Papst Leo bei Chrisammesse: „Die Sendung der Christen ist dieselbe wie die Sendung Jesu“
Leo XIV. hat am Vormittag des Gründonnerstags zum ersten Mal als Papst die Chrisammesse gefeiert. Dabei widmete er seine Predigt der Sendung, „für die Gott uns als sein Volk auserwählt hat“.
„Die Sendung der Christen ist dieselbe wie die Sendung Jesu, nicht eine andere“, stellte er gleich zu Beginn klar. „An ihr hat ein jeder gemäß seiner Berufung und in einem ganz persönlichen Gehorsam gegenüber der Stimme des Heiligen Geistes Anteil, niemals jedoch ohne die anderen, niemals darf es zur Vernachlässigung oder zum Zerbrechen der Gemeinschaft kommen!“
„Die entscheidenden Momente der Sendung Jesu waren bereits in der Weissagung Jesajas angekündigt worden, auf die Jesus in der Synagoge von Nazaret verweist, wenn er sagt, jenes Wort habe sich ‚heute‘ erfüllt“, erinnerte der Pontifex. „Und wir, als Glieder seines Leibes, nennen eine Kirche ‚apostolisch‘, die gesandt ist, die über sich selbst hinausgeht und im Dienst an seinen Geschöpfen Gott geweiht ist: ‚Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.‘“
„Wir wissen, dass gesandt zu sein zunächst einmal eine Loslösung mit sich bringt, also das Wagnis, Vertrautes und Gewisses loszulassen, um sich auf Neues einzulassen“, fuhr Leo fort.
Und er konkretisierte: „Jede Sendung beginnt mit dieser Art von Entäußerung, aus der alles neu entsteht. Unsere Würde als Söhne und Töchter Gottes kann uns weder genommen werden noch kann sie verloren gehen, und ebenso wenig können die Gefühle, Orte und Erfahrungen, die am Ursprung unseres Lebens stehen, ausgelöscht werden. Wir sind Erben von so viel Gutem und zugleich Erben der Grenzen einer Geschichte, in die das Evangelium Licht und Heil, Vergebung und Heilung bringen muss. Folglich gibt es keine Sendung ohne Versöhnung mit unseren Ursprüngen, mit den Gaben und den Grenzen der Prägung, die wir empfangen haben; doch zugleich gibt es auch keinen Frieden ohne Aufbruch, kein Bewusstsein ohne Loslösung, keine Freude ohne Risiko.“
„Der Weg Jesu offenbart uns, dass die Bereitschaft, zu verlieren, sich zu entäußern, kein Selbstzweck ist, sondern eine Voraussetzung für Begegnung und Vertrautheit“, sagte Papst Leo. „Liebe ist nur dann echt, wenn sie wehrlos ist; sie kommt ohne viel Aufhebens und ohne Prahlerei aus, sorgsam behütet sie Schwächen und Blößen.“
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Mehr InformationenDamit leitete der Pontifex über vom „Gesetz der Loslösung“ zu jenem der „Begegnung“. So betonte er ausdrücklich, „dass aus einem Missbrauch von Macht weder im pastoralen noch im gesellschaftlichen und politischen Bereich Gutes entstehen kann. Die großen Missionare sind Zeugen sehr behutsamer Annäherung durch ein gemeinsam geteiltes Leben, durch selbstlosen Dienst und Verzicht auf jede berechnende Strategie, durch Dialog und Respekt. Es ist der Weg der Menschwerdung, der immer wieder neu die Form der Inkulturation annimmt. Das Heil kann von einem jeden nämlich nur in der Muttersprache angenommen werden.“
Es gelte, „mit Einfachheit“ dorthin zu gelangen, „wohin wir gesandt sind, und dabei das Geheimnis ehren, das jeder Mensch und jede Gemeinschaft in sich birgt. Wir sind Gäste: Wir sind es als Bischöfe, als Priester, als Ordensleute, als Christen. Um Gäste aufnehmen zu können, müssen wir in der Tat lernen, uns selbst aufnehmen zu lassen. Auch jene Orte, an denen die Säkularisierung am weitesten fortgeschritten zu sein scheint, sind kein Land der Eroberung oder Rückeroberung.“
Schließlich verwies Leo noch auf „eine dritte Dimension der christlichen Mission, die vielleicht die radikalste ist“, nämlich das Kreuz: „Die Aussendung wird bitterer und beängstigender, aber auch selbstloser und bahnbrechender. Die imperialistische Besetzung der Welt wird dann von innen heraus unterbrochen, die Gewalt, die bis heute Gesetz ist, wird entlarvt. Der arme, gefangene, abgelehnte Messias stürzt in die Dunkelheit des Todes, doch so bringt er eine neue Schöpfung ans Licht.“
„Es kann im Leben vorkommen, dass wir Situationen durchmachen, in denen alles verloren scheint“, räumte der Papst ein. „Dann fragen wir uns, ob unsere Sendung vergeblich war. Ja, es stimmt: Im Unterschied zu Jesus erleben wir auch Misserfolge, die auf unsere eigene Unzulänglichkeit oder die anderer zurückzuführen sind, oft auf ein Durcheinander von Verantwortlichkeiten, von Licht und Schatten. Doch können wir uns die Hoffnung vieler Zeugen zu eigen machen.“
