Maronitischer Patriarch im Libanon fordert Lösungen von Hisbollah und Israel

Maronitischer Patriarch im Libanon fordert Lösungen von Hisbollah und Israel

Der Patriarch der maronitischen Katholiken im Libanon, Kardinal Béchara Pierre Raï OMM, hat mit Blick auf die Lage in seiner Heimat erklärt: „Die Hisbollah muss die Waffen niederlegen und Israel muss den Südlibanon verlassen sowie bestehende Vereinbarungen respektieren.“

„Ohne Sicherheit und Stabilität lassen sich die Menschen nicht im Land halten,“ zeigte sich Raï im Gespräch mit der katholischen Wochenzeitung „Die Tagespost“ überzeugt.

Der Libanon ist in den Iran-Krieg involviert, der Ende Februar von den USA und dem Staat Israel begonnen wurde. Die pro-iranische Hisbollah hatte nach dem Angriff auf den Iran gegen den Staat Israel zurückgeschlagen. Nun geht dieser militärisch gegen den Libanon vor.

Diee Nachrichtenagentur Reuters berichtete am Montag: „Die eskalierenden Feindseligkeiten haben in der vergangenen Woche fast 700.000 Menschen dazu gezwungen, aus ihren Häusern im Libanon zu fliehen, teilte eine UN-Agentur am Montag mit, als der Krieg zwischen Israel und der vom Iran unterstützten libanesischen Gruppe Hisbollah in die zweite Woche ging.“

„Der Libanon ist tief in den Krieg im Nahen Osten hineingezogen worden, seit die Hisbollah das Feuer eröffnet hat, um die Ermordung des obersten Führers des Iran zu rächen, und damit eine israelische Offensive ausgelöst hat, bei der laut libanesischen Behörden fast 500 Menschen im Libanon getötet wurden, wobei die Zahl der Todesopfer täglich um etwa 100 steigt“, hieß es weiter.

Kardinal Raï sagte derweil allgemein: „Die Zahl der Christen ist infolge der Abwanderung deutlich zurückgegangen – man kann durchaus von einem Aderlass sprechen. Allerdings wandern auch viele Muslime aus, vor allem aus wirtschaftlichen Gründen.“

„Bei den Christen wirkt sich die Emigration stärker aus, da ihre Familien im Durchschnitt kleiner sind“, führte der maronitische Patriarch aus. „Hinzu kommt die anhaltende Instabilität im Land und in der Region, die keine verlässlichen Zukunftsperspektiven schafft. Besonders betroffen sind Akademiker. Da viele Christen überdurchschnittlich gut ausgebildet sind, ist ihr Anteil an dieser Abwanderung hoch. Für eine nachhaltige Stabilisierung braucht es politische Lösungen.“

Das libanesische Modell für ein Zusammenleben verschiedener Religionen sei weiterhin tragfähig, betonte Raï: „Zwar gibt es Regionen mit christlicher oder muslimischer Mehrheit, doch grundsätzlich leben beide Gemeinschaften im ganzen Land. Das stärkt das gemeinsame Bewusstsein. Dieses Zusammenleben ist zudem verfassungsrechtlich abgesichert. Der sogenannte Nationalpakt legt fest, dass der Präsident ein maronitischer Christ, der Premierminister ein sunnitischer Muslim und der Parlamentspräsident ein schiitischer Muslim ist. Dieses Gleichgewicht hat sich bewährt. Deshalb sehe ich das Modell nicht grundsätzlich bedroht.“

Schon vor der jüngsten Eskalation durch den Beginn des Iran-Kriegs hatten viele israelische Militäraktionen im Libanon stattgefunden. Die Tagesschau berichtete Mitte Februar: „Seit mehr als einem Jahr gilt ein Waffenstillstand im Libanon – trotzdem fliegt Israel immer noch fast täglich Luftangriffe vor allem im Süden des Libanons. Bei den Angriffen, angeblich auf Hisbollah-Stellungen, sterben auch Zivilisten. Die Blauhelmtruppe UNIFIL hat seit Beginn des Waffenstillstandsabkommens mehr als 10.000 Verstöße gegen die Waffenruhe durch Israel gezählt.“

Und weiter: „Auch gibt es Berichte, dass Baufirmen gezielt angegriffen wurden – offenbar soll ein Wiederaufbau, eine Rückkehr des normalen Lebens in der Grenzregion verhindert werden. Dazu passt auch das Versprühen von Pflanzengift.“

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