Chefin der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands tritt wegen Politisierung zurück
Die CDU-Bundestagsabgeordnete Anne König hat ihren Vorsitz in der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) nach nur neun Monaten niedergelegt. Als Grund nannte sie eine zunehmende Politisierung des Verbandes auf den oberen Führungsebenen.
„Die kfd ist eben eine spezifische Gemeinschaft katholischer Frauen und kein beliebiger politischer Verband“, sagte König in einem Interview mit der katholischen Wochenzeitung „Tagespost“ am Montag.
König hatte das Amt im Juni 2025 von ihrer CDU-Bundestagskollegin Mechthild Heil übernommen. Mit 265.000 Mitgliedern in 20 Diözesanverbänden ist die kfd der größte katholische Frauenverband Deutschlands. Am 27. März legte König ihr Amt mit sofortiger Wirkung nieder. Gründe nannte der Verband in seiner offiziellen Mitteilung zunächst nicht.
Im Interview schilderte König eine wachsende Kluft zwischen der Basis und den übergeordneten Verbandsebenen. „Zugleich habe ich auf den übergeordneten Ebenen eine zunehmende Verschiebung wahrgenommen: hin zu stärkerer politisch-programmatischer Positionierung“, sagte sie. Das sei für sich genommen legitim.
Problematisch werde es jedoch, wenn sich diese Schwerpunktsetzung von der Lebenswirklichkeit der Mitglieder entkopple und der Anspruch, für sie zu sprechen, nicht mehr eingelöst werde.
Für König liegt die eigentliche Stärke der kfd in dem, „was vor Ort geschieht: aus gelebter Glaubenspraxis, aus persönlicher Bindung, aus einer Form von Gemeinschaft, die trägt“.
Genau dieser Anspruch werde auf den oberen Verbandsebenen nicht eingelöst. „Ein Verband, der sich stärker über politische Diskurse definiert als über die konkrete Praxis seiner Mitglieder, gerät in eine strukturelle Spannung“, erklärte König.
Aus den Ortsverbänden berichtete König von großer Zustimmung: „Viele Frauen haben mir geschrieben oder das Gespräch gesucht und deutlich gemacht, dass sie sich in meiner Beschreibung wiederfinden“.
Auf Ebene einzelner Funktionsträger sei hingegen eine Kritik gefolgt, die im Ton über eine sachliche Auseinandersetzung hinausgegangen sei. „Denn wenn eine Organisation, die sich ausdrücklich auf christliche Gemeinschaft beruft, in zentralen Fragen nicht mehr zu einer respektvollen Verständigung findet, ist das nicht gut“, sagte König.
Ihr künftiges Engagement wolle sie bewusst in ihrer kfd-Ortsgruppe einbringen. In einer solchen konkreten Praxis werde „sichtbar, worin die eigentliche Idee der kfd liegt, in der Ermöglichung von Gemeinschaft“.
Der kfd-Bundesverband dankte König in seiner Pressemitteilung für ihre geleistete Arbeit, ohne auf die inhaltliche Kritik einzugehen. Bis zur Wahl einer Nachfolgerin übernehmen die stellvertretenden Vorsitzenden Ulrike Göken-Huismann und Lucia Lagoda die Verbandsarbeit kommissarisch.
„Ich bin deshalb überzeugt, dass die Zukunft kirchlicher Gemeinschaften nicht primär durch Programme oder Positionspapiere entschieden wird, sondern durch ihre Glaubwürdigkeit im gelebten Alltag, durch Nähe, Verlässlichkeit und die Übereinstimmung von Anspruch und Wirklichkeit“, so das Fazit Königs.
