Pfarrer im Westjordanland warnt vor Angriffen „fanatischer israelischer Siedler“
Der Pfarrer des letzten vollständig christlichen Dorfes im Westjordanland, Bashar Fawadleh, hat die Christen weltweit zur Solidarität aufgerufen angesichts der erneuten Angriffe „fanatischer israelischer Siedler“, die darauf abzielen, die lokale Bevölkerung zu vertreiben.
Taybeh ist der heutige Name des biblischen Dorfes Ephraim, wo sich Jesus kurz vor seinem Leiden ausruhte (Joh 11,54). In den letzten Tagen haben israelische Siedler Gebiete in der Nähe des Steinbruchs und der Zementfabrik des Dorfes besetzt. Diese Vorstöße finden bereits seit langer Zeit statt. Im Juli 2025 steckten die Siedler die St.-Georgs-Kirche in Brand, einen historisches Gotteshaus im byzantinischen Stil aus dem fünften Jahrhundert, in dem die örtliche Gemeinde gewöhnlich ihre Gottesdienste abhält.
Außerdem wurden mehrere Fahrzeuge in Brand gesetzt, und die Angreifer „sprühten Hass-Graffitis“, wie Quellen in Taybeh zu entnehmen ist. Damals forderten christliche Würdenträger ein sofortiges Handeln seitens der israelischen Behörden und riefen die internationale Gemeinschaft dazu auf, die Eskalation der Gewalt zu stoppen.
Diesen Aufruf wiederholt nun Pfarrer Fawadleh. Auf die Frage von ACI Prensa, der Partneragentur von CNA Deutsch, welche Botschaft er Papst Leo XIV. und allen Christen der Welt übermitteln möchte, sagte er ohne zu zögern: „Wir bitten nicht nur um Mitgefühl, sondern um Solidarität.“
„Das Land, das diese Woche von israelischen Siedlern besetzt wurde, gehörte zum Dorf Taybeh und befand sich zudem in unserem Privatbesitz“, betonte der Pfarrer. Diese Besetzungen, so fuhr er fort, stellten nicht nur „einen Verstoß gegen das Völkerrecht und die Rechte der örtlichen Gemeinschaft“ dar, sondern seien auch eine Beleidigung, die für die Dorfbewohner weit über eine rechtliche oder politische Frage hinausgehe.
„Diese Geschichte handelt vom Leben einer christlichen Gemeinschaft, die seit mehr als 2000 Jahren auf diesem Land präsent ist“, sagte Fawadleh.
„Als Kirche ist es unsere Mission, den Menschen zu helfen, in ihrem Land zu bleiben, in Würde zu leben und die christliche Präsenz im Heiligen Land am Leben zu erhalten. Unsere Anwesenheit hier ist ein lebendiges Zeugnis für die Wurzeln des Christentums, wo alles seinen Anfang nimmt“, fügte er hinzu.
Für ihn gilt: „Wenn das Land bedroht ist, haben die Menschen Angst.“ Die Bauern von Taybeh hätten sogar Angst, auf ihre Felder zu gehen. Die örtliche Gemeinde wolle nur „in Frieden, in Würde und auf unserem Land leben“.
„Das ist eine Angelegenheit, die die ganze Kirche betrifft. Wir bitten um Ihre Gebete, um Ihre Besuche im Heiligen Land und bei den lebendigen Steinen in Taybeh sowie im ganzen Heiligen Land“, erklärte Fawadleh. „Und um Ihre Unterstützung, damit die Christen durch Bildung, Wohnraum und Arbeitsmöglichkeiten hier bleiben können. Denn die christliche Präsenz im Heiligen Land ist nicht nur eine lokale Angelegenheit.“
Nur so, indem man der Geschichte lauscht und die Realität dieses biblischen Volkes betrachtet, könne man die Wahrheit erzählen: „Denn es gibt nur eine Wahrheit, und es geht nicht darum, sie zu verzerren.“
Angriffe auf Christen im Westjordanland „nehmen zu“
In einem Gespräch mit EWTN News Nightly sagte unterdessen der Weihbischof des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem, William Shomali, dass die Realität der Christen verschiedener Konfessionen im Westjordanland von Übergriffen der Siedler geprägt sei.
„Derzeit gibt es im Westjordanland etwa 200 israelische Siedlungen, die auf enteignetem palästinensischem Land errichtet wurden. In jüngster Zeit, seit Ende letzten Jahres bis heute, nehmen die Angriffe auf Christen im Westjordanland zu“, fuhr er fort.
„Es gab eine weitere Ausweitung der Siedlungen und mehr Übergriffe seitens der Siedler“, so Shomali. Er stellte zudem klar, die israelischen Siedler seien der Ansicht, das gesamte Land Palästina müsse jüdisch sein. Die Palästinenser besetzten dieses Land „erst seit wenigen hundert Jahren besetzen“, weshalb sie es verlassen müssten.
Shomali erklärte, man habe seit den Angriffen im letzten Jahr den US-Botschafter über die Situation informiert, der sogar nach Taybeh gekommen sei. Aber obwohl er „versprochen hat, etwas zu unternehmen, ist nicht viel geschehen“. Seit April 2025 ist Mike Huckabee in diesem Amt, der als ausdrücklicher Unterstützer der Politik des Staates Israel gilt.
In andere christliche Dörfer Palästinas wie Birzeit in der Nähe von Ramallah gingen die Siedler täglich, „um die Menschen in ihren eigenen Häusern oder an ihrem Arbeitsplatz zu bedrohen“, was zu „einer echten Gefahr für christliche Familien“ geworden sei, da sie „ihre Lebensgrundlage und ihre Einkommensquelle verloren haben“.
Zudem berichtete der Bischof, dass die Siedler sogar Grundstücke eines Frauenklosters im Dorf Urtas in der Nähe von Bethlehem besetzt hätten, und zwar „mit der Absicht, eine neue Siedlung zu errichten“. Dasselbe geschah auf dem Hirtenfeld von Beit Sahour in der Nähe von Bethlehem, wo die Siedler einen Hektar Land besetzt haben.
Dort, wo die Engel den Hirten verkündeten, dass in Bethlehem ein Erlöser geboren wurde, „hissten sie eine israelische Flagge, um zu zeigen, dass es sich nun um israelisches Gebiet handelt, obwohl es einen Eigentumsnachweis auf den Namen einer mir bekannten christlichen Familie aus Beit Sahour gibt“.
„So wird das Land Palästina, das die Israelis heute Judäa und Samaria nennen – die biblischen Namen –, nach und nach immer weniger zu palästinensischem Gebiet und immer mehr zu Siedlungsgebiet“, sagte Shomali.
Übersetzt und redigiert aus dem Original von ACI Prensa, der spanischsprachigen Partneragentur von CNA Deutsch.
