Bischof Hanke im Ruhestand erleichtert, dass er „aus diesen Strukturen ausgeschieden“ ist

Bischof Hanke im Ruhestand erleichtert, dass er „aus diesen Strukturen ausgeschieden“ ist

Der emeritierte Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke OSB hat sich fast ein Jahr nach seinem Rücktritt erleichtert gezeigt, dass er „aus diesen Strukturen ausgeschieden“ ist.

„Ich habe natürlich die Richtungsdebatte der vergangenen Jahre noch lebhaft in Erinnerung, und sie ist auch noch nicht zu Ende geführt“, sagte Hanke dem Kölner Domradio am Montag. „Meine Position diesbezüglich – etwa gegenüber dem Synodalen Weg in Deutschland – habe ich mehrfach klar formuliert, wovon ich auch jetzt nicht abrücke.“

Hanke zählte neben drei weiteren deutschen Diözesanbischöfen – Kardinal Rainer Maria Woelki von Köln sowie die Bischöfe Stefan Oster SDB von Passau und Rudolf Voderholzer von Regensburg – zu den deutlichsten Kritikern des deutschen Synodalen Wegs mit seinen teils drastischen Änderungsbestrebungen an der überlieferten kirchlichen Lehre. Die vier Bischöfe waren nach wiederholter vatikanischer Kritik aus dem Prozess ausgestiegen. Inzwischen könnte es sein, dass der Vatikan die Satzung der Synodalkonferenz genehmigt, die den Synodalen Weg verstetigen soll. Bischof Oster hat bereits signalisiert, dass er bei grünem Licht wieder in den Prozess einsteigen könnte.

Der emeritierte Bischof von Eichstätt hielt unterdessen fest, ihm sei „gerade durch meinen Rückzug in die zweite Reihe noch klarer geworden“: „Ich möchte nicht gegen etwas kämpfen, sondern mich – positiv –  für etwas einsetzen: für die Evangelisierung, für den geistlichen Ausbruch aus der Kraft des gelebten Evangeliums. Da möchte ich kleine Schritte setzen und Hilfestellung geben, wo ich kann.“

„Das Wichtigste ist, für etwas einzutreten“, fuhr Hanke fort. „Und dann ist auch ein Dialog trotz unterschiedlicher Positionierungen innerkirchlich leichter möglich, als wenn man das Geschehen in der Kirche als ein politisches mit Parteiungen und Richtungen begreift.“

„Nein, es geht um die Evangelisierung, wie sie uns Papst Franziskus mehrfach ins Stammbuch geschrieben hat – auch in seinem ‚Brief an das pilgernde Gottesvolk in Deutschland‘ 2019“, bekräftigte er. „Und dem zu dienen – das ist mein Ansatz. Ich muss sagen, ich bin nicht unfroh, dass ich mich diesen oft endlosen Debatten nun nicht mehr unterziehen muss.“

„Dass ich aus diesen Strukturen ausgeschieden bin, empfinde ich als Erleichterung und als eine Tür für ein Kräftereservoir, das ich nun anders einsetzen kann“, sagte Hanke.

Am Pfingstsonntag, dem 8. Juni 2025, war Hanke überraschend mit 70 Jahren von seinem Amt zurückgetreten und wollte laut Bistum als „Pater Gregor“ in die Seelsorge zurückkehren. Inzwischen wirkt er außerhalb der Diözese Eichstätt, nämlich im Bistum Augsburg, „um dem Nachfolger den Weg freizumachen und auch mir selbst einen Neuanfang zu ermöglichen“, wie Hanke am Montag sagte. Das Bistum Eichstätt hat noch immer keinen neuen Bischof.

Damals teilte die Diözese mit, das Rücktrittsgesuch von Hanke sei bereits „kurz vor Ostern“ von Papst Franziskus angenommen worden. Zu jenem Zeitpunkt war der Pontifex bereits schwer krank, bevor er am Ostermontag starb. Damals habe er jedoch gesagt, er solle im Amt bleiben, bis ein genauer Zeitpunkt für den eigentlichen Rücktritt bestimmt werde.

In einem Schreiben an die Mitarbeiter seiner Diözese erklärte Hanke seinerzeit: „Gerne hätte ich Ihnen die Gründe für meinen Wunsch und auch den entsprechenden Termin mit angemessenem Vorlauf vorab mitgeteilt, so wie Sie es von anderen wichtigen Personalentscheidungen gewohnt sind. Aufgrund römischer Weisung war das jedoch nicht vor dem offiziellen Beginn des Ruhestandes möglich.“

Der nun emeritierte Bischof ging auch auf die „Vorgeschichte“ zu seinem Rücktritt ein: „Je näher mein 70. Geburtstag rückte, desto intensiver beschäftigte ich mich mit der Frage, ob es nach über 30 Jahren Dienst in herausgehobener Verantwortung nicht an der Zeit sei, loszulassen. Über 13 Jahre war ich Abt von Plankstetten in einer spannenden und gleichermaßen fordernden Umgestaltung des Klosters. Inzwischen bin ich im 19. Jahr Bischof von Eichstätt und stehe nach Dienstjahren an dritter Stelle unter den Diözesanbischöfen der Deutschen Bischofskonferenz.“

Gleichzeitig räumte er ein: „Ich will aber auch nicht verhehlen, dass ich nach den vielen Herausforderungen, Skandalen und ungelösten Konflikten, an denen es in meiner Zeit als Bischof nicht gefehlt hat, eine innere Ermüdung spüre.“

Schließlich erklärte Hanke, wohl auch mit Blick auf den Synodalen Weg und die damit verbundenen Debatten: „In den letzten Jahren hat mich außerdem die Frage nach der geistlichen Fruchtbarkeit der Kirche in unserem Land sehr bewegt. Die katholische Kirche in Deutschland ist mit ihren Strukturen und Gremien gut durchorganisiert und verfügt über viele kompetente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Über ihre Sozialgestalt erweist sie sich nach wie vor als einflussreich, trotz des Rückgangs an Gläubigen ist sie ein bedeutender gesellschaftlicher Player. Angesichts des Umbruchs und des Abschmelzens entwickeln wir notwendigerweise pastorale Programme und Zukunftskonzepte.“

„Doch inwieweit erweist sich unser ‚System‘ Kirche in Deutschland als geistlich fruchtbar, so dass es einen Aufbruch aus der Kraft des gelebten Evangeliums fördert und der Heiligung der Welt dient?“, so der Bischof. Ausdrücklich verwies er auf das Schreiben von Papst Franziskus an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland aus dem Jahr 2019, das vielfach von Kritikern des Synodalen Wegs als Gegenstück zu den deutschen Reformbestrebungen beschrieben wurde, da es mit Nachdruck die Bedeutung der Evangelisierung betont.

Werden Sie Teil der EWTN-Familie. Abonnieren Sie unseren Newsletter!

*Ich möchte zukünftig den wöchentlichen Newsletter von EWTN.TV mit Impulsen, Programmtips und Informationen rund um Ihren katholischen Fernsehsender per E-Mail empfangen. Diese Einwilligung kann am Ende jedes Newsletters widerrufen werden. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.