Papst Leo warnt in Kamerun vor negativen Aspekten der „digitalen Revolution“
An einer katholischen Universität in Yaoundé, der Hauptstadt von Kamerun, hat sich Papst Leo XIV. am Freitagabend mit Vertretern der akademischen Welt getroffen. Dabei warnte er vor negativen Aspekten der „digitalen Revolution“ und würdigte die Rolle von Hochschulen, besonders von katholischen Hochschulen, in der Suche nach der Wahrheit.
„Während nämlich viele Menschen weltweit ihre spirituellen und ethischen Orientierungspunkte zu verlieren scheinen und in Individualismus, Äußerlichkeiten und Heuchelei ihre Freiheit verlieren, ist die Universität par excellence ein Ort der Freundschaft und der Zusammenarbeit, der Innerlichkeit und der Reflexion“, erläuterte der Pontifex. „In ihren Anfängen im Mittelalter gaben ihr ihre Gründer als Ziel die Wahrheit vor. Auch heute sind Dozenten und Studenten aufgerufen, sich die gemeinsame Suche nach der Wahrheit als Ziel und zugleich als Lebensstil vorzunehmen, da, wie der heilige John Henry Newman schrieb, ‚sich in Gott alle wahren Grundsätze erfüllen, alle Phänomene konvergieren nach ihm hin‘.“
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Mehr Informationen„Meine Lieben, Afrika kann einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, die allzu engen Horizonte einer Menschheit zu erweitern, der es schwerfällt zu hoffen“, zeigte sich Leo überzeugt. „Auf eurem großartigen Kontinent ist die Forschung in besonderer Weise herausgefordert, sich interdisziplinären, internationalen und interkulturellen Perspektiven zu öffnen.“
„Und heute müssen wir dringend über den Glauben innerhalb der kulturellen Kontexte und aktuellen Herausforderungen nachdenken, um seine Schönheit und Glaubwürdigkeit in den verschiedenen Zusammenhängen hervortreten zu lassen, insbesondere in denen, die am stärksten von Ungerechtigkeit, Ungleichheit, Konflikten sowie materiellem und spirituellem Verfall geprägt sind“, fügte er hinzu.
„Die Bedeutung einer Nation lässt sich nicht allein anhand des Reichtums ihrer natürlichen Ressourcen oder des materiellen Wohlstands ihrer Institutionen bemessen“, betonte der Papst. „Tatsächlich kann keine Gesellschaft gedeihen, wenn sie sich nicht auf redliche Gewissen gründet, die zur Wahrheit erzogen wurden.“
„Freie Gewissen zu formen, die von einer heiligen Unruhe erfüllt sind, ist die Voraussetzung dafür, dass der christliche Glaube als ein zutiefst menschliches Angebot erscheint, das in der Lage ist, das Leben der Einzelnen und der Gesellschaft zu verwandeln, in Bezug auf die Dramen und die Nöte unserer Zeit prophetische Veränderungen in Gang zu setzen und zu einer immer weitergehenden, nie an ein Ende kommenden Suche nach Gott zu ermutigen“, erklärte er.
Ausdrücklich warnte Papst Leo vor negativen Aspekten der „digitalen Revolution“: „Wenn die virtuelle Simulation zur Norm wird, verkümmert die menschliche Urteilsfähigkeit, und unsere sozialen Bindungen schließen sich in autoreferenzielle Zirkel ein, die uns nicht mehr mit der Wirklichkeit konfrontieren. Wir leben dann gleichsam innerhalb von Blasen, voneinander abgeschottet, wir fühlen uns von jedem bedroht, der anders ist, und wir verlernen die Begegnung und den Dialog. So breiten sich Polarisierung, Konflikte, Ängste und Gewalt aus. Es geht nicht bloß darum, dass die Gefahr eines Irrtums besteht, sondern dass sich die Beziehung zur Wahrheit selbst verändert.“
„Meine Damen und Herren, die wichtigste Tugend, die die Universitätsgemeinschaft beseelen muss, ist die Demut“, schloss der Pontifex seine Ansprache. „Unabhängig davon, welche Rolle wir einnehmen und wie alt wir sind, müssen wir uns stets daran erinnern, dass wir alle Jünger sind, das heißt Studiengefährten mit einem einzigen Meister, der die Welt so sehr geliebt hat, dass er sein Leben für sie hingegeben hat.“
EWTN überträgt alle öffentlichen Programmpunkte der Afrika-Reise von Papst Leo XIV. live im Fernsehen sowie online im Stream. Die Programmpunkte mit genauen Uhrzeiten sowie die entsprechenden Links für den Stream finden Sie HIER.