Irme Stetter-Karp, die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), hat dem neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Bischof Heiner Wilmer SCJ, zur Wahl gratuliert. „Dieser Tag in Würzburg, an dem Ihre Mitbrüder großes Vertrauen in Sie gesetzt haben, ist eine Richtungsentscheidung für die Kirche in Deutschland“, so Stetter-Karp am Dienstag.
Wilmer wird mit Stetter-Karp die Spitze der geplanten Synodalkonferenz bilden, die den deutschen Synodalen Weg verstetigen soll. Die von DBK und ZdK verabschiedete Satzung muss allerdings noch durch den Vatikan genehmigt werden.
Die weiterhin kritische Frage mit Blick auf die Satzung ist jene nach dem gemeinsamen Beraten und Entscheiden von Diözesanbischöfen und Nicht-Bischöfen, was im Vatikan zumindest in den vergangenen Jahren auf Widerstand stieß. In der Satzung heißt es konkret, die Synodalkonferenz „berät und fasst Beschlüsse im Sinne ‚synodaler Entscheidungsprozesse‘ (vgl. Abschlussdokument der Bischofssynode, Nr. 94) zu wichtigen Fragen des kirchlichen Lebens von überdiözesaner Bedeutung.“
Der Vatikan unter Papst Franziskus und nun unter Papst Leo forderte trotz aller Kritik am Synodalen Weg nie förmlich, den Prozess mit seinen teils radikalen Änderungsbestrebungen an der überlieferten kirchlichen Lehre zu beenden und Gremien nur so einzurichten, wie es kirchenrechtlich problemlos möglich ist und wie sie in Deutschland auf allen Ebenen existieren.
Nun besteht die Lösung der deutschen Frage entweder darin, die Satzung zu genehmigen, womit alle bisherige vatikanische Kritik als substanzlos erscheinen würde, oder die Satzung abzulehnen, wodurch der Eindruck entstünde, dass der Vatikan erst dann durchgreift, wenn es um die Macht der Bischöfe geht, nicht aber zuvor, wenn zentrale Punkte der katholischen Lehre in Frage gestellt wurden – etwa in Sachen Frauenordination, aber auch, was homosexuelle Betätigung angeht.
Stetter-Karp jedenfalls verwies auf Bischof Georg Bätzing, den Vorgänger von Wilmer als DBK-Vorsitzender, der „Ihnen den Weg bereitet“ habe: „Er übergibt Ihnen mit diesem Tag den Staffelstab. Lieber Herr Bischof Wilmer, das ZdK freut sich darauf, den Synodalen Weg mit Ihnen zusammen weiterzugehen.“
„In den zurückliegenden Jahren hat sich viel bewegt“, erinnerte die ZdK-Präsidentin. „Was wir auf dem Synodalen Weg alle gemeinsam vorangebracht haben, lässt sich nicht mehr verrücken, kleinreden oder gar ungeschehen machen.“
Vor diesem Hintergrund forderte sie: „Wir müssen soziale Konflikte überwinden helfen, die angeschlagene Demokratie stärken, die Zukunft unseres Landes und die Zukunft Europas mitgestalten. Gerade weil dies so ist, habe ich keine Angst um den begonnenen Reformprozess in meiner Kirche. Er ist ohne Alternative. Ich bin sicher, dass Sie sich als neuer Vorsitzender der Bischofskonferenz dessen völlig bewusst sind, lieber Bischof Wilmer.“
Wilmer, seit 2018 Bischof von Hildesheim, hatte beim Synodalen Weg regelmäßig mit der deutlichen Mehrheit der Bischöfe und aller anderen Teilnehmer am Prozess für Änderungen an der kirchlichen Lehre gestimmt.
Der Bischof votierte etwa beim Handlungstext „Lehramtliche Neubewertung von Homosexualität“ mit „Ja“. Dort ist zu lesen: „Da die homosexuelle Orientierung zum Menschen gehört, wie er*sie von Gott geschaffen wurde, ist sie ethisch nicht anders zu beurteilen als die heterosexuelle Orientierung.“ Und wenig später: „Gleichgeschlechtliche – auch in sexuellen Akten verwirklichte – Sexualität ist damit keine Sünde, die von Gott trennt, und sie ist nicht als in sich schlecht zu beurteilen. Sie ist vielmehr an der Verwirklichung der genannten Werte zu messen.“ Entsprechend müsse der Katechismus der Katholischen Kirche abgeändert werden.
Der Handlungstext „Frauen in sakramentalen Ämtern – Perspektiven für das weltkirchliche Gespräch“ fand ebenfalls die Zustimmung Wilmers. „Mit der Zulassung von Frauen zum Diakonat verbinden viele die Stärkung des caritativen Grundvollzugs, den das Zweite Vatikanische Konzil neben der Aufgabe der Evangelisierung durch die Verkündigung des Wortes Gottes und durch die liturgische Feier der Sakramente als drittes wesentliches Moment der Identität der Kirche herausgestellt hat“, so das Dokument des Synodalen Wegs.
Mit Blick auf die Priesterweihe von Frauen stimmte die Mehrheit des Synodalen Wegs für folgenden Passus, der auch im Grundtext „Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche“ so formuliert war (dort ebenfalls mit Zustimmung Wilmers): „Darum ist die Frage an die höchste Autorität in der Kirche (Papst und Konzil) zu richten, ob die Lehre von Ordinatio Sacerdotalis nicht geprüft werden muss: Im Dienst der Evangelisierung geht es darum, eine entsprechende Beteiligung von Frauen an der Verkündigung, an der sakramentalen Repräsentanz Christi und am Aufbau der Kirche zu ermöglichen. Ob die Lehre von Ordinatio Sacerdotalis die Kirche unfehlbar bindet oder nicht, muss dann verbindlich auf dieser Ebene geprüft und geklärt werden.“
In Ordinatio sacerdotalis hatte Papst Johannes Paul II. im Jahr 1994 verbindlich erklärt: „Damit also jeder Zweifel bezüglich der bedeutenden Angelegenheit, die die göttliche Verfassung der Kirche selbst betrifft, beseitigt wird, erkläre ich kraft meines Amtes, die Brüder zu stärken (vgl. Lk 22,32), daß die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und daß sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben.“
