Jesuitenpater Jörg Alt ist „stolz“, wegen Klima-Aktivismus ein Straftäter zu sein

Jesuitenpater Jörg Alt ist „stolz“, wegen Klima-Aktivismus ein Straftäter zu sein

Der Jesuitenpater Jörg Alt musste im April 2025 eine 25-tägige Haftstrafe in der Justizvollzugsanstalt Nürnberg absitzen, weil er sich weigerte, eine Geldstrafe für die Teilnahme an einer Straßenblockade der Klimaprotestbewegung „Letzte Generation“ zu zahlen. Nun sagte Alt am Samstag im Gespräch mit der Badischen Zeitung: „Ich bin stolz, den Weg mit der Letzten Generation gegangen und ein Straftäter zu sein.“

Das Amtsgericht Nürnberg hatte ihn im November 2023 wegen Nötigung in 13 Fällen zu 1.125 Euro verurteilt. In der Berufung reduzierte das Landgericht die Strafe auf 500 Euro für zehn Fälle. Im Oktober 2024 bestätigte das Bayerische Oberste Landesgericht das Urteil rechtskräftig.

„Ich habe das aber für ungerecht gehalten“, erklärte Alt. Als Jesuitenpater verwies er auf sein Armutsgelübde. Sechs Personen boten an, die Strafe für ihn zu bezahlen. Alt lehnte ab.

Am 1. April 2025 trat Alt seine 25-tägige Ersatzfreiheitsstrafe in der JVA Nürnberg an. Als Häftling Nummer 740/25 wurde er am 25. April 2025 wieder entlassen. Auf Wunsch seiner Mitgefangenen und von Vollzugsbeamten berichtete er anschließend über die Zustände im bayerischen Strafvollzug.

Auch gegen seine Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung wurde ermittelt, aber das Verfahren wurde „letztlich eingestellt“, erzählte der Jesuit.

Der promovierte Theologe trat 1980 in die Gesellschaft Jesu ein. Über Jahre befasste er sich mit Kampagnen zu Finanztransaktionssteuer, Steuergerechtigkeit und Migration. Erste Kontakte zur Klimabewegung knüpfte er 2019 mit Aktivisten von Fridays for Future in Nürnberg.

„Zunächst habe ich mich persönlich angegriffen gefühlt“, berichtete Alt, denn den Babyboomern sei vorgeworfen worden, den Klimawandel nicht ernst zu nehmen. Doch seine Sicht änderte sich. „Dann habe ich erkannt, dass die jungen Menschen Recht hatten“, sagte er.

Gemeinsam mit Aktivisten der „Letzten Generation“ protestierte Alt gegen Lebensmittelverschwendung. Im Dezember 2021 entnahm er an drei Nürnberger Supermärkten nächtlich Lebensmittel aus Müllcontainern und verteilte sie öffentlich. Anschließend zeigte er sich selbst bei der Polizei an. „Ich wollte verhaftet werden!“, stellte er klar.

Straßenblockaden lehnte Alt zunächst als unverhältnismäßig ab. „Nachdem aber der damalige Verkehrsminister Volker Wissing das Klimagesetz gebrochen hat, habe ich meine Meinung geändert“, sagte er. Ab August 2022 klebte er sich gemeinsam mit rund 40 Aktivisten in Nürnberg, München und Berlin auf der Straße fest.

Den Aktivisten der „Letzten Generation“ zollte Alt tiefen Respekt. „Sie haben ihre Zukunft aufs Spiel gesetzt und psychische Belastungen in Kauf genommen mit dem Ziel, den Menschen deutlich zu machen, was auf sie zukommt, und nicht den Respekt der Gesellschaft erhalten“, sagte er. Anfang 2024 wurden die Klimaproteste aufgegeben, da letztlich nichts erreicht worden war.

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