Pastoraltheologe Wollbold: Konzils-Generation hatte „viel Naivität, viel Überschätzung“

Pastoraltheologe Wollbold: Konzils-Generation hatte „viel Naivität, viel Überschätzung“

Dem in München lehrenden Pastoraltheologen und Priester Andreas Wollbold zufolge hatte die Generation des Zweiten Vatikanischen Konzils „viel Naivität, viel Überschätzung, die Vorstellung, alles wird neu, alles wird besser“.

Umgekehrt betonte Wollbold im Gespräch mit der katholischen Wochenzeitung „Die Tagespost“ (aktuelle Ausgabe), diese Generation „hatte so viel Schwung, sie hatte so viel Hoffnung, Frühlingsgefühle, Dynamik“.

Insgesamt sei es aus heutiger Sicht „interessant zu sehen, dass da eigentlich noch der alte Geist herrschte: Der Papst und die Bischöfe sind geradezu in allem unfehlbar, sie leiten uns weise, sie sind vom Heiligen Geist selbst gelenkt und können deshalb gar keine Irrtümer begehen. Deswegen wird alles, was sie beschließen, immer nur das Bessere sein.“

„Dabei war das Vorhaben so riskant wie später Gorbatschows Perestroika“, führte er aus. „Wenn man einmal bei einem festgefügten System sagt, es sei reformierbar, verbesserbar, da werden jetzt Bausteine ausgetauscht, dann stehen die Zeichen sehr schnell nicht mehr auf Reform, sondern auf Revolution. Genau das ist in der Nachkonzilszeit passiert. Im Grunde applaudiert man jetzt der Welt und kritisiert die Kirche – also genau umgekehrt wie vorher. Und das war genauso falsch wie zu sagen, draußen ist alles nur Sünde und Verderbnis.“

Wollbold zeigte sich überzeugt, „dass die Krise sowieso gekommen wäre. Vieles von dem, was wir dann in den 60er-, 70er-Jahren gesehen haben, hätten wir auch so, ohne Konzil, erlebt.“

Mit Blick auf die Liturgie und die Ausarbeitung der nachkonziliaren Liturgie sagte der Pastoraltheologe: „Wir müssen außerdem kritisch hinzufügen, dass gerade die 60er-Jahre gesellschaftlich eine Zeit waren, in der es sehr banal und flach zuging, sehr diesseitig, sehr oberflächlich, sehr pragmatisch. Man braucht sich nur die Filme der 60er-Jahre anzuschauen.“

Dieser Geist sei dann durch eine Theologie verstärkt worden, „die einer Entsakralisierung das Wort redete und behauptete, mit der Menschwerdung Gottes gebe es keine Scheidung mehr von sakral und profan. Es gebe keine heiligen Dinge, Räume und Handlungen im Christentum. Das war als Kontext für die Liturgiereform verheerend und hat sie in eine ganz verkehrte Richtung gelenkt.“

Zur Idee eines Dritten Vatikanischen Konzils sagte Wollbold: „Um Gottes willen, nein. Schon das Zweite Vatikanische Konzil war als Gesprächsprozess grenzwertig. Heute haben wir über 5000 Bischöfe. Dazu vielleicht auch noch viele Laien, Experten, Berater. Was soll das werden? Ein Schauprozess? Oder ein geschicktes Konferenzmanagement von ein paar Entscheidern, die die Strippen ziehen?“

„Ein gemeinsames Hören auf das Wort des Geistes – das kann ich mir heute bei einem Plenarkonzil, einem ökumenischen Konzil gar nicht mehr vorstellen“, so das Fazit des Pastoraltheologen.

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