Zahl der Erwachsenentaufen in Belgien steigt deutlich an
In Belgien verzeichnet die katholische Kirche einen vergleichsweise starken Zulauf bei Erwachsenentaufen. Zur diesjährigen Fastenzeit haben sich 689 Personen angemeldet, um zu Ostern getauft zu werden. Das ist ein Anstieg von fast 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr und eine Verdreifachung innerhalb eines Jahrzehnts.
Am Aschermittwoch gab die belgische Bischofskonferenz die aktuellen Zahlen bekannt. Während es im Jahr 2025 noch 534 Taufbewerber gab, stieg die Zahl nun auf 689 an. Im Vergleich zu 2016, als lediglich 229 Erwachsene in die katholische Kirche aufgenommen wurden, entspricht dies einer Verdreifachung.
Die Bischofskonferenz teilte mit: „Im Jahr 2026 verzeichnen wir somit eine Verdreifachung gegenüber vor zehn Jahren, was das Wachstum bestätigt, das wir auch in den letzten Jahren beobachtet haben.“
Am 4. April, in der Osternacht, werden die Katechumenen die Eingliederungssakramente empfangen. Dazu gehören Taufe, Firmung und Erstkommunion. Zuvor feiern sie am kommenden Sonntag in ihren jeweiligen Bistümern den Ritus der Zulassung, mit dem der Bischof offiziell die Eignung zu diesen Sakramenten bestätigt.
Die höchste Zahl an Anmeldungen verzeichnet das Erzbistum Mecheln-Brüssel mit 248 Kandidaten. Darauf folgen die Bistümer Tournai mit 177, Lüttich mit 79, Antwerpen mit 57 und Namur mit 56 Personen.
Dieser Anstieg reiht sich in eine europaweite Entwicklung ein. So wurden beispielsweise in Frankreich zu Ostern 2025 mehr als 10.000 Erwachsene getauft. Das Pariser Erzbistum erwartet für Ostern 2026 eigenen Angaben zufolge 786 Katechumenen, nach 671 im Vorjahr. Auch in der Westschweiz sowie in England und Wales gibt es seit einigen Jahren steigende Zahlen bei Erwachsenentaufen.
Dem Wachstum bei den Taufen stehen jedoch die Austrittszahlen in Belgien gegenüber. Da es in Belgien, anders als in Deutschland, keinen formellen Kirchenaustritt gibt, können Gläubige stattdessen beantragen, aus dem Taufregister gestrichen zu werden. Diese Zahlen schwanken von Jahr zu Jahr deutlich. Im Jahr 2023 erreichten die Streichungen mit 14.251 Anträgen einen neuen Höchststand.
Hintergrund war laut dem Portal VRT die Ausstrahlung der Dokumentarserie „Godvergeten“, die Fälle sexuellen Missbrauchs in der Kirche beleuchtete. Rund 98 Prozent dieser Anträge stammten aus Flandern, insbesondere aus dem Erzbistum Mecheln-Brüssel. Im Jahr 2024 sank die Zahl der Streichungen auf 4.780. Damit liegt sie aber weiterhin über dem langjährigen historischen Durchschnitt von rund 1.200 Personen jährlich.
