Vatikanbank bekommt nach rund 12 Jahren einen neuen Präsidenten
Der luxemburgische Bankier François Pauly, der ehemalige Generaldirektor der Edmond-de-Rothschild-Gruppe, wird den Franzosen Jean-Baptiste de Franssu als Präsident des Instituts für religiöse Werke (IOR), wie die Vatikanbank offiziell heißt, ablösen. Dies gab die Institution in dieser Woche bekannt.
Mit diesem Wechsel endet eine fast zwölfjährige Ära an der Spitze der Vatikanbank, die von tiefgreifenden internen Reformen, Schwankungen in den Geschäftsergebnissen und einer schrittweisen Wiederherstellung der internationalen Glaubwürdigkeit der Institution geprägt war.
Seit dem 9. Juli 2014 hatte de Franssu das Amt inne, und sein Ausscheiden hatte sich verzögert, da es ursprünglich für Ende 2025 vorgesehen war. Die Amtsübergabe wird am 28. April 2026 wirksam, jenem Datum, an dem die Geschäftsergebnisse für das am 31. Dezember 2025 endende Geschäftsjahr genehmigt werden. Ab diesem Zeitpunkt wird Pauly den Vorsitz des Aufsichtsrats der Vatikanbank übernehmen.
Laut der offiziellen Mitteilung auf der Webseite des Finanzinstituts „ist dieser Wechsel das Ergebnis eines sorgfältig geplanten Nachfolgeprozesses, der in den letzten zwölf Monaten in enger Zusammenarbeit zwischen dem Aufsichtsrat und der Kardinalskommission für die Aufsicht über das IOR durchgeführt wurde, um die Kontinuität in der Leitung des Instituts zu gewährleisten“.
François Pauly ist seit 2024 Mitglied des Aufsichtsrats. Seine Ernennung wurde von der Kardinalskommission, die das IOR leitet, am 28. Januar 2026 auf Vorschlag des Aufsichtsrats vom 12. Dezember 2025 gemäß den Bestimmungen der Satzung und der Geschäftsordnung des Instituts genehmigt.
Pauly blickt auf eine lange Karriere im Finanzsektor seit den 1980er Jahren zurück und hatte leitende Positionen bei verschiedenen internationalen Instituten inne. In Italien war er von 2002 bis 2003 stellvertretender Generaldirektor von Dexia Crediop. Anschließend war er von 2011 bis 2016 als Geschäftsführer und Präsident der Banque Internationale à Luxembourg tätig. Darüber hinaus gehörte er von 2017 bis 2021 dem Verwaltungsrat des Pensionsfonds des Vatikans an.
Derzeit ist er Vorsitzender der La-Luxembourgeoise-Gruppe und Mitglied der Wirtschaftskommission der Erzdiözese Luxemburg sowie Mitglied der Verwaltungsräte verschiedener Unternehmen aus den Bereichen Versicherung, Bankwesen und Vermögensverwaltung in Luxemburg, der Schweiz und Belgien.
Die Kardinalskommission muss nun ein neues Mitglied des Aufsichtsrats benennen, das de Franssu ersetzen soll. In der Erklärung des IOR brachte Kardinal Giuseppe Petrocchi, der Vorsitzende der Kardinalskommission des IOR, den „tiefen Dank“ der Institution gegenüber Jean-Baptiste Douville de Franssu für seinen „wesentlichen“ Beitrag zum Erneuerungsprozess des Instituts und seine Bereitschaft zum Ausdruck, über seine eigentliche Amtszeit hinaus zu bleiben.
Mit Blick auf die Zukunft hieß Petrocchi Pauly als neuen Vorsitzenden des Aufsichtsrats willkommen und betonte, dass dessen „umfangreiche Berufserfahrung“ entscheidend dazu beitragen werde, die erzielten Erfolge zu festigen und die Verbindungen des Instituts zum globalen Finanzsektor zu stärken.
Nach den Worten des Kardinals soll diese neue Etappe unter der Führung von Pauly sicherstellen, dass der Finanzarm des Vatikans seine Mission „im Dienste der Weltkirche“ weiterhin erfolgreich erfüllt.
Übersetzt und redigiert aus dem Original von ACI Prensa, der spanischsprachigen Partneragentur von CNA Deutsch.
