Fuldaer Regens: „Wir bilden Priester heute in den pastoralen Realitäten aus“

Fuldaer Regens: „Wir bilden Priester heute in den pastoralen Realitäten aus“

Der Fuldaer Regens Dirk Gärtner hat betont, man bilde Priester „heute in den pastoralen Realitäten aus, wie sie sich zeigen“. Im Interview mit katholisch.de kontrastierte er dies mit der Priesterausbildung in der Zeit vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil, „die in Abgrenzung zur Welt stattgefunden hat“.

Trotz dieser Anpassung an die „pastoralen Realitäten“ ist die Zahl der Priesterweihen in Deutschland auf einem Rekordtief. In den Konzilsjahren von 1962 bis 1965 wurden in Deutschland jährlich mindestens 500 Diakone zu Priestern geweiht. 1994 waren es letztmalig mehr als 200 Neupriester, 2007 zum letzten Mal mehr als 100. Im Jahr 2025 gab es in 27 deutschen Bistümern nur noch 25 Neupriester. In Fulda, wo Gärtner für die Priesterausbildung verantwortlich ist, gab es in den letzten fünf Jahren nur fünf Priesterweihen.

Gärtner erklärte am Donnerstag: „In der Priesterausbildung denken wir schon länger über ausgedehntere Praxisphasen nach und experimentieren zum Teil schon damit. Diese Phasen dauern dann nicht bloß vier oder acht Wochen, sondern mehrere Monate.“

„Es hat sich gezeigt, dass dann eine wirkliche Auseinandersetzung mit den Realitäten stattfindet, wenn der Priesterkandidat sich ihnen über länger Zeit ‚aussetzt‘ und sich so auf sie einlässt“, fügte er hinzu.

Angesprochen auf das Zusammenspiel von Priesteramt und Synodalität sagte der Regens: „Ein synodaler Priester weiß in jeglicher Hinsicht um die Realitäten, die ihm begegnen. Ihm ist nichts Menschliches fremd, wie das Zweite Vatikanum in der Pastoralkonstitution formuliert hat. Der Priester muss auch wirklich vertraut sein mit der Realität Gottes, mit der Wirklichkeit seiner Berufung.“

„In diesen doppelten Hörprozess einzutreten, ihn einzuüben, das ist Ziel der Priesterausbildung und macht einen synodalen Priester aus“, betonte er.

Und: „In einen Hörprozess einzutreten, der wirklich Realitäten wahrnimmt, ist deshalb anspruchsvoll und kann Widerstände auslösen, weil ich bei diesem Hören nicht nur auf angenehme Realitäten in mir treffe. Es gibt in meinem Leben immer auch viel Rätselhaftes, Unstetes oder wenig Ausbalanciertes. Diese Konfrontation mit mir selbst muss man erst einmal aushalten lernen.“

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