Vatikan warnt Piusbruderschaft vor Schisma, schlägt „spezifisch theologischen Dialog“ vor

Vatikan warnt Piusbruderschaft vor Schisma, schlägt „spezifisch theologischen Dialog“ vor

Der Vatikan hat die traditionalitischen Priesterbruderschaft St. Pius X. vor Bischofsweihen ohne päpstlichen Auftrag gewarnt und dabei das Wort „Schisma“ in den Raum gestellt. Gleichzeitig schlug das Dikasterium für die Glaubenslehre einen „spezifisch theologischen Dialog“ vor – aber nur, wenn die geplanten Bischofsweihen ausgesetzt werden.

Pater Davide Pagliarani FSSPX, der Generalobere der Piusbruderschaft, hatte am 2. November angekündigt, man wolle am 1. Juli 2026 neue Bischöfe weihen, um weiterhin alle Sakramente in ihrer traditionellen Form spenden zu können, wie es bis nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil in der ganzen Kirche üblich auch. Diese Weihen sollen auch ohne päpstliches Mandat erfolgen.

Am Donnerstag traf Pagliarani dann mit dem Präfekten des Dikasteriums für die Glaubenslehre, Kardinal Víctor Manuel Fernández, zusammen. In einer Erklärung des Dikasteriums, die am frühen Nachmittag veröffentlicht wurde, hieß es: „Nachdem einige Punkte geklärt worden waren, die die FSSPX in verschiedenen Briefen, insbesondere in den Jahren 2017–2019, vorgebracht hatte – unter anderem wurde über die Frage des göttlichen Willens hinsichtlich der Pluralität der Religionen diskutiert –, schlug der Präfekt einen spezifisch theologischen Dialog mit einer genau festgelegten Methodik vor, um Themen zu behandeln, die noch nicht ausreichend geklärt sind, wie beispielsweise den Unterschied zwischen Glaubensakt und ‚religiöser Ehrerbietung des Verstandes und des Willens‘ oder die unterschiedlichen Grade der Zustimmung, die die verschiedenen Texte des Zweiten Vatikanischen Konzils und deren Auslegung erfordern.“

„Gleichzeitig schlug er vor, eine Reihe von Themen zu behandeln, die von der FSSPX in einem Brief vom 17. Januar 2019 aufgeführt wurden“, so die Erklärung weiter.

„Dieser Weg hätte zum Ziel, in den diskutierten Themen die Mindestanforderungen für die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche hervorzuheben und folglich ein kanonisches Statut der Bruderschaft zu entwerfen, zusammen mit anderen Aspekten, die noch weiter vertieft werden müssen“, so das Dikasterium für die Glaubenslehre. „Der Heilige Stuhl hat bekräftigt, dass die Weihe von Bischöfen ohne Mandat des Heiligen Vaters, der die höchste ordentliche, volle, universale, unmittelbare und direkte Vollmacht besitzt, einen entscheidenden Bruch der kirchlichen Gemeinschaft (Schisma) mit schwerwiegenden Folgen für die Bruderschaft als Ganzes bedeuten würde.“

Die Bedingung für einen solchen Dialog setze voraus, „dass die Bruderschaft die angekündigten Bischofsweihen aussetzt“, mahnte Fernández. „Der Generalobere der FSSPX wird den Vorschlag seinem Rat vorlegen und dem Dikasterium für die Glaubenslehre seine Antwort übermitteln. Im Falle einer positiven Antwort werden die zu unternehmenden Schritte, Etappen und Verfahren einvernehmlich festgelegt.“

„Die ganze Kirche wird gebeten, diesen Weg, insbesondere in der nächsten Zeit, mit dem Gebet zum Heiligen Geist zu begleiten“, betonte der Kardinal. „Er ist der Hauptarchitekt der von Christus gewollten wahren kirchlichen Gemeinschaft.“

Gegründet von Erzbischof Marcel Lefebvre im Jahr 1970 mit kirchlicher Erlaubnis, wurde die Bruderschaft durch die kirchliche Hierarchie bald bekämpft, auch weil sie verschiedene Aspekte des Zweiten Vatikanischen Konzils ablehnt, etwa eine falsch verstandene Religionsfreiheit oder Ökumene. Lefebvre war unter Papst Pius XII. der wichtigste Bischof in ganz Afrika und danach Generaloberer der Spiritaner, einer der wichtigsten Missionsgesellschaften in der Kirchengeschichte.

