DBK-Chef Wilmer: Verstorbener Bischof Wanke war „beeindruckender Seelsorger“
Bischof Heiner Wilmer SCJ, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), trauert um den am Donnerstag mit 84 Jahren verstorbenen einstigen Erfurter Bischof Joachim Wanke. Der Verstorbene sei „ein beeindruckender Seelsorger und ein theologischer Visionär“ gewesen, formulierte Wilmer in einem Beileidsschreiben an den amtierenden Bischof von Erfurt, Ulrich Neymeyr.
Ab 1994 war Wanke der erste Bischof von Erfurt. Das Bistum war damals, einige Jahre nach dem Ende der DDR, von Papst Johannes Paul II. neu gegründet worden.
Der heilige Bonifatius hatte das Bistum im achten Jahrhundert ursprünglich gegründet. Aber schon wenige Jahre nach der Gründung wurde das Gebiet Teil der Diözese Mainz. In den letzten zwei Jahrhunderten gehörten die Gebiete der heutigen Diözese Erfurt teils zu Paderborn, teils zu Würzburg und teils zu Fulda. Zu DDR-Zeiten gab es aber schon eine gewisse Selbstverwaltung im Bischöflichen Amt Erfurt-Meiningen, für das Wanke selbst viele Jahre zuständig war.
Wilmer betonte vor diesem Hintergrund: „Das friedliche Zusammenwachsen beider deutscher Staaten trägt im kirchlichen Kontext seine Handschrift. Bischof Wanke stand für eine Kirche, die aus dem Glauben heraus handelt und sich dem christlichen Menschenbild verpflichtet sieht. Eine Kirche, die das Unrecht in der DDR benannte und gleichzeitig Perspektiven für ein Zusammenleben aufzeigte. Er war eine entscheidende Figur bei der Zusammenführung der katholischen Kirche in Deutschland nach der Wiedervereinigung.“
Geboren am 4. Mai 1941 in Breslau, studierte Wanke nach dem Abitur ab 1960 am Priesterseminar Erfurt. Die Priesterweihe spendete ihm 1966 Weihbischof Hugo Aufderbeck. Einige Jahre wirkte Wanke als Seelsorger im Eichsfeld, dann kehrte er nach Erfurt zurück, um zu promovieren bzw. die Habilitation anzugehen. Auch am Priesterseminar war er tätig.
1980 ernannte Papst Johannes Paul II. ihn zum Koadjutor des Apostolischen Administrators von Erfurt-Meiningen. Zu dem Zeitpunkt hatte Aufderbeck dieses Amt inne. Die Bischofsweihe empfing Wanke vom Berliner Bischof Joachim Meisner, der später Kardinal und dann Erzbischof von Köln wurde.
Nach dem Krebstod Aufderbecks im Jahr 1981 war Wanke Apostolischer Administrator von Erfurt-Meiningen, bis das Bischöfliche Amt schließlich 1994 im neugegründeten Bistum Erfurt aufging. 2012 trat Wanke aus gesundheitlichen Gründen zurück.
„In dieser Stunde des Abschieds denken wir an einen Seelsorger und Menschenfreund, an einen Theologen und Staatsbürger, der für viele Vorbild war – innerhalb der Kirche und außerhalb“, schrieb Wilmer. „Wir verneigen uns vor Bischof Wanke, der nicht nur im Bistum Erfurt prägend war, sondern sichtbare und lebendige Spuren im Leben der katholischen Kirche in der Bundesrepublik Deutschland hinterlässt. Möge er nun in Frieden ruhen.“