Papst Leo würdigt „uralte Verbindung“ zwischen katholischem Glauben und Spanien

Papst Leo würdigt „uralte Verbindung“ zwischen katholischem Glauben und Spanien

Zum Auftakt seiner siebentägigen Reise nach Spanien ist Papst Leo XIV. dem Königspaar Felipe und Letizia – samt der beiden Kinder erwachsenen Kinder Leonor und Sofía – begegnet und hat anschließend seine erste große Rede vor Vertretern aus Politik, Gesellschaft und Diplomatie gehalten. Dabei würdigte er die „uralte Verbindung zwischen dem christlichen Glauben und diesem Land“.

„Die Tradition hat die erste Evangelisierung der Iberischen Halbinsel stets mit der Verkündigung des Apostels Jakobus des Älteren in Verbindung gebracht“, erinnerte Leo gleich zu Beginn. „Diese Verbindung ist von beachtlicher theologischer Bedeutung, denn sie drückt das Bewusstsein der Ortskirche aus, in Kontinuität mit der vom Pfingstereignis ausgehenden apostolischen Sendung zu stehen.“

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„Ich bin zu euch gekommen, um die Gläubigen in ihrer Treue zum Evangelium zu bestärken, zu ermutigen und zu inspirieren und um eine tiefere Versöhnung und Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Kräften dieser Nation zu fördern“, erklärte der Papst den Zweck seiner Reise.

Der Pontifex verwies auf Johannes vom Kreuz und Teresa von Ávila, die großen spanischen Heiligen: „Ihre Mystik ist eine Mystik mit offenen Augen, das heißt, sie steht der Geschichte nicht fern, sondern führt im Gegenteil zu den Wurzeln der Fragen, zum Kern der Wirklichkeit. Insbesondere das Thema der Nacht, das dem heiligen Johannes vom Kreuz – den wir in diesem Jahr besonders feiern – so am Herzen lag, hilft uns dabei, die Veränderungen zu deuten und die Spannungen zu ertragen, die unsere Zeit so sehr verdunkeln.“

„Unsere Zeit, die scheinbar von schrecklichen Ungleichgewichten und Konflikten erschüttert wird, schreit in ihrem Innersten nach Frieden, nach einer neuen Erkenntnis des Menschen und seiner unantastbaren Würde, nach der Zivilisation der Liebe“, fuhr Leo fort.

Mit Blick auf die heilige Teresa ging er auf die innere Burg ein: „Wenn man von Raum zu Raum in ihren innersten Ort vordringt – das heißt, jeder zu seinem eigenen Herzen, dem Heiligtum der Wahrheit –, weitet sich der Raum, öffnet sich der Geist, lösen sich die Widersprüche auf, lösen sich die Spannungen, finden die anderen ihren Platz, wird das Universum zur Heimat. Es handelt sich nicht um eine introvertierte Flucht, sondern um eine radikale Öffnung für den totus Alius et semper Novus, die sich ereignet, wenn wir zu uns selbst zurückkehren. Diese Dimension des Menschen ist der Grund, warum die Religions- und Gewissensfreiheit geschützt werden muss.“

Heute scheine indes „die Versuchung, durch das Schüren von Polarisierungen an Popularität zu gewinnen, eher zu wachsen als abzunehmen; die Menschenwürde wird weiterhin verletzt. Deshalb brauchen wir Kultur, Innerlichkeit, eine freie und qualitativ hochwertige Bildung, wir brauchen Transzendenz. Und doch haben Männer und Frauen, die der Wahrheit treu geblieben sind, in diesen dunklen Nächten den Drang verspürt, Schritt für Schritt voranzuschreiten, bis sich im Gewissen Gerechtigkeit und Frieden miteinander verbinden. Von ihrer Freiheit lernen wir, frei zu sein.“

„Ich lade Sie alle ein, aus Liebe zur Wahrheit die spaltenden und polarisierenden Darstellungen Ihrer gesellschaftlichen Realität und ihrer Geschichte hinter sich zu lassen, um von fruchtlosen Vereinfachungen zu einer fruchtbaren Anerkennung ihrer Komplexität zu gelangen“, sagte Papst Leo den anwesenden Vertretern aus Politik, Gesellschaft und Diplomatie. „Ich sehe hier eine besondere Berufung für Europa, bei der Spanien eine grundlegende und wichtige Rolle spielt.“

„Die Vielschichtigkeit schätzen und ergründen, lernen, sie nicht zu leugnen und sie als Segen anzunehmen, jenen identitären Ansätzen entfliehen, die alles zu erklären scheinen, aber die Welt mit Gespenstern und Feinden bevölkern: Darin besteht die Aufgabe derer, die eine große Geschichte hinter sich haben“, mahnte der Papst, bevor er auf die „neuen Technologien“ einging. Diese seien „zu einem künstlichen Umfeld geworden, in dem unsere grundlegenden Wahlmöglichkeiten auf die Probe gestellt werden. In diesem Umfeld verschärfen sich Vorurteile, kritisches Denken wird geschwächt, und übermächtige Interessen säen tödliche Impulse. Andererseits kann das Gute Widerstand leisten und sich mitteilen.“

Neben Johannes vom Kreuz und Teresa von Ávila erwähnte Leo am Ende seiner Ansprache auch Ignatius von Loyola, den Gründer der Jesuiten. Er habe gezeigt, wie man „inmitten von Prüfungen und Misserfolgen alles neu bedenken“ könne. „Er erkannte, dass das Gute, zu dem er sich hingezogen fühlte, keine Utopie war, und so verwandelte sich seine Krise in Gnade. Das Gleiche kann mit den ‚Neuerungen‘ geschehen, die uns heute beunruhigen und über die unsere Empfindungen geteilt sind.“

„Majestäten, Königliche Hoheiten, meine Damen und Herren, ich danke Ihrem Land für seine Treue zum Völkerrecht und zum Multilateralismus, die sich in einem aktiven Engagement für den Frieden und die Solidarität unter den Völkern niederschlägt“, schloss der Pontifex. „Gleichzeitig ermutige ich Sie, auch in Ihrem Land den Dialog und die soziale Freundschaft zu pflegen, die Perspektiven der Armen und der Jugendlichen bei der Gestaltung der Zukunft zu berücksichtigen, die Forderungen nach Autonomie und Einheit in Einklang zu bringen und den Prozess der europäischen Einigung voranzutreiben – nicht im Gegensatz zu anderen Mächten, sondern als ein Geschenk für die ganze Menschheitsfamilie.“

EWTN überträgt alle öffentlichen Programmpunkte der Spanien-Reise von Papst Leo XIV. live im Fernsehen sowie online im Stream. Die Programmpunkte mit genauen Uhrzeiten sowie die entsprechenden Links für den Stream finden Sie HIER.

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