1988 weihte Lefebvre ohne Erlaubnis aus Rom die Bischöfe Bernard Fellay, Alfonso de Galarreta, Bernard Tissier de Mallerais und Richard Williamson. 2009 hob Papst Benedikt XVI. die Exkommunikationen der beteiligten Personen offiziell auf. Williamson wurde später aus der Piusbruderschaft ausgeschlossen und ist 2025 gestorben. Tissier starb bereits 2024.

Die Piusbruderschaft sieht sich weiterhin als Teil der katholischen Kirche und betet in der Messe für den amtierenden Papst, wodurch sie sich vom Sedisvakantismus abgrenzt. Gleichzeitig weigert sie sich, verschiedene Neuerungen – wie sie es sieht – zu akzeptieren, was immer wieder zu Spannungen mit dem Vatikan führt.

Papst Franziskus hatte erklärt, dass die Beichten bei Priestern der Piusbruderschaft in aller Welt gültig sind, und auch die Eheschließungen möglich sein sollen. Zuvor hatte sich die Bruderschaft mit Blick auf diese beiden Sakramente stets auf einen „Notstand“ in der Kirche berufen. Der Vatikan hat in den letzten Jahrzehnten verschiedentlich klargestellt, dass die Gläubigen durchaus an einer von der Piusbruderschaft gefeierten Messe teilnehmen können.

In einem von der Piusbruderschaft vor einer Woche veröffentlichten Interview erläuterte Pagliarani, der Generalobere, „dass der Heilige Stuhl mitunter zu einem gewissen Pragmatismus, ja sogar zu einer überraschenden Flexibilität fähig ist, wenn er überzeugt ist, zum Wohl der Seelen zu handeln“.

„Ein Papst ist vor allem ein Vater“, sagte Pagliarani. „Als solcher ist er fähig, eine aufrechte Absicht, einen ehrlichen Willen, der Kirche zu dienen, und vor allem einen echten Gewissenskonflikt in einer außergewöhnlichen Situation zu erkennen. Diese Elemente sind objektiv, und alle, die die Bruderschaft kennen, können dies anerkennen, selbst ohne notwendigerweise ihre Positionen zu teilen.“

Zu den Hintergründen der Entscheidung, erneut Bischöfe zu weihen, sagte er: „Im vergangenen Sommer habe ich dem Heiligen Vater geschrieben, um eine Audienz zu erbitten. Da ich keine Antwort erhielt, schrieb ich ihm einige Monate später einen weiteren Brief – in einfacher und kindlicher Weise, ohne ihm irgendetwas von unseren Bedürfnissen zu verbergen. Ich schilderte unsere lehrmäßigen Divergenzen, aber auch unseren aufrichtigen Wunsch, der katholischen Kirche unermüdlich zu dienen, denn wir sind Diener der Kirche trotz unseres nicht anerkannten kirchenrechtlichen Status.“

„Auf dieses zweite Schreiben erhielten wir vor einigen Tagen eine Antwort aus Rom, von Kardinal Fernández“, so der Priester weiter. „Leider berücksichtigt diese in keiner Weise den von uns unterbreiteten Vorschlag und bietet keine Lösung an, die unseren Anliegen entspricht.“

Konkret habe man „angesichts der ganz besonderen Umstände, in denen sich die Bruderschaft befindet“, den Heiligen Stuhl gebeten, „uns vorübergehend den Verbleib in unserer Ausnahmesituation zu gestatten – zum Wohl der Seelen, die sich an uns wenden. Wir haben dem Papst versprochen, all unsere Kräfte für die Bewahrung der Tradition einzusetzen und unsere Gläubigen zu wahren Söhnen der Kirche zu machen.“

„Mir scheint, dass ein solcher Vorschlag sowohl realistisch als auch vernünftig ist und an sich die Zustimmung des Heiligen Vaters finden könnte“, zeigte sich Pagliarani überzeugt. „Es erscheint mir äußerst wichtig, mich mit dem Heiligen Vater unterhalten zu können, und es gibt vieles, was ich ihm gern mitteilen würde, ihm aber nicht schreiben konnte. Leider sieht die von Kardinal Fernández erhaltene Antwort keine Audienz beim Papst vor. Stattdessen stellt sie die Androhung neuer Sanktionen in den Raum.“

