Eine Mystikerin aus dem Münsterland: Die selige Anna Katharina Emmerick
Heute gedenkt die katholische Kirche der seligen Anna Katharina Emmerick an ihrem 202. Todestag. Die Augustiner-Chorfrau aus dem Münsterland erlangte durch ihre Stigmata und die Aufzeichnungen ihrer Visionen weltweite Bekanntheit.
Emmerick wurde am 8. September 1774 in Flamschen bei Coesfeld als Kind einer armen Bauernfamilie geboren. Nach einer kurzen Schulzeit und einer Tätigkeit als Dienstmagd trat sie 1802 in das Kloster Agnetenberg in Dülmen ein, wo sie als Augustiner-Chorfrau 1803 ihre Profess ablegte.
Infolge der Säkularisation unter napoleonischer Herrschaft wurde das Kloster 1811 aufgehoben. Emmerick lebte fortan als Kranke im Haushalt eines französischen Priesters in Dülmen.
Ab 1812 traten bei der bettlägerigen Nonne Stigmata – Wundmale an Händen, Füßen, Kopf und Brust – auf. Berichten zufolge hat sie über elf Jahre bis zu ihrem Tod fast ausschließlich die Eucharistie als Nahrung zu sich genommen. Diese Phänomene führten zu öffentlichem Aufsehen und einer staatlichen Untersuchung durch die preußische Regierung im August 1819.
Ziel der Kommission unter Regierungspräsident Ludwig Wilhelm Vincke war es, einen möglichen Betrug oder öffentliche Unruhen zu unterbinden. Ein wichtiger Zeuge dieser Jahre war der Arzt Dr. Franz Wesener, der den Krankheitsverlauf detailliert in einem Tagebuch dokumentierte.
Zwischen 1818 und ihrem Tod am 9. Februar 1824 hielt sich der romantische Dichter Clemens Brentano in Dülmen auf, um die Visionen Emmericks, insbesondere zur Passion Christi, aufzuzeichnen.
Die Authentizität dieser Texte gilt kirchenhistorisch als umstritten, da Brentano die Notizen vermutlich mit eigenen literarischen Zusätzen ergänzte. Aufgrund dieser Unsicherheit wurde das Seligsprechungsverfahren im Jahr 1928 zunächst ausgesetzt.
Nach der Wiederaufnahme des Verfahrens im Jahr 1973 erfolgte am 3. Oktober 2004 die Seligsprechung durch Papst Johannes Paul II. in Rom. Die Kirche betonte dabei ausdrücklich, dass die Erhebung zur Seligen auf ihrem „heiligmäßigen Leben“ und ihrem geduldigen Ertragen von Leiden basiere, nicht auf dem Wahrheitsgehalt der von Brentano überlieferten Texte. Als kirchenrechtlich notwendiges Wunder wurde die Heilung einer Ordensfrau von Stimmbändertuberkulose im Jahr 1880 anerkannt.
Die Wirkungsgeschichte der Visionen reicht bis in die Gegenwart. So nutzte der Regisseur Mel Gibson für seinen Film „Die Passion Christi“ (2004) Details aus der Emmerick-Brentano-Tradition. Auch die Entdeckung des „Hauses Mariens“ bei Ephesus Ende des 19. Jahrhunderts wird oft auf Ortsbeschreibungen in ihren Visionen zurückgeführt.
Das Grab der Seligen befindet sich seit 1975 in der Krypta der Heilig-Kreuz-Kirche in Dülmen. Nach Angaben des Emmerick-Bundes erfährt die Stätte weiterhin internationale Resonanz und ist Ziel zahlreicher Pilger.
