Kardinal Woelki beklagt „Gewaltspirale im Libanon“, Erzbistum Köln spendet 110.000 Euro
Kardinal Rainer Maria Woelki hat die „Gewaltspirale im Libanon“ beklagt, die im Zuge des Angriffs der USA und des Staates Israel auf den Iran entstanden ist. Der libanesischen Gesundheitsbehörde zufolge kamen bei israelischen Angriffen seit dem 2. März, also seit etwa zweieinhalb Wochen, mehr als 1000 Menschen ums Leben, während mehr als 2500 Personen verwundet wurden. Zudem ist von 700.000 Flüchtlingen die Rede.
Das Erzbistum Köln teilte am Donnerstag mit, man stelle 110.000 Euro Soforthilfe bereit. Auch wenn bereits durch kirchliche Partner vor Ort eine erste Nothilfe geleistet werde, bleibe der Bedarf immens.
Woelki erklärte, die Leidtragenden des Iran-Kriegs mit seinen Auswirkungen auf den Libanon seien „unschuldige Menschen“. Er fügte hinzu: „Familien verlieren erneut ihr Zuhause, ihre Lebensgrundlage und ihre Hoffnung auf eine sichere Zukunft. Dass so viele Menschen dennoch an ihrer Heimat festhalten, verdient unseren tiefen Respekt. Doch niemand darf gezwungen sein, zwischen Flucht und Lebensgefahr wählen zu müssen.“
Woelki appellierte „eindringlich an alle Verantwortlichen: Beenden Sie die Angriffe! Geben Sie dem Frieden eine Chance. Nur durch ernsthafte Verhandlungen kann die Grenze zwischen Israel und dem Libanon dauerhaft gesichert und weiteres Leid verhindert werden. Gewalt schafft keinen Frieden – sie vertieft nur die Wunden. Das gilt für diesen Krieg wie auch für den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine.“
„Unser Gebet gilt allen Betroffenen“, schloss der Kardinal seine Stellungnahme. „Zugleich bitte ich die politisch Verantwortlichen, alles zu tun, um eine weitere Eskalation zu verhindern.“
Seit Ende Februar herrscht im Nahen Osten Krieg, als die USA und der Staat Israel den Iran angriffen und den 86-jährigen Ajatollah Ali Chamenei töteten, das politische und religiöse Oberhaupt der Islamischen Republik. Seither schlägt der Iran zurück, und zwar nicht nur im Staat Israel, sondern auch in verschiedenen Anrainerstaaten des Persischen Golfs, in denen die USA eine Militärpräsenz haben und von wo aus der Iran-Krieg geführt wird.
Durch eine weitreichende Blockade der Straße von Hormus, einer Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman, wird der Güterverkehr massiv eingeschränkt, was sich derzeit aufgrund der ausbleibenden Öllieferungen in zahllosen Ländern vor allem durch massiv erhöhte Spritpreise bemerkbar macht.
Auch der Libanon ist vom Krieg betroffen. Die schiitische Terrororganisation Hisbollah ist dort ansässig und schlägt mit dem Iran gegen den Staat Israel zurück. Auch der Iran wird schiitisch reagiert – nach der Tötung von Ajatollah Ali Chamenei ist dessen Sohn Modschtaba Chamenei der neue Oberste Führer des Landes.
Die Hisbollah wurde in den 1980er Jahren gegründet, um gegen die israelische Besetzung des Südlibanons vorzugehen. Hintergrund hierfür sind Konflikte zwischen der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) und dem Staat Israel, die auf die 1960er Jahre zurückgehen. Später verübten die PLO bzw. mit ihr verbundene Gruppierungen auch Terroranschläge, etwa bei den Olympischen Spielen 1972 in München.
