Erzbischof Bentz: „Angriff auf den Iran ist ethisch nicht vertretbar“
Dem Paderborner Erzbischof Udo Bentz zufolge ist der „Angriff auf den Iran“ durch die USA und den Staat Israel „ethisch nicht vertretbar“. Entsprechend lasse sich auch „die gezielte Tötung der iranischen Führung nicht rechtfertigen“, sagte Bentz gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Dienstag.
Bentz ist neben seiner eigentlichen Aufgabe im Erzbistum Paderborn auch Vorsitzender der Deutschen Kommission Justitia et Pax und Vorsitzender der Arbeitsgruppe Naher und Mittlerer Osten der Deutschen Bischofskonferenz (DBK).
In deutlichen Worten kommentierte er den Iran-Krieg, der Ende Februar begann. „So wie die Dinge liegen, ist das Argument einer vorauseilenden Selbstverteidigung nicht stabil“, hielt er fest. Zwar sei der Iran aggressiv und gefährlich, aber es sei „nicht erkennbar, dass der Iran kurz vor einem solchen Angriff stand oder kurz davor, die Mittel zu einem solchen vernichtenden Angriff zu erhalten“.
„Die Geringschätzung des Völkerrechts, die in diesem Angriff zum Ausdruck kommt, ist in hohem Maße beunruhigend“, hielt Bentz fest.
In Windeseile eskalierte der Iran-Krieg, den die USA und der Staat Israel begonnen hatten, und breitete sich auf andere Länder in der Region aus.
Die schiitische Terrororganisation Hisbollah, die beste Verbindungen zum schiitisch regierten Iran hat, führt vom Libanon aus Gegenschläge auf israelische Ziele durch. Der Staat Israel wiederum hat massiv gegen dieses Land mobilisiert und führt tägliche Militäroperationen durch, denen dort bereits Hunderte zum Opfer gefallen sind, darunter auch ein katholischer Priester.
Der Iran selbst attackiert Ziele in verschiedenen Staaten der Golfregion, die mit den USA in Verbindung stehen, darunter vor allem Militärstützpunkte. Zudem blockiert der Iran die Straße von Hormus, sodass deutlich weniger Erdöl als sonst aus der Region in alle Welt exportiert werden kann – was sich in den Spritpreisen niederschlägt.
„So wie es aussieht, ist man einem konstruktiven Regimewechsel durch den militärischen Angriff nicht wirklich nähergekommen“, konstatierte Bentz vor diesem Hintergrund. „Stattdessen müssen wir eine weitere Destabilisierung des gesamten Mittleren Ostens durch diesen Militäreinsatz konstatieren: Die Golfstaaten, der Libanon und der Irak sind mitbetroffen. Ich halte dies für hochgradig unverantwortlich und das dadurch provozierte Risiko weiterer Eskalationen aus der Sicht der christlichen Friedensethik nicht ansatzweise für vertretbar.“
Das Fazit des Erzbischofs lautete: „Ich habe keinen Grund zur Annahme, dass dieser Krieg die Region einem nachhaltigen Frieden näherbringt. Was ich sehe, ist massenhaftes Leid für die Menschen, neue Fluchtbewegungen, Unsicherheit, Angst, wachsendes Misstrauen. Kurzum: eine weitere politisch-kulturelle Vergiftung der Region. Diese Lage führt bei vielen zu Resignation und Hoffnungslosigkeit.“
