„Riesiges Aufatmen“: Kardinal Schönborn weiter euphorisch über Schreiben „Amoris laetitia“

„Riesiges Aufatmen“: Kardinal Schönborn weiter euphorisch über Schreiben „Amoris laetitia“

Rund zehn Jahre nach Erscheinen des nachsynodalen Apostolischen Schreibens Amoris laetitia von Papst Franziskus hat Kardinal Christoph Schönborn OP sich weiter euphorisch über den Text gezeigt. Wenn er das Werk in die Hand nehme oder daran denke, „dann kommen mir immer noch die Tränen“, sagte der emeritierte Wiener Erzbischof gegenüber Kathpress am Montag.

Das Apostolische Schreiben sei bei ihm und anderen ein „riesiges Aufatmen“ gewesen: „Nicht, weil der Papst irgendetwas an der Lehre der Kirche geändert hat, sondern weil er vom Leben spricht.“

Das achte Kapitel von Amoris laetitia hat in den letzten zehn Jahren für große Aufregung gesorgt, weil es in einer Fußnote (351) vorsieht, dass zivil geschiedene und wiederverheirate Katholiken in bestimmten Fällen auch dann die heilige Kommunion empfangen dürfen, wenn sie in dieser zivilen Verbindung nicht enthaltsam leben. Weil die katholische Kirche die Ehe als lebenslanges Sakrament ansieht, hat die sogenannte „erste Ehe“ weiterhin Gültigkeit. Das Zusammenleben und der eheliche Verkehr mit einer Person, die nicht der eigentliche Ehepartner ist, verstößt somit gegen die Heiligkeit der Ehe und ist objektiv schwer sündhaft, wie die Kirche bis zur Veröffentlichung von Amoris laetitia stets bekräftigte.

Papst Franziskus hatte die Interpretation der Bischöfe von Buenos Aires, wonach der Empfang der heiligen Kommunion grundsätzlich tatsächlich möglich sei, als sein „authentisches Magisterium“ bekräftigt. Ende September 2023 legte der Pontifex nach, indem er eine entsprechende Antwort auf die Dubia (eine formale Anfrage beim Vatikan) des tschechischen Kardinals Dominik Duka OP unterzeichnete, die von Kardinal Víctor Manuel Fernández, dem Präfekten des Dikasteriums für die Glaubenslehre, formuliert und veröffentlicht worden war.

Kardinal Gerhard Müller, der selbst einst von Papst Benedikt XIV. zum Präfekten der Glaubenskongregation gemacht worden war, übte scharfe Kritik an dieser Einordnung.

Die „Risposta“, wie Müller die Antwort auf die Dubia Dukas bezeichnete, argumentiere, „dass Johannes Paul II. bereits einige dieser Geschiedenen zur Kommunion zugelassen habe und Franziskus daher nur einen Schritt in dieselbe Richtung mache. Diese Argumentation ist jedoch nicht stichhaltig. Die Kontinuität oder Diskontinuität liegt nicht in der Tatsache, dass jemand die Kommunion empfangen darf oder nicht, sondern im Kriterium der Zulassung.“

„In der Tat erlauben Johannes Paul II. und Benedikt XVI. den Kommunionempfang von Personen, die aus schwerwiegenden Gründen in einer zweiten Ehe ohne sexuelle Beziehungen zusammenleben“, betonte Müller, um dann zu kontrastieren: „Aber sie erlauben die Kommunion nicht, wenn diese Personen gewohnheitsmäßig sexuelle Beziehungen haben, weil in diesem Fall eine objektiv schwere Sünde vorliegt, in der diese Personen verharren wollen und die, weil sie das Ehesakrament betrifft, einen öffentlichen Charakter annimmt. Der Bruch zwischen der Lehre des Dokuments von Buenos Aires und dem Lehramt von Johannes Paul II. und Benedikt XVI. wird deutlich, wenn man den wesentlichen Punkt betrachtet, der, wie gesagt, das Kriterium für die Zulassung zu den Sakramenten ist.“

Schönborn betonte derweil mit Blick auf das achte Kapitel, man müsse das gesamte Dokument lesen, nicht nur einzelne Abschnitte. Es gebe Kontinuität zu Papst Johannes Paul II. und dessen nachsynodalem Apostolischen Schreiben Familiaris consortio. Dem polnischen Papst sei es 1981 darum gegangen, „das Fundament zu sichern, die Unauflöslichkeit der Ehe, die Heiligkeit der Ehe, auch die Heiligkeit der Weitergabe des Lebens“. Dabei sei jedoch, so der Kardinal, der Blick auf die Umstände, die Intention und das Bemühen nicht angemessen berücksichtigt worden.

So habe Familiaris consortio viele Menschen enttäuscht, „weil es oft weit entfernt war von der Realität der Menschen, die tagein tagaus versuchen eine Familie zu gründen, zu halten, zu ernähren“. Papst Franziskus habe sich eben darauf konzentriert. Immerhin: „Wenn man Familiaris consortio im Licht von Amoris laetitia liest, dann sieht man viele Ansätze in dieser Idee, die in diese Richtung gehen.“

Schönborn stellte jedenfalls klar: „Wir brauchen keine neue Lehre der Kirche. Die ist klar und basiert auf der Lehre Jesu. Es braucht aber ein genaueres Hinschauen und Unterscheiden, echte Aufmerksamkeit und ein Einfühlen in die jeweilige Situation.“

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