Schweizer Kapuziner nennt Austellung der Gebeine des Franz von Assisi „respektlos“
Anlässlich seines 800. Todestages werden in Assisi erstmals die Gebeine des heiligen Franziskus öffentlich ausgestellt. Der Schweizer Kapuziner Niklaus Kuster kritisierte die Schau gegenüber dem Portal kath.ch scharf: „Mich irritiert dieser Umgang mit den sterblichen Überresten eines Menschen. Ich finde das respektlos.“
Vom 22. Februar bis zum 22. März sind die sterblichen Überreste des Ordensgründers in der Unterkirche der Basilika San Francesco zu sehen. Dabei handelt es sich um die erste Ausstellung dieser Art seit dem Tod des Heiligen im Jahr 1226.
Zu der sogenannten „Ostensione“ wurden täglich rund 15.000 Besucher erwartet. Bereits vor der Eröffnung hatten sich fast 400.000 Menschen angemeldet, und mehr als die Hälfte der Ausstellungstage war frühzeitig ausgebucht.
Im Interview mit kath.ch sagte Kuster, der Verfasser einer Biografie über Franz und Klara von Assisi, er betrachte das Großereignis mit sehr gemischten Gefühlen. Er respektiere zwar ihm fremde Frömmigkeitsformen und wisse, dass einige Menschen durch die sichtbare Nähe zu den Reliquien ergriffen würden.
Zugleich betonte der 63-Jährige: „Andere werden gaffen und Selfies zu knipsen versuchen. Ich persönlich habe keinen Zugang zur Reliquienverehrung.“
Der Ordensmann verwies zudem auf die theologische Konzeption der Basilika, die das Leben des Heiligen durch Fresken in Beziehung zur Heilsgeschichte setze. Er sagte: „Das ist die Einladung der Grabeskirche: Das Leben des Franziskus zu lesen. Und deshalb finde ich es so kontraproduktiv, seine Gebeine zu zeigen.“
Wegen der Pilgermassen setze diese eigentliche Botschaft des Ortes nun aus: „Die Menschen, die die Basilika San Francesco geschaffen und ausgemalt haben, würden Kopf stehen, sähen sie, was heute passiert.“
Kuster betonte in diesem Zusammenhang: „In den kommenden Wochen gibt es keine Führungen in der Basilika San Francesco, mindestens nicht in der Unterkirche, wo sich Massen von Pilgernden zu den Reliquien drängen.“
Der Plexiglassarg aus dem Jahr 1978 verbleibt noch bis zum 22. März vor dem päpstlichen Altar der Unterkirche. Laut offiziellen Angaben des Ordens werden in diesem Zeitraum spezielle geführte Besichtigungen in sechs Sprachen angeboten, darunter auch Deutsch. Der Zugang zu den Reliquien ist kostenlos, erfordert jedoch eine Vorabregistrierung über das Internetportal „sanfrancescovive.org“.
