Piusbruderschaft will „in einigen Tagen“ auf vatikanischen Dialog-Vorschlag antworten

Piusbruderschaft will „in einigen Tagen“ auf vatikanischen Dialog-Vorschlag antworten

Die traditionalistische Priesterbruderschaft St. Pius X. will „in einigen Tagen“ auf den vatikanischen Vorschlag antworten, einen theologischen Dialog zu führen. Kardinal Víctor Manuel Fernández, der Präfekt des Dikasteriums für die Glaubenslehre, hatte als Bedingung für den Dialog indes genannt, dass die Piusbruderschaft die geplanten Bischofsweihen – auch ohne päpstlichen Auftrag – aussetzt.

Nachdem das Dikasterium bereits am frühen Donnerstagnachmittag zu dem Treffen von Fernández und Pater Davide Pagliarani FSSPX, dem Generaloberen der Bruderschaft, Stellung genommen hatte, meldete sich die Piusbruderschaft später am selben Tag zu Wort.

In der Erklärung der Piusbruderschaft hieß es, Fernández habe Pagliarani ausdrücklich gebeten, den Dialog-Vorschlag „den Mitgliedern seines Rates vorzulegen und sich die notwendige Zeit zu nehmen, ihn zu prüfen. Herr Pater Pagliarani wird daher in einigen Tagen darauf antworten. Er wird direkt an Kardinal Fernández schreiben und seine Antwort auch allen Gläubigen bekanntgeben.“

„Das Gespräch, das auf Wunsch des Kardinals unter vier Augen stattfand, dauerte eineinhalb Stunden und verlief in einer zugleich herzlichen und offenen Atmosphäre“, so die Bruderschaft. „Es ermöglichte Herrn Pater Pagliarani, dem Präfekten aufmerksam zuzuhören und die Tragweite der Ankündigung vom 2. Februar sowie den Sinn der in den letzten Monaten gegenüber dem Heiligen Stuhl unternommenen Schritte zu präzisieren.“

Pagliarani hatte am 2. Februar angekündigt, man wolle am 1. Juli neue Bischöfe weihen, um weiterhin alle Sakramente in ihrer traditionellen Form spenden zu können, wie es bis nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil in der ganzen Kirche üblich war. Diese Weihen sollen auch ohne päpstliches Mandat erfolgen.

Nach der Begegnung mit Fernández erklärte die Bruderschaft, der Generalobere konnte „persönlich die gegenwärtige Situation der Priesterbruderschaft St. Pius X. darlegen sowie ihre Pflicht, angesichts der geistlichen Notlage, in der sich die Seelen befinden, die Fortführung des Dienstes ihrer Bischöfe zu gewährleisten. Er legte vor allem den Geist der Liebe dar, in dem die Bruderschaft diese Weihen ins Auge fasst, sowie ihren aufrichtigen Wunsch, den Seelen und der römischen Kirche zu dienen.“

„Schließlich erneuerte er den Wunsch, dass die Bruderschaft angesichts der ganz besonderen Umstände, in denen sich die heilige Kirche befindet, in ihrer gegenwärtigen – außergewöhnlichen und vorübergehenden – Lage weiterhin zum Wohl der Seelen wirken könne, die sich an sie wenden“, hieß es.

Fernández habe „einen anderen Ansatz“ präsentiert, nämlich einen „spezifisch theologischen Dialog“. „Dieser Weg hätte zum Ziel, in den diskutierten Themen die Mindestanforderungen für die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche hervorzuheben und folglich ein kanonisches Statut der Bruderschaft zu entwerfen, zusammen mit anderen Aspekten, die noch weiter vertieft werden müssen“, so das Dikasterium für die Glaubenslehre am Donnerstag.

Die Piusbruderschaft betonte ihrerseits, der Kardinal habe mündlich präzisiert, „dass man zwar über das Konzil dialogisieren könne, eine Korrektur seiner Texte jedoch ausgeschlossen sei“.

Bald nach ihrer Gründung durch Erzbischof Marcel Lefebvre im Jahr 1970 geriet die Piusbruderschaft in Konflikt mit der kirchlichen Hierarchie, weil sie an der überlieferten Liturgie festhielt und verschiedene Aspekte des Zweiten Vatikanischen Konzils ablehnte, etwa eine falsch verstandene Religionsfreiheit oder Ökumene. Lefebvre war unter Papst Pius XII. der wichtigste Bischof in ganz Afrika und danach Generaloberer der Spiritaner, einer der wichtigsten Missionsgesellschaften in der Kirchengeschichte.

Die Piusbruderschaft schloss ihre Stellungnahme am Donnerstag mit den Worten: „Der Generalobere erneuerte gegenüber Kardinal Fernández seinen Wunsch, dem Heiligen Vater persönlich begegnen zu können. Er ist sehr ruhig und dankt für alle Gebete. Er empfiehlt diese Situation weiterhin dem Gebet der Gläubigen.“

1988 hatte Erzbischof Lefebvre ohne Erlaubnis aus Rom die Bischöfe Bernard Fellay, Alfonso de Galarreta, Bernard Tissier de Mallerais und Richard Williamson geweiht – der Präzedenzfall für die nun angekündigten Bischofsweihen. 2009 hob Papst Benedikt XVI. die Exkommunikationen der beteiligten Personen offiziell auf. Williamson wurde später aus der Piusbruderschaft ausgeschlossen und ist 2025 gestorben. Tissier starb bereits 2024.

Die Piusbruderschaft sieht sich weiterhin als Teil der katholischen Kirche und betet in der Messe für den amtierenden Papst, wodurch sie sich vom Sedisvakantismus abgrenzt. Gleichzeitig weigert sie sich, verschiedene Neuerungen – wie sie es sieht – zu akzeptieren, was immer wieder zu Spannungen mit dem Vatikan führt.

Papst Franziskus hatte erklärt, dass die Beichten bei Priestern der Piusbruderschaft in aller Welt gültig sind, und auch die Eheschließungen möglich sein sollen. Zuvor hatte sich die Bruderschaft mit Blick auf diese beiden Sakramente stets auf einen „Notstand“ in der Kirche berufen. Der Vatikan hat in den letzten Jahrzehnten verschiedentlich klargestellt, dass die Gläubigen durchaus an einer von der Piusbruderschaft gefeierten Messe teilnehmen können.

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