Es ist traurig, dies feststellen zu müssen, aber es ist eine Tatsache: In einer gewöhnlichen Pfarrei finden die Gläubigen nicht mehr die notwendigen Mittel, um ihr ewiges Heil zu sichern“, argumentierte der Generalobere, um die geplanten Bischofsweihen zu begründen.Dies betrifft insbesondere die vollständige Verkündigung der katholischen Wahrheit und Moral sowie die Spendung der Sakramente, wie die Kirche sie immer vollzogen hat. Darin besteht der Notstand. In diesem kritischen Kontext werden unsere Bischöfe älter und angesichts des stetigen Wachstums des Apostolates reichen sie nicht mehr aus, um den Bedürfnissen der Gläubigen in der ganzen Welt gerecht zu werden.“

Zur Piusbruderschaft gehören mehr als 730 Priester, mehr als 250 Seminaristen in fünf Priesterseminaren sowie Ordensmänner und -frauen. Messen im überlieferten Ritus werden an fast 800 Orten in 77 Ländern gefeiert. Zudem unterhält die Piusbruderschaft Schulen und Exerzitienhäuser und ist mit anderen Ordensgemeinschaften verbunden, die ebenfalls an der überlieferten Liturgie festhalten, wie sie bis nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil in der ganzen Welt gefeiert wurde und im Kern mindestens bis auf die Zeit von Papst Gregor dem Großen zurückgeht.

„Wir dienen der Kirche zunächst dadurch, dass wir den Seelen dienen“, unterstrich Pagliarani. „Dies ist eine objektive Tatsache, unabhängig von jeder anderen Erwägung. Die Kirche existiert ihrem Wesen nach für die Seelen: Ihr Ziel ist ihre Heiligung und ihre Rettung.“

„Alle schönen Reden, die verschiedenartigen Debatten, die großen Themen, über die man diskutiert oder diskutieren könnte, haben keinen Sinn, wenn sie nicht auf das Heil der Seelen ausgerichtet sind“, führte er aus. „Es ist wichtig, daran zu erinnern, denn heute besteht die Gefahr, dass sich die Kirche mit allem Möglichen beschäftigt und dabei das Wesentliche aus dem Blick verliert. Die Sorge um die Ökologie etwa oder das Eintreten für die Rechte von Minderheiten, von Frauen oder von Migranten laufen Gefahr, die wesentliche Sendung der Kirche aus dem Auge zu verlieren.“

„Wenn die Priesterbruderschaft St. Pius X. für die Bewahrung der Tradition kämpft, mit allem, was dies einschließt, dann einzig und allein deshalb, weil diese Schätze für das Heil der Seelen absolut unerlässlich sind, und weil sie nichts anderes anstrebt als dies: das Wohl der Seelen und das des Priestertums, das auf ihre Heiligung hingeordnet ist“, so Pagliarani.

Eine mögliche Lösung des Konflikts um die Bischofsweihen präsentierte er unter Verweis auf den vatikanischen Umgang mit der Kirche in China: „Trotz eines wirklichen Schismas der chinesischen patriotischen Kirche; trotz einer ununterbrochenen Verfolgung der sogenannten Untergrundkirche, die Rom treu geblieben ist; trotz regelmäßig erneuerter und vom chinesischen Staat gebrochener Abkommen – im Jahr 2023 hat Papst Franziskus nachträglich die Ernennung des Bischofs von Shanghai durch die chinesischen Behörden gebilligt. In jüngerer Zeit hat auch Papst Leo XIV. nachträglich die Ernennung des Bischofs von Xinxiang akzeptiert, der während der Vakanz des Apostolischen Stuhles in gleicher Weise ernannt worden war, obwohl der Rom treu gebliebene Bischof, der mehrfach inhaftiert worden war, noch im Amt war.“

„Ehrlich gesagt sehe ich nicht, wie der Papst von Seiten der Bruderschaft eine größere Gefahr für die Seelen befürchten könnte als von Seiten der Regierung von Peking“, schlussfolgerte Pagliarani.

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