Beraterin von Papst Franziskus: Frauen sollen in Messe predigen dürfen
Die Theologin Linda Pocher, eine Beraterin von Papst Franziskus, hat in einem Interview die Zulassung von Frauen zur Predigt in der Messe gefordert. Nach Ansicht der Don-Bosco-Schwester setze eine solche Beteiligung keinen Zugang zur sakramentalen Weihe voraus.
„Es ist daher notwendig, Frauen mehr zu beteiligen – etwa bei der Predigt, die an sich keinen Zugang zur Weihe voraussetzen würde. Also Frauen sollen predigen dürfen in einem Gottesdienst“, sagte Pocher am Mittwoch gegenüber katholisch.de.
Von 2023 bis 2024 hatte Pocher im Auftrag von Papst Franziskus eine Vortragsreihe für den päpstlichen Kardinalsrat zur Frauenfrage in der Kirche koordiniert. Derzeit lehrt die 46-Jährige Christologie und Mariologie an der Päpstlichen Fakultät für Erziehungswissenschaften in Rom.
Zum Argument, Christus habe ausschließlich Männer zu Aposteln berufen, wies Pocher auf den breiteren Jüngerkreis hin. „Es ist richtig, dass Jesus zwölf Männer zu seinen Aposteln berufen hat“, sagte sie. „Aber sein Gefolge war breiter und umfasste neben den Männern auch Frauen, wie die ersten Zeuginnen seiner Auferstehung. Dass er zwölf Männer auserwählt hat, hat mehr eine symbolische und heilsgeschichtliche Bedeutung.“
Zur Frage, ob eine Frauenweihe den Priestermangel lösen würde, äußerte sich Pocher skeptisch. „Die Weihe von Frauen würde das Problem des Priestermangels nicht automatisch lösen“, betonte sie.
„Dennoch wäre es ein wichtiger Schritt, Frauen zu weihen, denn damit würde ihr Dienst endlich voll anerkannt, ihre Gaben wertgeschätzt und damit die Beteiligung der Gemeinden gestärkt“, fuhr sie fort. „Es wäre ein wichtiger Schritt, aber keine schnelle Lösung für das Problem des Priestermangels.“
Pocher plädierte zugleich für eine grundlegende Änderung: „Die Zulassung von Frauen zu den sakramentalen Ämtern erfordert dennoch eine radikalere Reform: Ohne ein strukturelles Umdenken würde man nach anfänglicher Begeisterung auf die gleichen Probleme stoßen wie bisher, etwa den Mangel an Berufungen.“
Zu Papst Leo XIV. äußerte sich Pocher zurückhaltend. Er have „zwar erklärt, dass er im Sinne seines Vorgängers im Amt fortfahren möchte, aber bislang hat er sich vorsichtig dazu geäußert“.
Pochers Forderung steht im Kontext laufender kirchenpolitischer Debatten. Ende Februar 2026 hatte die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) die formale Bitte um Zulassung der Laienpredigt in der Messe in Rom angekündigt, wie CNA Deutsch berichtete.
Bischof Heiner Wilmer SCJ, der DBK-Vorsitzender, erinnerte dabei an den entsprechenden Beschluss des Synodalen Wegs: Demnach sollten die deutschen Bischöfe beim Heiligen Stuhl beantragen, „dass auch in Eucharistiefeiern nicht nur Priester, sondern auch andere geistlich qualifizierte Männer und Frauen, die vom Bischof beauftragt sind, predigen dürfen“.
Nach geltendem Kirchenrecht ist die Homilie in der Messe jedoch Priestern und Diakonen vorbehalten. In der Instruktion Redemptionis sacramentum aus dem Jahr 2004 stellte die vatikanische Kongregation für den Gottesdienst klar, die Homilie dürfe „niemals […] einem Laien“ übertragen werden.
Kardinal Arthur Roche, der Präfekt des Dikasteriums für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, bekräftigte dies 2023 in einem Schreiben an die DBK: „Die Exklusivität der homiletischen Rede bei der Feier aller Sakramente ist auf einer sakramentalen Ebene zu verstehen und nicht nur funktional […].“
Eine „bessere theologische Vorbereitung oder eine bessere Kommunikationsfähigkeit von Laien (Männern oder Frauen)“ könne „nicht als gültiges Kriterium dafür angesehen werden, ihnen die Homilie anzuvertrauen“.
Lehramtlich hält die katholische Kirche außerdem daran fest, dass nur Männer zur Priesterweihe zugelassen werden können. In seinem Apostolischen Schreiben Ordinatio sacerdotalis legte Papst Johannes Paul II. am 22. Mai 1994 verbindlich fest: „Damit also jeder Zweifel bezüglich der bedeutenden Angelegenheit, die die göttliche Verfassung der Kirche selbst betrifft, beseitigt wird, erkläre ich kraft meines Amtes, die Brüder zu stärken (vgl. Lk 22,32), daß die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und daß sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben.“ Da die Kirche das Weiheamt als eines in drei Stufen betrachtet, gilt diese Festlegung nach gängiger Auslegung analog auch für Diakonat und Episkopat.
