Studie über Anstieg des Kirchenbesuchs in Großbritannien war fehlerhaft

Studie über Anstieg des Kirchenbesuchs in Großbritannien war fehlerhaft

Die British Bible Society hat eine vielbeachtete Studie zurückgezogen, die einen sprunghaften Anstieg des Kirchenbesuchs in England und Wales belegen sollte. Als Ursache nannte das beauftragte Meinungsforschungsinstitut YouGov schwerwiegende Mängel bei der Datenerhebung im Jahr 2024.

Der im April 2025 veröffentlichte Bericht „The Quiet Revival“ hatte behauptet, der monatliche Kirchenbesuch unter Erwachsenen aller Konfessionen in England und Wales sei von acht Prozent im Jahr 2018 auf 12 Prozent im Jahr 2024 gestiegen. Bei den 18- bis 24-Jährigen fiel der angebliche Zuwachs noch deutlicher aus: von vier auf 16 Prozent. 

„YouGov übernimmt die volle Verantwortung für die Ergebnisse der ursprünglichen Forschung aus dem Jahr 2024 und entschuldigt sich für das Geschehene“, erklärte YouGov-Vorstandschef Stephan Shakespeare. Er betonte, die Bible Society habe „die von uns gelieferten Daten zu jeder Zeit korrekt und verantwortungsvoll berichtet“. YouGov kündigte zudem an, die Studie kostenfrei zu wiederholen. 

YouGov nannte menschliches Versagen als Ursache. Die Qualitätssicherungstechnologien, die betrügerische Antworten herausfiltern sollten, seien bei der Erhebung nicht aktiviert worden.

Laut Premier Christian News handelt es sich dabei um Systeme, die Teilnehmer aus anderen Ländern herausfiltern, die versuchen, an der Umfrage teilzunehmen, sowie solche, die die Umfrage mehrfach oder zu schnell ausfüllen.

Bible-Society-Chef Paul Williams machte YouGov für den Fehler verantwortlich. „Sie teilten uns mit, dass sie es versäumt hatten, diese wichtigen Qualitätskontrolltechnologien zu aktivieren, sodass die gesamte Stichprobe beschädigt war“, sagte er bei einer Online-Veranstaltung des Religion Media Centre. „Das ist YouGovs Fehler, nicht unserer.“ 

Williams bezeichnete die Entdeckung als „frustrierend“ und „enttäuschend“. Über einen Zeitraum von 15 Monaten habe die Bible Society wiederholt Zusicherungen von YouGov über die Verlässlichkeit der Daten eingefordert und erhalten.

Auf rechtliche Schritte werde man dennoch verzichten. „Sie haben das Problem anerkannt und die volle Verantwortung übernommen“, erklärte er gegenüber Premier Christian News.

Trotz des Widerrufs hält die Bible Society an ihrer Kernthese fest: Das Christentum erlebe in Großbritannien eine Wiederbelebung, insbesondere unter jungen Erwachsenen.

Williams verwies diesbezüglich auf steigende Bibelverkäufe im Land – ein Plus von 106 Prozent in sechs Jahren –, sowie auf einen Anstieg der Alpha-Kurs-Anmeldungen um 35 Prozent innerhalb eines Jahres.

„Es gibt gute Gründe zu glauben, dass die grundsätzliche Richtung der Veränderung auf etwas Reales in der Welt hinweist“, sagte er laut Religion News Service.

Weitere Zahlen nähren die Debatte. In der Diözese Westminster wurden zu Ostern 2026 rund 800 Erwachsene in die Katholische Kirche aufgenommen, der höchste Stand seit 15 Jahren. In Southwark waren es knapp 600, der höchste Wert seit 26 Jahren.

Die Eintrittszahlen klingen zwar beeindruckend, müssen jedoch gegen die Zahl der Sterbefälle und der stillen Abgänge gerechnet werden. Laut den offiziellen Statistiken der Bischofskonferenz von England und Wales gab es 2022 etwa landesweit 32.634 katholische Todesfälle.

Anders als in Deutschland gibt es in England und Wales kein formales Kirchenaustrittsverfahren, bei dem man sich beim Standesamt von der Kirchensteuer abmelden kann. Daher sind Abgänge schwer zu quantifizieren. Umfragedaten zeigen jedoch, dass sich im Erwachsenenalter nur 55,8 % der getauften Katholiken noch als Katholiken identifizieren. Damit haben die Katholiken die höchste Retentionsrate unter den christlichen Konfessionen in England. Dennoch geht fast die Hälfte verloren.

Werden Sie Teil der EWTN-Familie. Abonnieren Sie unseren Newsletter!

*Ich möchte zukünftig den wöchentlichen Newsletter von EWTN.TV mit Impulsen, Programmtips und Informationen rund um Ihren katholischen Fernsehsender per E-Mail empfangen. Diese Einwilligung kann am Ende jedes Newsletters widerrufen werden. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.