Leiter von traditioneller Chartres-Wallfahrt lehnt Reformvorschläge zur alten Messe ab
Philippe Darantière, der Vorsitzende von Notre-Dame de Chrétienté – jener Organisation, die die bekannte traditionsverbundene Chartres-Wallfahrt organisiert –, hat den Vorschlag des Abtes von Solesmes zur Schaffung eines gemeinsamen Messbuchs zurückgewiesen. Abt Geoffroy Kemlin OSB hatte Papst Leo XIV. im November 2025 in einem Brief empfohlen, den überlieferten Ritus teilweise in das neue Messbuch einzufügen.
In einem am Montag auf dem Portal L’Homme Nouveau erschienenen Interview zitierte Darantière einen nicht namentlich genannten Benediktinermönch und nannte dessen Vergleich zutreffend: „Im Grunde ist die Pädagogik des reformierten Ritus die des Überflusses. Alles ist Überfluss: Überfluss der Lesungen, Überfluss der eucharistischen Hochgebete, Überfluss der Wahlmöglichkeiten für den Zelebranten […]. Die Pädagogik des alten Ritus ist das Gegenteil: eine Pädagogik der Regelmäßigkeit und der Wiederholung, eine Form, die sich Priestern und Gläubigen auferlegt und die dem Gottesdienst dient.“ Beide seien grundlegend unvereinbar, erklärte Darantière.
Abt Geoffrey hatte seinen Vorschlag am 16. März im Gespräch mit Radio Chrétienne Francophone erstmals öffentlich gemacht. Ausgangspunkt war eine Begegnung mit Papst Leo XIV. Mitte November 2025 in Rom anlässlich des 125. Jahrestages der Weihe der dortigen Abteikirche von Sankt Anselm.
„Ich war tief berührt von diesem freundlichen Blick und verspürte das Bedürfnis, ihm mitzuteilen, was mich bewegte: Ich muss mit dem Heiligen Vater über das Leid sprechen, das durch die Spaltung verursacht wird“, sagte Kemlin laut dem Portal Aleteia.
In seinem Brief schlug Kemlin dem Papst vor, den alten Ordo – mit kleineren Änderungen – in das Missale Romanum einzufügen und dabei den Neuen Ordo unverändert zu lassen. Aleteia zitierte aus dem Schreiben: „Anstatt zu spalten und abzulehnen, würde uns diese Lösung ermöglichen, die Gläubigen, die dem alten Messbuch verbunden sind, einzubeziehen und willkommen zu heißen, ohne diejenigen, die der neuen Ordnung verbunden sind, zu verärgern oder auszugrenzen.“
Für Gläubige der überlieferten Form der Liturgie sei die Übernahme des neuen Kalenders und des neuen Lektionars vorgesehen. Damit wäre die alte Liturgie faktisch abgeschafft.
Gerade der neue Kalender habe viele Gläubige verunsichert, so Darantière: Mit seiner Einführung seien Feste von besonderer christozentrischer Bedeutung gestrichen worden, darunter das Fest des Kostbaren Blutes und das Fest des heiligen Namens Jesu. „Er schuf einen Bruch und zerstörte alle Bezugspunkte, auf denen die Weitergabe des Glaubens beruhte.“
Abt Geoffreys Verweis auf Dom Guéranger, den Gründer der Benediktinerabtei Solesmes, als Vorläufer der Liturgiereform von 1969 wies Darantière ebenfalls zurück. Guéranger habe selbst geschrieben: „Jede Liturgie, deren Entstehung wir erlebt haben und die nicht die unserer Väter war, konnte daher diesen Namen nicht verdienen.“ Damit sei ein hypothetisches Befürworten der nachkonziliaren Reform durch Dom Guéranger ausgeschlossen.
Hintergrund der gegenwärtigen Debatte ist ein für diesen Juni geplantes Konsistorium über die Liturgie. Papst Leo XIV. hatte in einem Brief an die Bischofskonferenz Frankreichs zudem um konkrete Lösungsvorschläge gebeten, die es ermöglichen, die an den überlieferten Ritus gebundenen Gläubigen „großzügig einzubeziehen“.
