Papst Leo besetzt mehrere vatikanische Schlüsselpositionen neu
Papst Leo XIV. hat am Montag den italienischen Erzbischof Paolo Rudelli zum neuen Leiter der Abteilung für allgemeine Angelegenheiten des Staatssekretariats ernannt – einer der einflussreichsten Positionen in der römischen Kurie. Der sogenannte Substitut („Stellvertreter“) gilt gemeinhin als die drittmächtigste Position im Vatikan nach dem Papst und dem Staatssekretär.
Der Pontifex ernannte zudem Erzbischof Petar Rajič zum neuen Präfekten des Päpstlichen Hauses, jener Einrichtung der römischen Kurie, die für die Organisation des Terminkalenders, der Audienzen und der Zeremonien des Papstes zuständig ist – eine Position, die als eine der höchsten Vertrauensposten gilt.
Rajič, der kanadischer und kroatischer Herkunft ist, war bisher als Apostolischer Nuntius in Italien und der Republik San Marino tätig. Mit seiner Ernennung übernimmt er eine Schlüsselrolle bei der Organisation der täglichen öffentlichen Aktivitäten des Papstes.
Der neue Substitut, der 55-jährige Rudelli, ist seit 2023 Apostolischer Nuntius in Kolumbien. Er tritt die Nachfolge von Erzbischof Edgar Peña Parra an, einem Venezolaner, der diese Rolle seit 2018 innehatte und der Rajič als Gesandter des Papstes in Italien und San Marino ablösen wird.
In einer Abschiedsrede, die er am 30. März im Apostolischen Palast hielt, erinnerte Peña Parra an einige der bedeutendsten Momente seiner Amtszeit im Staatssekretariat, darunter den Prozess im Vatikan wegen der Investition in eine Immobilie in London, der Peña Parra und seine Kollegen „einer beispiellosen medialen und gerichtlichen Prüfung aussetzte, die von uns Strenge, Transparenz und Verantwortungsbewusstsein erforderte“.
Die Ernennung zum Substitut im Staatssekretariat ist die größte Veränderung in der Führungsriege des Vatikans, die Papst Leo seit seiner Wahl am 8. Mai 2025 vorgenommen hat.
Der Substitut ist für zentrale Aufgaben bei der internen Koordination des Heiligen Stuhls zuständig, insbesondere auf operativer Ebene bei der täglichen Leitung des Staatssekretariats und bei der direkten Überwachung der Dokumente, Reden und Aktivitäten des Papstes.
Zu diesen Aufgaben gehören auch die Veröffentlichung und Verbreitung offizieller Mitteilungen über die Tätigkeit des Papstes und des Heiligen Stuhls sowie die Organisation apostolischer Reisen.
Rudelli: Von Norditalien nach Südamerika
Der italienische Erzbischof, 1970 in der Provinz Bergamo in Norditalien geboren, verfügt über umfangreiche Erfahrung im diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls, der ihn auf Posten in Europa, Afrika und Südamerika geführt hat.
Er war Anfang der 2000er Jahre in den diplomatischen Dienst eingetreten. Zwischen 2001 und 2003 arbeitete er an der Apostolischen Nuntiatur in Ecuador und später, von 2003 bis 2006, bei der Päpstlichen Vertretung in Polen.
Von 2006 bis 2014 war er als Sekretär und später als Berater der Nuntiatur in der ersten Sektion des Staatssekretariats tätig und sammelte so direkte Erfahrungen im Herzen der vatikanischen Verwaltung. Später wurde er zum Ständigen Beobachter des Heiligen Stuhls beim Europarat in Straßburg ernannt.
Im Jahr 2019 wurde er von Papst Franziskus im Petersdom zum Erzbischof geweiht und im Januar 2020 als Apostolischer Nuntius nach Simbabwe entsandt. Im Jahr 2023 wurde er nach Kolumbien versetzt.
Rajič: Posten in mehrheitlich muslimischen Ländern
Rajič wurde am 12. Juni 1959 in Toronto in eine Familie bosnisch-kroatischer Herkunft geboren. Er wurde am 29. Juni 1987 zum Priester geweiht und in die Diözese Trebinje inkardiniert, die mit den Wurzeln seiner Eltern verbunden ist, nachdem er am Priesterseminar in Sarajevo in Bosnien-Herzegowina studiert hatte.
Er trat 1993 in den diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls ein und war in verschiedenen Funktionen tätig, unter anderem im Iran und in Litauen. Außerdem arbeitete er in der Abteilung für allgemeine Angelegenheiten des Staatssekretariats.
Am 2. Dezember 2009 ernannte Papst Benedikt XVI. Rajič zum Apostolischen Nuntius in Kuwait, Bahrain und Katar sowie zum Apostolischen Delegaten auf der Arabischen Halbinsel.
Seine Bischofsweihe fand am 23. Januar 2010 in Mostar in Bosnien-Herzegowina statt – eine symbolträchtige Wahl in einer Stadt, die noch immer von Spaltungen zwischen muslimischen und christlichen Gemeinden geprägt ist und die mit seiner Mission in Ländern mit muslimischer Mehrheit im Einklang stand.
Zwei Monate später wurde sein diplomatischer Auftrag auf den Jemen und die Vereinigten Arabischen Emirate ausgeweitet. Am 15. Juni 2015 ernannte Papst Franziskus den Erzbischof zum Nuntius in Angola sowie São Tomé und Príncipe.
Während seines diplomatischen Dienstes in Angola spielte Rajič eine bedeutende Rolle bei der Erzielung des Rahmenabkommens zwischen dem Heiligen Stuhl und dem afrikanischen Land im Jahr 2019, insbesondere hinsichtlich der Sendungen des katholischen Senders Radio Ecclesia.
Im selben Jahr wurde er an die Apostolische Nuntiatur in Litauen versetzt. Am 6. August 2019 wurde ihm zudem die Aufgabe als päpstlicher Vertreter in Estland und Lettland übertragen.
Übersetzt und redigiert aus dem Original von EWTN News, dem englischsprachigen Nachrichtenpartner von CNA Deutsch.
