehr tragfähig ist“.
Wiesemann zeigte sich überzeugt: „Auch wenn die Reform herausfordernd ist, kann sie motivieren, neue pastorale Wege zu entdecken und die Botschaft Christi neu zum Leuchten zu bringen.“
Im Bistum Speyer leben derzeit noch rund 423.000 Katholiken, von denen 22.000 – 5,1 Prozent – ihren Glauben durch den regelmäßigen sonntäglichen Messbesuch auch praktizieren. 2008, als Wiesemann sein Amt in Speyer antrat, waren es noch 589.000 Katholiken, wobei 68.000 auch zur Sonntagsmesse gingen, was 11,6 Prozent entsprach. Die Zahl der Pfarreien ist von 346 im Jahr 2008 bereits auf 70 geschrumpft – ein Prozess, der ganz offensichtlich noch nicht abgeschlossen ist. In den letzten fünf Jahren konnten für das Bistum Speyer nur zwei Neupriester geweiht werden.
