Heute jährt sich der Beginn des Krieges zum vierten Mal. In dieser Zeit waren die Reaktionen des Heiligen Stuhls und der Kirche insgesamt von dem Bemühen um diplomatische Neutralität und parallele humanitäre Unterstützung geprägt.
Papst Franziskus, der im April 2025 verstorben ist, prägte die vatikanische Reaktion in den ersten drei Kriegsjahren. Bereits am 23. Februar 2022, dem Tag vor dem Einmarsch, sagte er bei einer Generalaudienz: „Ich trage großen Schmerz im Herzen aufgrund der Verschlechterung der Situation in der Ukraine. […] Ich möchte an alle appellieren, die politische Verantwortung tragen, eine ernsthafte Gewissenserforschung vor Gott vorzunehmen, der der Gott des Friedens und nicht des Krieges ist; der der Vater aller, nicht nur einiger Menschen ist; der will, dass wir Geschwister und keine Feinde sind.“
Franziskus hatte bis zu seinem Tod immer wieder den Dialog gesucht. Kontroversen löste im März 2024 ein Interview aus, in dem er demjenigen Stärke zusprach, der „den Mut hat, die weiße Flagge zu schwenken und zu verhandeln“. Der Vatikan stellte im Anschluss klar, dass damit ein Waffenstillstand und keine Kapitulation gemeint gewesen sei.
Kurz vor seinem Tod ließ Franziskus aus dem Krankenhaus eine Botschaft verlesen. Darin sagte er, der Krieg sei „ein schmerzlicher und beschämender Anlass für die gesamte Menschheit“.
Unter Papst Leo XIV. hat sich der Tonfall gewandelt. Bereits vor seiner Wahl hatte der US-Amerikaner den russischen Angriff als „eine wahre Invasion imperialistischer Natur“ verurteilt.
Anlässlich des vierten Jahrestages sagte er am 22. Februar 2026 beim Angelus-Gebet: „Vier Jahre sind seit dem Beginn des Krieges gegen die Ukraine vergangen.“ Er beklagte in seiner Ansprache „so viele Opfer, so viele zerstörte Leben und Familien, so immense Zerstörung, so unsägliches Leid“.
Vor Ort in der Ukraine ist Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk, das Oberhaupt der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche, eine zentrale Figur. Er sandte seit Kriegsbeginn regelmäßige Videobotschaften aus Kiew.
Zum vierten Jahrestag fasste er die Lage zusammen: „Wir stehen vor einer echten Tragödie, die sich in den letzten Monaten weiter verschärft hat.“ Nach Angaben des Großerzbischofs steigt die Zahl der getöteten und verwundeten Zivilisten weiter an.
Parallel zur Diplomatie leisteten kirchliche Hilfswerke massive Unterstützung. Nach Angaben der Organisationen wurden geschätzt über 300 Millionen Euro mobilisiert. Kardinal Konrad Krajewski, der Präfekt des Dikasteriums für den Dienst der Nächstenliebe, reiste im vatikanischen Auftrag zehnmal in das Kriegsgebiet.
Dabei überbrachte er unter anderem Krankenwagen, Stromgeneratoren und Medikamente. Bei seiner letzten Reise im April 2025 übergab er medizinische Güter im Wert von rund 200.000 Euro.
Auch die katholischen Hilfswerke organisierten Unterstützung in historischem Ausmaß. Nach Angaben von Caritas Internationalis erreichte allein das Caritas-Netzwerk Millionen Menschen.
Die Malteser mobilisierten über 80 Millionen Euro für Hilfsgüter und medizinische Versorgung. Das weltweite päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ förderte in den vier Kriegsjahren über 1.200 Projekte mit einem Volumen von mehr als 30 Millionen Euro.
