„Das Böse wuchert“: Theologe Johannes Hartl über Enthüllungen zu Jeffrey Epstein

„Das Böse wuchert“: Theologe Johannes Hartl über Enthüllungen zu Jeffrey Epstein

Johannes Hartl, der Theologe und Gründer des Gebetshauses Augsburg, hat den Missbrauchsskandal um Jeffrey Epstein als Ausdruck menschlicher Bosheit eingeordnet. In einem Gastbeitrag für das Online-Magazin „Communio“ warnte er vor der zügellosen Selbstentfaltung der säkularen Moderne und verwies auf die christliche Hoffnung auf göttliche Gerechtigkeit.

„Das Böse wuchert“, schrieb Hartl. „Während alle Religionen einen kritischen Umgang mit den eigenen Wünschen lehren, ist die säkulare Moderne der freien Entfaltung des Selbst verpflichtet.“

Hintergrund seiner Äußerungen sind die veröffentlichten und teils geschwärzten Gerichtsdokumente im Fall des verurteilten US-amerikanischen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein. Die sogenannten Epstein-Files listen zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft auf, die mit dem Kriminellen in Verbindung standen.

Wie Hartl in seiner Kolumne „Hartl aber herzlich“ darlegt, offenbaren die Akten einen schwer begreiflichen Abgrund. Nach Angaben des Autors seien über Jahrzehnte hinweg Minderjährige angeworben und sexuell missbraucht worden, während entsprechende Berichte an die Behörden bereits in den 1990er Jahren „überaus lax gehandhabt“ worden seien. Die späte und lückenhafte Herausgabe der Dokumente werfe zudem die Frage nach behördlichen Verstrickungen auf.

Aus christlicher Perspektive leitet der Gründer des Augsburger Gebetshauses aus dem Fall die theologische Einsicht ab, dass das Böse existiert und das menschliche Herz grundsätzlich für Versuchungen anfällig ist. Er kritisierte in diesem Zusammenhang die säkulare Moderne, die sich der freien Entfaltung des Selbst verschrieben habe.

Hartl betonte: „Taten wie jene Epsteins zeigen auf schockierende Weise, was passiert, wenn jemand wirklich einfach genau das tut, was er will.“

Nach Darstellung Hartls ist das Ausleben eigener Begierden nicht harmlos. Er merkte an, dass der Leitspruch „Tu was du willst“ auch im modernen Satanismus zu finden sei. Mächtige Menschen seien dabei nicht zwingend böser als andere, sie verfügten jedoch über mehr Möglichkeiten, ihre Vorhaben in die Tat umzusetzen, da das Böse wuchere.

„Denn das Böse besteht darin, etwas zu tun, was man ersehnt, obwohl es nicht richtig ist. Die Tat jedoch befriedigt das Herz nicht, und so will man immer mehr. Auch pädophile Sadisten beginnen in der Regel nicht als Bestien, sondern sie werden erst nach und nach dazu“, erklärte Hartl.

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