Ex-Ministerpräsident Haseloff: In die Politik „hat mich der Katholizismus geführt“

Ex-Ministerpräsident Haseloff: In die Politik „hat mich der Katholizismus geführt“

Reiner Haseloff, der ehemalige Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, hat erklärt, in die Politik „hat mich der Katholizismus geführt“. Der CDU-Politiker war von 2011 bis 2026 Ministerpräsident. Zu Jahresbeginn trat er von seinem Amt zurück, obwohl die nächste Landtagswahl erst im September stattfinden soll.

„Ohne das C für Christlich wäre ich wahrscheinlich gar nicht in der CDU“, sagte Haseloff am Wochenende gegenüber der Welt am Sonntag. „Die Liberalen haben auch interessante Ansätze. Wenn man aus einer Diktatur kommt, weiß man Freiheit umso mehr zu schätzen. Aber in die Politik hat mich der Katholizismus geführt.“

„Unsere Pfarrer kamen aus dem Westen, aus Paderborn, Bochum, Hamm“, fuhr der Politiker fort. „In der Wendezeit haben sie gesagt: Jetzt ist die Chance da, jetzt müsst ihr rein.“ Der „Aktivierungsauftrag“ sei also „von der Kanzel“ gekommen.

„Wir wussten ja nicht, dass daraus ein neues System werden würde, das wir mitgestalten können“, erinnerte sich Haseloff. „Aber dann lief praktisch die halbe Kirchengemeinde los und ließ sich auf Stadtrats- und Kreistagslisten setzen. Die, die gewerkschaftlich engagiert waren, gingen eher zur SPD. So saßen in den ersten Nachwendejahren Leute aus derselben Kirchenbank plötzlich in verschiedenen Fraktionen.“

„Ich komme aus einem katholischen Milieu“, betonte er auch an anderer Stelle des Gesprächs und erwähnte in diesem Zusammenhang „Fronleichnamsprozessionen, schlesische Kirchenlieder, Marienlieder“.

„Und dann kommst du in den Kindergarten und die Schule und kriegst gesagt, du hättest eine Macke, weil du der ‚wissenschaftlichen Weltanschauung‘ nicht zugeneigt seiest, also kein Atheist bist“, sagte Haseloff mit Blick auf das Leben in der damaligen DDR. „Das war so bei mir. Diese Konfrontation hat uns provoziert, uns intensiver damit zu beschäftigen: Theologie, Naturwissenschaft, Weltanschauung. Daher kam auch mein Weg in die Physik. Nicht nur, weil ich Spaß daran hatte, sondern auch aus dieser geistigen Auseinandersetzung heraus.“

Anders als Haseloff ist Sven Schulze, der jetzige Ministerpräsident von Saschen-Anhalt, ein Protestant. Seit 2021 war er Vorsitzender der CDU in Sachsen-Anhalt sowie Landwirtschaftsminister. Die Wahl im September kann der 46-Jährige dank des vorzeitigen Rückzugs von Haseloff mit dem sogenannten Amtsbonus angehen. Umfragen zeigen die AfD jedoch weiterhin mit deutlichem Vorsprung vor der CDU. Eine Regierungsbildung könnte unter diesen Voraussetzungen extrem kompliziert werden.

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