„Meine Karwoche“: Ein Bilderbuch für junge traditionsverbundene Katholiken
Die Eltern junger traditionsverbundener Katholiken dürfen sich über ein mehr als 100 Seiten starkes Bilderbuch über die Liturgien der Karwoche bis hin zur Osternacht freuen, das im Sarto-Verlag erschienen ist. Es handelt sich um die deutsche Übersetzung eines vor wenigen Jahren von Aurélie Kervizic in französischer Sprache geschriebenen und illustrierten Buches mit dem schlichten Titel „Meine Karwoche“.
Bei den Illustrationen fällt dem Kenner sofort die Liebe zum Detail ins Auge.
Ein Bild, das den Priester bei der Predigt darstellt, zeigt ihn ohne Manipel – denn dieses liturgische Kleidungsstück, das es in der nachkonziliaren Liturgie faktisch nicht mehr gibt, trägt der Priester bei der Messe am Arm, aber eben nicht bei der Predigt.
Ein anderes Bild zeigt die Kommunionspendung. Der Priester hält das Ziborium mit den konsekrierten Hostien so, dass er Daumen und Zeigefinger zusammen hält: Seit der Wandlung, als er die Hostie mit diesen Fingern berührte, bemüht er sich darum, auch das winzigste Stück, das ja ganz Christus ist, nicht verlorengehen zu lassen. Auch diese Haltung existiert in der nachkonziliaren Liturgie faktisch nicht mehr.
Die Texte sind kindgerecht geschrieben, aber für jene, die gerade erst mit dem Lesen anfangen, wahrscheinlich doch noch etwas zu schwierig. Gleichzeitig kann man davon ausgehen, das viele Begriffe aus dem Katechismusunterricht bekannt sind, dem traditionsverbundene Katholiken bekanntermaßen eine große Bedeutung beimessen. So oder so: Da jede Seite illustriert ist, werden auch ganz kleine Kinder damit ihre Freude haben, wenn sie am Altar jene Handlungen erkennen können, die im Buch dargestellt sind.
Inhaltlich umfasst „Meine Karwoche“ den Palmsonntag, den Gründonnerstag (wobei die Fußwaschung, wie sie in manchen Gemeinden im überlieferten Ritus vorgenommen wird, eigentlich nicht zur Sprache kommt), den Karfreitag (samt Kreuzweg) und die Osternacht. Am Ende des Buches findet sich über mehrere Seiten hinweg die Passionsgeschichte, die Kinder am Palmsonntag und am Karfreitag lesen können. Zwei Lieder – „O Haupt voll Blut und Wunden“ sowie „Christi Mutter stand mit Schmerzen“ – runden das Werk ab.
„Meine Karwoche“ basiert auf der Liturgie, wie sie im Messbuch von 1962 enthalten ist. Papst Pius XII. hatte Mitte der 1950er Jahre massive Änderungen an der Liturgie vorgenommen – bereits mehrere Jahre vor der nachkonziliaren Liturgiereform.
In den letzten Jahren hat die alte Karwochenliturgie, die jahrhundertelang bis zu den Reformen von Pius XII. in aller Welt gefeiert wurde, wieder größere Verbreitung gefunden, besonders in den USA. Im deutschsprachigen Raum ist weitgehend jene Form in Gebrauch, die auch in „Meine Karwoche“ dargestellt wird, die tatsächlich aber nur von 1956 bis 1969 offiziell in Kraft war und sich deutlich von der überlieferten Form unterscheidet, wie etwa Gregory DiPippo bei New Liturgical Movement herausgearbeitet hat.
Aurélie Kervizic: Meine Karwoche; Sarto-Verlag 2025; 112 Seiten; 16,80 Euro; ISBN 9783964060945
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