Erstmals staatliche Veranstaltung zu Christenverfolgung bei UN-Menschenrechtsrat

Erstmals staatliche Veranstaltung zu Christenverfolgung bei UN-Menschenrechtsrat

Zum ersten Mal hat im Rahmen des UN-Menschenrechtsrats in Genf eine von einem Staat organisierte Nebenveranstaltung zum Thema Christenverfolgung stattgefunden. Auf Einladung Ungarns diskutierten Diplomaten und Experten am vergangenen Dienstag über Gewalt gegen Christen weltweit sowie über die zunehmenden rechtlichen Einschränkungen der Religionsfreiheit in Europa.

Während der 61. Sitzung des Menschenrechtsrats fand eine Veranstaltung statt unter dem Titel „An der Seite verfolgter Christen stehen: Verteidigung des Glaubens und christlicher Werte“. Bislang hatten vor allem zivilgesellschaftliche Akteure dieses Thema in Genf auf die Agenda gesetzt.

In diesem Rahmen betonte die UN-Sonderberichterstatterin für Religions- und Weltanschauungsfreiheit, Nazila Ghanea, den universellen Ansatz der Menschenrechte. Opfer religiöser Verfolgung litten häufig unter mehreren Menschenrechtsverletzungen gleichzeitig.

Bei der Veranstaltung präsentierte der Ständige Beobachter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen in Genf, Erzbischof Ettore Balestrero, konkrete Zahlen. Demnach sind weltweit fast 400 Millionen Christen von Verfolgung oder Gewalt betroffen. Das entspricht etwa jedem siebten Christen. Im Jahr 2025 wurden laut Balestrero fast 5.000 Christen wegen ihres Glaubens getötet, was im Durchschnitt 13 Toten pro Tag entspricht.

Neben offener Gewalt warnte Balestrero vor einer „höflichen Verfolgung“ in westlichen Ländern. Diese zeige sich durch schrittweise Marginalisierung im öffentlichen Leben.

Erzbischof Balestrero zitierte dazu Papst Leo XIV., der sagte, Religionsfreiheit werde in vielen Kontexten „eher als ‚Privileg‘ oder Zugeständnis denn als grundlegendes Menschenrecht betrachtet“.

Anja Tang, die Direktorin der Beobachtungsstelle für Intoleranz und Diskriminierung von Christen in Europa (OIDAC Europe), untermauerte dies mit weiteren Daten. Ihre Organisation registrierte für das Jahr 2024 europaweit 2.211 Vorfälle.

„Mehrere europäische Regierungen haben Einzelpersonen durch Strafverfahren ins Visier genommen, weil sie friedlich ihre religiösen Überzeugungen geäußert haben“, sagte Tang in Genf.

Als Beispiele nannten die Redner den Prozess gegen die finnische Parlamentarierin Päivi Räsänen, die nach einem Bibelzitat angeklagt war, sowie Verurteilungen wegen stillen Gebets in Großbritannien.

Balestrero wies auf ein geplantes Euthanasie-Gesetz in Frankreich hin. Dieses könnte katholische Einrichtungen zwingen, gegen ihre Überzeugungen zu handeln und Ordensangehörige sogar mit Gefängnisstrafen bedrohen.

„Die Mitglieder dieser Gemeinschaften könnten, wie die Kleinen Schwestern der Armen, mit einer Gefängnisstrafe und einer hohen Geldstrafe rechnen. Außerdem könnten sie den Zugang zu öffentlichen Mitteln verlieren, wenn sie sich weigern, an der Umsetzung eines solchen Gesetzes zur Sterbehilfe mitzuwirken“, warnte der Erzbischof.

Die Übergriffe auf Christen ordnete Balestrero dabei auch theologisch ein. Angriffe auf Christen seien Angriffe auf das Kreuz selbst: „Angriffe auf die vertikale Dimension zielen darauf ab, die Beziehung zwischen Gewissen und Gott zu zerstören und den Glauben zum Schweigen zu bringen. […] Angriffe auf die horizontale Dimension finden statt, wenn Christen verfolgt werden, wodurch dem Menschen seine angeborene Fähigkeit genommen wird, frei auf den Ruf der Wahrheit zu antworten.“

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