DBK-Chef Wilmer gedenkt „Ausnahme-Philosoph“ Habermas

DBK-Chef Wilmer gedenkt „Ausnahme-Philosoph“ Habermas

Bischof Heiner Wilmer SCJ, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), hat des am Samstag verstorbenen Philosophen Jürgen Habermas gedacht. Er wurde 96 Jahre alt.

Habermas war ein Vertreter der sogenannten Frankfurter Schule, die mit ihren philosophischen bzw. soziologischen Ideen an Karl Marx anknüpfte, aber auch an Persönlichkeiten wie Sigmund Freud. Die Frankfurter Schule war ein Wegbereiter und Ideengeber der 68er-Revolution.

Wilmer erklärte am Samstag: „Mit Jürgen Habermas geht ein Ausnahme-Philosoph von uns. Die Weite seines Denkens und die visionäre Kraft, Brücken zwischen der Philosophie und Religion zu bauen, werden bleiben.“

„Unvergessen ist sein Dialog mit Joseph Ratzinger, der gezeigt hat, dass die Theologie nicht ohne die Philosophie und die Philosophie nicht ohne die Theologie bestehen kann“, betonte Wilmer. „Die Kraft seiner geistigen Leistung werden wir nicht vergessen.“

Die katholische Wochenzeitung „Die Tagespost“ erinnerte in einem Nachruf am Samstag an dieses Gespräch mit dem späteren Papst Benedikt XVI., der damals, im Jahr 2004, noch Präfekt der Glaubenskongregation war. Die beiden diskutierten „über die ‚dialektischen Grundlagen der Säkularisierung‘. Das Treffen zeigte, dass der vermeintliche Gegensatz zwischen aufgeklärter Vernunft und religiösem Glauben nicht zwangsläufig in Feindschaft enden muss. Beide sahen vielmehr die Notwendigkeit eines gegenseitigen Lernprozesses: das Gespräch als Weg, der Weg als Ziel.“

„Habermas, der sich selbst als ‚religiös unmusikalisch‘ bezeichnet, erkannte im Christentum eine wichtige Quelle moralischer Intuitionen“, so die Tagespost weiter. „Und der spätere Papst entlockte verborgenen Saiten bei Habermas, die der Philosoph wohl selbst nicht kannte, beinahe ‚celestine‘ Klänge. Er warnte davor, religiöse Stimmen aus dem öffentlichen Diskurs zu verdrängen, weil demokratische Gesellschaften auf normative Ressourcen angewiesen seien, die sich nicht allein aus instrumenteller Vernunft speisen. Religiöse Traditionen, so Habermas, bewahrten sprachliche und moralische Einsichten, die auch säkularen Gesellschaften zugutekommen könnten.“

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