Bischof Gerber war als Krebspatient „als Seelsorger gefragt, nur eben anders als sonst“

Bischof Gerber war als Krebspatient „als Seelsorger gefragt, nur eben anders als sonst“

Der Fuldaer Bischof Michael Gerber, der monatelang wegen einer Krebserkrankung behandelt wurde, hat mit Blick auf diese Zeit betont: „Obwohl ich äußerlich von meinen bisherigen Tätigkeiten weg war, etwa keine Predigten mehr halten konnte, war ich innerlich sehr nah an meinem Auftrag, die Frohe Botschaft zu verkünden.“

Konkret hätten sich etwa Menschen bei ihm gemeldet, „die selbst in schwierigen Situationen waren“, sagte der Bischof der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Mittwoch. „Sie hatten das Gefühl: Da ist jemand, der gerade selbst existenziell herausgefordert ist, mit dem kann ich anders sprechen. In diesen Gesprächen ist sehr viel Offenheit entstanden. Wir haben über Glauben gesprochen, über Zweifel, über Angst.“

Dabei habe er feststellen können: „Auch in dieser Situation bin ich als Seelsorger gefragt, nur eben anders als sonst.“ Die eigene Berufung hänge „nicht nur an den Aufgaben, die man sichtbar erfüllt. Sie kann sich auch anders ausdrücken – etwa im Gebet für die Menschen, die mir anvertraut sind, oder in Gesprächen, die ich in dieser Zeit geführt habe.“

Mit Blick auf die Thematik der Krankenhausseelsorge sagte Gerber, es brauche „besonders geeignete Leute“. Man müsse „mit Menschen sprechen können, die in Ausnahmesituationen sind, und zugleich mit der eigenen Verletzlichkeit umgehen können. Ich kenne eine Reihe von Seelsorgerinnen und Seelsorgern, die selbst Krisen erlebt haben.“

„Wo Menschen sich intensiv mit ihrer Krise auseinandergesetzt haben, ist das für die Seelsorge ein großer Mehrwert“, zeigte sich der Bischof von Fulda überzeugt. „Menschen spüren sehr genau, ob ihr Gegenüber eigene Grenzen kennt. Gerade das macht glaubwürdig.“

Auf die Frage, wie die Kirche in zehn Jahren aussehen werde, antwortete Gerber, es gelte zu lernen, „mit Unsicherheit zu leben. Wir kommen aus einer Zeit großer Stabilität, und die gibt es so nicht mehr. Selbst wenn wir Dinge ordnen, bleibt vieles vorläufig. Darum braucht es eine andere Form von Sicherheit – nicht einfach in Strukturen. Es geht um eine andere, tiefere Form der Sicherheit. Damit meine ich verlässliche Beziehungen, die gerade auch in Krisen tragen.“

„So werden wir als Kirche unserem Auftrag gerecht, Sakrament Gottes zu sein, der zum Menschen steht“, betonte er. „Wir müssen in Qualität investieren. Ich habe das selbst in der Krankheit erlebt: Vieles war unsicher, aber ich habe gespürt, dass Menschen zu mir stehen. Und ich glaube, Menschen mit so einer inneren Sicherheit brauchen wir heute dringend – in der Kirche und in der Gesellschaft.“

Werden Sie Teil der EWTN-Familie. Abonnieren Sie unseren Newsletter!

*Ich möchte zukünftig den wöchentlichen Newsletter von EWTN.TV mit Impulsen, Programmtips und Informationen rund um Ihren katholischen Fernsehsender per E-Mail empfangen. Diese Einwilligung kann am Ende jedes Newsletters widerrufen werden. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.