Vorwürfe geistlichen Missbrauchs gegen traditionsverbundene Schwesterngemeinschaft
Ehemalige Postulantinnen der traditionsverbundenen Anbetungsschwestern des Königlichen Herzens, die enge Beziehungen mit dem Institut Christus König und Hohepriester hat, erheben schwere Vorwürfe gegen die Ordensgemeinschaft, die möglicherweise geistlichen Missbrauch darstellen. Im Dezember 2025 wurde ihnen vom Dikasterium für die Institute des geweihten Lebens und die Gesellschaften des apostolischen Lebens mitgeteilt, dass eine Visitation der Gemeinschaft geplant sei.
„Man fragte mich, ob ich noch glaube, dass Gott mich liebt. Und ich sagte: Ich weiß es, aber ich fühle es nicht mehr“, beschrieb eine der betroffenen Frauen gegenüber dem Portal The Pillar die Folgen ihrer Zeit in der Gemeinschaft.
Mehrere ehemalige Postulantinnen schildern übereinstimmend eine Ausbildungskultur, die von Einschüchterung, Isolation und psychologischer Manipulation geprägt gewesen sei.
Die Anbetungsschwestern wurden im Jahr 2001 als Frauengemeinschaft in enger Verbindung mit dem Institut Christus König gegründet. Dabei handelt es sich um eine traditionsverbundene Priestergemeinschaft, die für die ausschließliche Feier der Liturgie bekannt ist, wie sie bis nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil in der ganzen Welt üblich war.
Papst Benedikt XVI. verlieh dem Institut am 7. Oktober 2008 den Status einer Gesellschaft apostolischen Lebens päpstlichen Rechts. Die Schwesterngemeinschaft erhielt ebenfalls 2008 die Anerkennung als Vereinigung päpstlichen Rechts und ist damit direkt dem Dikasterium für die Institute des geweihten Lebens beim Heiligen Stuhl unterstellt.
Die Betroffenen berichteten von mangelhaften Wohnbedingungen – kein warmes Wasser, kaum Heizung, Ungezieferbefall. Eine Frau erklärte, sie habe 2022 beim Eintritt in das Postulat morgens einen Wurm im Frühstücksbrot gefunden und sei angewiesen worden, verdorbenes Gemüse zu reinigen, zu kochen und zu essen, „während die Kanoniker und die Oberen stets mit dem frischesten Essen bedient wurden“.
Besondere Bedeutung kommt nach Darstellung der Betroffenen der Sprachpolitik im Postulat zu: „Man hatte uns gesagt, wir würden in der Gemeinschaft Französisch lernen. Doch einige Wochen nach der Ankunft wurde von uns erwartet, uns ausschließlich auf Französisch zu unterhalten.“ Bei Verstößen habe die Novizenmeisterin gescholten.
Sprachliche Unsicherheiten seien nicht als Lernschritte behandelt worden, sondern als moralisches Versagen. „Die einzigen Wörter, die mir die Schwestern beibrachten, waren die Wörter für ‚Staub‘ und ‚mit der Hand waschen‘“, schilderte eine Frau. Eine andere nannte die Insistenz auf Französisch ein „krankhaftes Spiel von Macht und Unterwerfung“.
Hinzu kommt nach Berichten der Frauen eine weitreichende Isolation: Die sogenannte „Dreier-Regel“ habe es verboten, unter vier Augen mit einer Mitschwester zu sprechen. Briefe an Familienmitglieder seien streng reglementiert worden, mit der Auflage, keine inneren Schwierigkeiten oder gemeinschaftsinterne Vorgänge zu erwähnen.
„Ich konnte mich keiner anderen Schwester anvertrauen“, erklärte eine Betroffene. Den Zugang zu geistlichen Begleitern beschrieb eine Frau so: „Er bot mir an, mit mir zu sprechen. Noch am selben Tag bat ich mündlich und schriftlich um einen Termin. Aber es dauerte 23 Tage, bis dieser Termin tatsächlich zustande kam.“ Dabei sei er der einzige Priester gewesen, der Englisch gesprochen habe.
In einem Brief an die Oberin aus dem Jahr 2024 schrieb eine der Frauen über sich und eine Mitpostulantin: „Wir erlebten einen steilen psychologischen Verfall während unserer Zeit in der Gemeinschaft und entwickelten Probleme, die wir zuvor nicht gekannt hatten.“
Weiter hieß es in dem Brief: „Zu verschiedenen Zeitpunkten, mit unterschiedlicher Intensität, erlebte die eine oder die andere von uns […] häufiges Weinen, Panikattacken, Schlaflosigkeit, Albträume, Selbstverletzung (die einmal einen Arztbesuch erforderlich machte), Suizidgedanken. Während man erwarten mag, dass im Ordensleben Schwächen zutage treten, ist es besorgniserregend, dass in unserem Fall neue Wunden geschlagen wurden.“
Die Oberin der Gemeinschaft, Madeleine-Marie, räumte gegenüber The Pillar ein, von den Vorwürfen Kenntnis zu haben. Die Frauen hätten die Gemeinschaft verlassen, „weil sie sich nicht anpassen konnten“, erklärte sie per E-Mail.
Sie habe dennoch die Briefe ernst genommen und eigene Besuche durchgeführt: „Was ich sah, waren Übertreibungen und Missverständnisse unserer Regeln und verschiedener Situationen.“
Auf Bitten der Oberin habe der Generalprior des Instituts Christus König zudem eine kanonische Visitation aller Häuser durchgeführt. Das Ergebnis dieses Besuchs bezeichnete sie als positiv, erklärte jedoch, der Bericht müsse „vertraulich bleiben, wie es stets der Fall war“.
Zur Kritik an der Gehorsamkeitskultur sagte Madeleine-Marie: „Eine Ordensgemeinschaft ist eine Familie, in der väterliche und mütterliche Liebe sowie kindliche Liebe herrschen müssen. Vor allem die Oberen üben diese väterliche und mütterliche Fürsorge aus.“
Die „Ausübung von Autorität“ gründe „auf gegenseitigem Vertrauen, nach dem Vorbild der Liebe zwischen Gott und uns, seinen Kindern.“ Kritik sei in der Gemeinschaft durchaus willkommen: „Wir laden konstruktive Kritik gerne ein, wie es die Regel des heiligen Benedikt fordert.“
Im Oktober 2024 wandte sich eine der Betroffenen an das Bistum Trier, wo die Anbetungsschwestern eine Niederlassung haben befindet. Ihr Anliegen wurde eigenen Angaben zufolge an das Dikasterium für das geweihte Leben weitergeleitet.
Im Dezember 2025 trafen sich zwei der Betroffenen mit leitenden Vertretern des Dikasteriums in Rom. Ihnen wurde mitgeteilt, dass eine Visitation der Gemeinschaft geplant sei. Ob diese bereits eingeleitet wurde, ist derzeit jedoch unklar.
