Schottland lehnt Euthanasie ab, Vereinigtes Königreich will Abtreibungen erleichtern
Das schottische Parlament hat am Dienstag die Legalisierung des assistierten Suizids abgelehnt. Einen Tag später ließ das britische Oberhaus in London jedoch eine Regelung bestehen, die vorgeburtliche Kindstötungen in England und Wales bis zur Geburt straffrei stellen soll, sofern das Gesetz in dritter Lesung verabschiedet wird.
Erzbischof John Sherrington von Liverpool, reagierte auf das Votum des Oberhauses mit scharfer Kritik. „Ich bin tief erschüttert über die Entscheidung des House of Lords, den Änderungsantrag von Baroness Monckton abzulehnen, der Klausel 208 aus dem Crime and Policing Bill hätte streichen sollen“, erklärte Sherrington. „Dieser Schritt wird aller Voraussicht nach zu mehr Spätabtreibungen führen und schwangere Frauen sowie ihre ungeborenen Kinder gefährden. Viele Frauen könnten dadurch einem noch größeren Risiko von Isolation, Zwang und Druck ausgesetzt sein.“
Mit 185 zu 148 Stimmen lehnte das Oberhaus am Mittwoch einen Antrag ab, der die Klausel aus dem Gesetzentwurf gestrichen hätte. Klausel 208 des „Crime and Policing Bill“ stellt Frauen straffrei, die in der eigenen Schwangerschaft eine Abtreibung vornehmen, unabhängig vom Stadium der Schwangerschaft.
Sherrington dankte jenen Parlamentariern, „die mutig dafür eingetreten sind, Mütter und ihre ungeborenen Kinder vor diesem Schritt zu schützen“. Er ermutigte die Gläubigen, Organisationen zu unterstützen, die Frauen bei unerwarteten Schwangerschaften begleiten. „Vom Beispiel der Heiligen Familie beseelt, lasst uns weiterhin die Würde sowohl des Kindes im Mutterleib als auch der Mutter verteidigen“, schloss er seinen Appell.
Der Gesetzentwurf hat das Unterhaus bereits durchlaufen und muss noch in dritter Lesung vom Oberhaus verabschiedet werden.
Unterdessen feierten Schottlands Bischöfe in Edinburgh den Ausgang der dortigen Abstimmung als Sieg des Gebets. „Das Gebet hat die Herzen in dieser wichtigen Frage bewegt. Wir sind überglücklich. Gott sei Dank, dass das Leben heute Abend gesiegt hat!“, teilten sie unmittelbar nach der Abstimmung gegenüber EWTN News mit.
Mit 69 zu 57 Stimmen bei einer Enthaltung verwarf das schottische Parlament den „Assisted Dying for Terminally Ill Adults (Scotland) Bill“ des liberaldemokratischen Abgeordneten Liam McArthur.
Noch im Mai 2025 hatte dasselbe Parlament mit 70 zu 56 Stimmen für eine Weiterbehandlung des Entwurfs gestimmt. Zwölf Abgeordnete wechselten nun die Seite, darunter Jamie Hepburn (SNP), Daniel Johnson (Labour) und Brian Whittle (Konservative).
McArthurs Entwurf hätte unheilbar Kranken mit einer Lebenserwartung unter sechs Monaten ermöglicht, auf ärztliche Hilfe zur Selbsttötung zurückzugreifen. Nach vier Debatten und rund 175 Änderungsanträgen scheiterte das Vorhaben.
Bischof John Keenan, der Präsident der Bischofskonferenz Schottlands, würdigte den Einsatz der Abgeordneten und dankte jenen, „die das Prinzip der Menschenwürde hochgehalten und sich für die Schwachen eingesetzt haben“.
Zugleich betonte er die Unvereinbarkeit des assistierten Suizids mit echter Barmherzigkeit: „Jedes menschliche Leben besitzt einen innewohnenden Wert. Echte Barmherzigkeit äußert sich nicht darin, ein Leben zu beenden, sondern darin, die Leidenden zu begleiten und dafür zu sorgen, dass sie die medizinische, emotionale und geistliche Unterstützung erhalten, die ihre Würde anerkennt.“
Alisdair Hungerford-Morgan, der Geschäftsführer der Lebensrechtsorganisation Right To Life UK, bezeichnete das Ergebnis als „einen großen und tiefgreifend bedeutsamen Sieg für die verletzlichsten Menschen in Schottland“. Er warnte, das Gesetz hätte „einen unwiderruflichen Wandel eingeleitet […] und das Leben tausender Menschen durch assistierten Suizid beendet“.
