Papst Leo: Liturgische Riten „sind nicht bloß eine äußere Hülle“

Papst Leo: Liturgische Riten „sind nicht bloß eine äußere Hülle“

Papst Leo XIV. hat am Mittwochvormittag bei der Generalaudienz bekräftigt, die liturgischen Riten „sind nicht bloß eine äußere Hülle des sakramentalen Geheimnisses, eine Ansammlung willkürlicher Zeremonien“. Vielmehr handle es sich um „die kirchliche Vermittlung, durch die die göttliche Gabe uns erreicht“.

Der Pontifex sprach bei der Generalaudienz erneut über das Dokument Sacrosanctum concilium des Zweiten Vatikanischen Konzils, das sich mit der Liturgie befasst.

„Riten geben dem liturgischen Handeln und damit unserem Leben Gestalt und wecken in uns eine spirituelle Sensibilität, die uns befähigt, die Gegenwart Gottes durch Jesus Christus zu kosten“, erklärte Leo. „Dies geschieht natürlich nur, wenn wir der Liturgie gegenüber keine Fremden oder stille Zuschauer bleiben, sondern mit unserem ganzen Selbst – Körper, Verstand und Herz – daran teilnehmen, im Gehorsam gegenüber dem Gebot des Herrn.“

„Durch den heiligen Ritus werden wir so geschult im Hören auf das Wort Gottes, im Danken und in der Anbetung, im brüderlichen Teilen und in der kirchlichen Gemeinschaft“, fuhr er fort. „Wir entdecken, dass wir eine Versammlung mit vielen Gesichtern sind, vereint durch denselben Glauben.“

„Der Ritus bindet uns in eine klar definierte Abfolge von Gesten und Gebeten ein, die manchmal im Widerspruch zu unserer individuellen Neigung zur Spontaneität stehen kann“, sagte der Papst. „Seine Logik besteht jedoch nicht darin, die Freiheit in starre Rahmen zu zwängen. Im Gegenteil: Mit der feierlichen Einfachheit seiner Rhythmen unterbricht der Ritus unsere hektischen Aktivitäten und führt uns zurück zum Wesentlichen.“

So könne man „eine andere Dimension des Handelns“ erkennen, „die nicht von Produktivitätskalkülen geleitet ist, und eine andere Erfahrung von Zeit und Raum. Im Ritus erleben wir eine Logik der Unentgeltlichkeit, wir finden eine Pause, die das Herz erneuert, wir erkennen, dass uns die göttliche Gnade vorangeht, wir lernen, in einem vom Heiligen Geist erfüllten Rhythmus zu leben.“

Außerdem sprach der Pontifex über Zeichen und Symbole: „‚Zeichen‘ und ‚Symbol‘ sind Begriffe, die oft synonym verwendet werden. Tatsächlich ist ein Zeichen symbolisch, wenn es nicht nur auf eine Idee, sondern auf ein ganzes System von Bedeutungen und Werten verweisen kann. So wird beispielsweise, wenn wir mit Weihwasser besprengt werden, unser Bewusstsein für die bei der Taufe empfangene Gabe und unsere Verpflichtung zu einem neuen Leben in Christus neu entfacht.“

„Zweitens sind Symbole von Natur aus praktisch, da sie in erster Linie Handlungen sind“, fügte er hinzu, „einige einfach und alltäglich, wie das Knien und der Friedensgruß, andere anspruchsvoller, wie die konstitutiven Handlungen jedes Sakraments. Vor allem aber haben Symbole eine einzigartige performative und transformative Dimension, sowohl in Bezug auf die materiellen Elemente, aus denen sie bestehen, als auch auf diejenigen, die mit ihnen in Berührung kommen: Sie wecken ein Gefühl der Zugehörigkeit, berühren Herz und Verstand und lassen authentische kirchliche Beziehungen entstehen.“

Abschließend forderte Papst Leo: „Wir müssen uns von den Riten der Liturgie erziehen lassen, mit Feingefühl und ohne Willkür auf die Schönheit unserer Feiern achten und uns einer authentischen Mystagogik verschreiben. Die Erfahrung einer lebendigen und frommen Liturgie, begleitet von einer angemessenen mystagogischen Katechese, ist die beste Quelle, um in jedem Menschen jene Offenheit für die Begegnung mit Gott wieder zu wecken, die nach der Logik der Menschwerdung nur unter Einbeziehung des ganzen Menschen – Geist, Seele und Leib – stattfinden kann.“

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