Kardinal Woelki predigt bei DBK-Vollversammlung über den „Kernsatz aller Synodalität“
Über den „Kernsatz aller Synodalität“ hat Kardinal Rainer Maria Woelki am Dienstagmorgen bei der Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) in Würzburg gepredigt. Er bezog sich damit auf die Stelle in der Apostelgeschichte, welche die Wahl des Matthias in den Kreis der Apostel schildert.
„Sie beten gemeinsam darum, dass Gottes Wille offenbar werden solle“, so Woelki. „Und daran – an den Willen Gottes und nur an diesen – binden sie ihre Entscheidung. ‚Herr, zeige, wen von beiden du erwählt hast.‘ Oder allgemeiner: ‚Herr, offenbare du deinen Willen für deine Kirche.‘“
Der Kölner Erzbischof ist einer von vier Bischöfen, die wegen massiver vatikanischer Kritik aus dem deutschen Synodalen Weg mit seinen teils radikalen Änderungsbestrebungen aus der kirchlichen Lehre ausgestiegen sind. Die von Papst Franziskus lancierte mehrjährige Weltsynode zur Synodalität begrüßte er jedoch.
„Die Einheit der Apostel, die mit der Wahl des Matthias wiederhergestellt ist, ist das Fundament für die Einheit der Kirche“, unterstrich Woelki am Dienstag. „Sie ist nicht das Ergebnis menschlicher Anstrengung, sondern Geschenk des Heiligen Geistes, das im Hören auf das Wort Gottes und im gemeinsamen Gebet empfangen wird.“
„Dieses gemeinsame Hören auf den Geist Gottes geschieht nicht im luftleeren Raum“, so der Kardinal weiter. „Das gemeinsame Bemühen darum, Gottes Willen zu erkennen und ihn zu tun, kann nur gelingen, wenn es – wie bei der Versammlung in Jerusalem, die Matthias zum Apostel bestimmt – gemeinsam in Einheit mit Petrus und eingeordnet in das Zeugnis der Heiligen Schrift sowie in den Glauben der Kirche geschieht. Die Kirche lebt aus der Verheißung, dass der Geist Gottes sie so in die Wahrheit führt und in der Einheit bewahrt.“
Schließlich erklärte Woelki: „Das Evangelium, das wir heute gehört haben, unterstreicht noch, wie sehr die Einheit der Jünger mit ihm und untereinander dem Willen – ja sogar dem Wesen – Gottes entspricht, der in der Trinität ganz Einheit und liebende Beziehung ist.“
Die Einheit der Kirche habe „in dieser Liebe ihren Ursprung und ihr Ziel. Sie ist nicht zuerst eine bestimmte Organisation oder Struktur, sondern sie ist geistliche Wirklichkeit. Jesus fordert seine Jünger daher auf, unter allen Umständen und zu allen Zeiten in dieser Liebe zu bleiben, sie zu bewahren und zu bezeugen. Denn seine Worte machen deutlich, dass die Einheit der Kirche nicht durch äußere Maßnahmen gesichert werden kann, sondern ausschließlich durch das Bleiben in seiner Liebe.“
„Die Liebe Jesu aber hat ihr Maß in seiner Hingabe“, stellte der Kölner Erzbischof klar. „Sie ist nicht beliebig, sondern sie drückt sich aus in der Einheit der Kirche, die ohne Unterlass gemeinsam nach dem Willen Gottes forscht und an ihm ihr ganzes kirchliches Handeln und Zeugnis ausrichtet.“