Bischof Georg Bätzing, dessen Nachfolger als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) am Dienstag gewählt wird, hat erklärt, es gebe „Punkte“, an denen man die kirchliche Lehre „um der Menschen Willen verändern“ dürfe, ohne „den Kern des Katholischen“ zu berühren.
Im gleichen Atemzug betonte Bätzing bei der Pressekonferenz zum Auftakt der Frühjahrs-Vollversammlung der DBK am Montagnachmittag in Würzburg: „Ich stehe zur Lehre der katholischen Kirche. Das ist meine Kirche.“
Es gehe etwa beim Synodalen Weg um „echte Beteiligungen der Gläubigen an allen Vollzügen und Entscheidungen in der Kirche“ sowie „eine viel stärkere Beteiligung von Frauen auf allen Ebenen“, aber „auch die Sexualmoral der Kirche“. Diese sei „zu weiten Teilen in der jetzigen Form einfach unwirksam“, zeigte sich Bätzing überzeugt, „indem die Menschen, die Katholikinnen und Katholiken sie einfach liegen lassen und ihr Leben leben“.
Er höre von Menschen, „das Menschenbild, das Bild von Partnerschaft, das Bild von Sexualität der christlichen Kirche“ sei „so orientierungsgebend, dass wir es positiv aufgreifen müssen. Aber nicht einfach so, wie es besteht, sondern in Wertschätzung für das Leben, Lebensformen, Lebensstile, sexuelle Orientierungen, die Menschen einfach von ihrer Natur aus – und ich sage: von ihrem Schöpfer aus – gegeben sind.
Bei der Frühjahrs-Vollversammlung werde man sich erneut mit dem Synodalen Weg befassen, sagte Bätzing: „Jetzt geht es darum, dass, nachdem die Vollversammlung des ZdK bereits im November einstimmig diese Satzung entgegengenommen hat, auch die Bischofskonferenz dazu ihr Votum gibt.“
Der Knackpunkt der Satzung der Synodalkonferenz, die nun den Synodalen Weg verstetigen soll, ist die Idee des gemeinsamen Beratens und Entscheidens von Diözesanbischöfen und Nicht-Bischöfen, was im Vatikan zumindest in den vergangenen Jahren auf Widerstand stieß. In der Satzung heißt es konkret: „Sie berät und fasst Beschlüsse im Sinne ‚synodaler Entscheidungsprozesse‘ (vgl. Abschlussdokument der Bischofssynode, Nr. 94) zu wichtigen Fragen des kirchlichen Lebens von überdiözesaner Bedeutung.“
Der Vatikan unter Papst Franziskus und nun unter Papst Leo forderte trotz aller Kritik am Synodalen Weg nie förmlich, den Prozess mit seinen teils radikalen Änderungsbestrebungen an der überlieferten kirchlichen Lehre zu beenden und Gremien nur so einzurichten, wie es kirchenrechtlich problemlos möglich ist und wie sie in Deutschland auf allen Ebenen existieren.
Nun besteht die Lösung der deutschen Frage entweder darin, die Satzung zu genehmigen, womit alle bisherige vatikanische Kritik als substanzlos erscheinen würde, oder die Satzung abzulehnen, wodurch der Eindruck entstünde, dass der Vatikan erst dann durchgreift, wenn es um die Macht der Bischöfe geht, nicht aber zuvor, wenn zentrale Punkte der katholischen Lehre in Frage gestellt wurden – etwa in Sachen Frauenordination, aber auch, was homosexuelle Betätigung angeht.
Bätzing erklärte am Montag: „Gerade dieser Tage kam noch einmal an Scheiben aus dem römischen Synodensekretariat […], wo der Arbeitsplan für das Jahr 2026 im Hinblick auf Synodalität in der weltkirche beschrieben wurde. Kardinal Grech hat dann auch mal darauf hingewiesen: Jetzt ist das Jahr, wo Synodalität initiiert, verfestigt, konstituiert werden soll in den Ortsbischöfen und ihren Zusammenschlüssen.“
„Das ist genau das, was wir wollen mit der Synodalkonferenz“, so der scheidende DBK-Vorsitzende. „Der Zusammenschluss der deutschen Diözesen auf Ebene unseres Landes.“
