Bistum Osnabrück verteidigt Lehrplan für ökumenisches Fach „Christliche Religion“

Bistum Osnabrück verteidigt Lehrplan für ökumenisches Fach „Christliche Religion“

In Niedersachsen verteidigen das Bistum Osnabrück und Fachverbände den geplanten Lehrplan für das neue ökumenische Schulfach „Christliche Religion“ gegen Kritik. Während der Entwurf kontroverse Themen wie LGBT und den Islam stark fokussiert, verweisen kirchliche Vertreter auf eine christliche Basis des Unterrichts.

Ab dem 13. August wird in Niedersachsen der konfessionell getrennte Religionsunterricht durch das gemeinsam von Katholiken und Protestanten verantwortete Fach „Christliche Religion“ (CRU) abgelöst.

Hintergrund der Reform sind sinkende Schülerzahlen im bekenntnisgebundenen Unterricht. Derzeit läuft bis zum 28. März eine zweite Anhörungsphase zum Kern-Curriculum, das am 25. Februar veröffentlicht wurde und die rechtliche Grundlage für die künftigen Lernziele der Sekundarstufe I bildet, wie CNA Deutsch berichtete.

Zuletzt war kritisiert worden, dass der Name Jesu in dem Dokument lediglich zehnmal auftauche und stattdessen Themen wie die LGBT-Ideologie oder der Islam stark gewichtet würden.

Das Bistum Osnabrück trat dieser Darstellung nun entgegen. Wie ein Bistumssprecher gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) mitteilte, sei im Kernlehrplan das christliche Fundament festgehalten.

„Der CRU will verhindern, dass im Laufe der nächsten Jahre die einzige Antwort auf die Demografie der Wechsel in ein ausschließlich religionskundliches Fach wird. […] Die Ressourcen des Christentums sind hier nicht eine Perspektive von mehreren, sondern die unhinterfragbare Grundlage des CRU“, sagte der Sprecher.

Auch der „Bundesverband der katholischen Religionslehrer und -lehrerinnen an Gymnasien“ sprach gegenüber der KNA von einer „oberflächliche[n] Beurteilung“. Zwar könne bei erster Lektüre auffallen, dass klassische Inhaltsfelder wie Jesus, Gott oder Kirche teils fehlten.

„Jedoch lässt eine tiefere Auseinandersetzung mit dem Lehrplan, seiner Systematik und den konkretisierten Kompetenzen schnell erkennen, dass diese Inhalte keineswegs herausgefallen sind“, teilte der Verband mit. Vielmehr werde sichergestellt, dass „das Fach seinem öffentlichen Bildungsauftrag gerecht werden kann“.

Niedersachsens Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) betonte am Wochenende, der Unterricht bleibe bekenntnisgebunden: „Die aktuellen Schlagzeilen zum geplanten neuen Religionsunterricht in Niedersachsen verzerren die Tatsachen.“

Ein Blick in den Entwurf des Kerncurriculums zeigt, dass das Fach umstrittene Themen explizit integriert. Im Bereich Handeln wird etwa das „Eintreten für Vielfalt (z. B. Queerness, Kirche ohne Angst: OutInChurch)“ aufgeführt.

Auch der Dialog mit anderen Religionen wird als „konstitutiv für das Fach“ bezeichnet. Der Entwurf sieht Vergleiche mit dem Islam vor, darunter „Kaddisch und Sure 1 im Vergleich mit dem Vaterunser“, „Paradiesvorstellungen im Islam“ oder „der Mensch als Stellvertreter Allahs im Islam“.

„Durch diese Religions- und Kultursensibilität fördert das Fach Christliche Religion Inklusion, Teilhabe an demokratischen Prozessen und die Fähigkeit zum kritischen Umgang mit Fundamentalismen, Antisemitismus, antimuslimischem Rassismus und Populismen in der pluralen Gesellschaft“, heißt es dazu im Entwurf weiter.

Demgegenüber tritt die explizite Nennung von Jesus Christus quantitativ in den Hintergrund. Der Name Jesu kommt in der gesamten Vorlage zehnmal vor, unter anderem in Bezug auf die „Auferweckung Jesu“, die „Nachfolge Jesu“ oder das „Wirken Jesu von Nazareth in der Zeit römischer Besatzung“.

Zudem fordert das Curriculum eine kritische Auseinandersetzung mit den Schattenseiten der Kirchengeschichte. Genannt werden unter anderem „sexualisierte Gewalt und Machtmissbrauch“ sowie Zwangsmissionierungen.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer SCJ, hatte das Vorhaben zuvor als „wegweisende[s] Modell“ gelobt.

Nach Abschluss der Anhörungsphase Ende März wird das Kultusministerium die eingegangenen Stellungnahmen auswerten. Anschließend wird das Curriculum finalisiert, bevor das Fach zur Einschulung der Jahrgänge 1 und 5 im Sommer verbindlich an den niedersächsischen Schulen eingeführt wird.

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